DN-EissegelnJablonski eiskalt zu WM-Silber und EM-Bronze

Tatjana Pokorny

 · 22.02.2026

Die Segelnummer 36 kennt im Eissegelsport jeder. Sie gehört dem Klassenkönig Karol Jablonski, der seit 50 Jahren der Faszination des DN-Schlittens folgt.
Foto: Gwidon Libera/gwidonliberafoto
Er kann es noch – und das auch unter schwierigsten Bedingungen: Karol Jablonski hat 50 Jahre nach seiner ersten Begegnung mit DN-Eisschlitten WM-Silber und EM-Bronze geholt. Im Alter von 63 Jahren bot der Deutsch-Pole der teilweise deutlich jüngeren Konkurrenz mehr als Paroli. Eine nicht von ihm verschuldete Kollision in einem WM-Rennen kostete den greifbaren 13. WM-Titel.

DN-Eissegler müssen flexibel sein. Das weiß jeder, der im DN-Schlitten auf hohem Niveau segelt. Austragungsorte für Regatten werden oft kurzfristig angesetzt – oder ebenso schnell verlegt, weil das Eis am ursprünglich geplanten Veranstaltungsort nicht reicht und anderswo besser ist. So war es vermeintlich auch bei WM und EM in diesem Jahr. Statt in Polen um die Titel und Medaillen zu segeln, wurden die beiden gekoppelten Wettkämpfe kurzfristig nach Schweden verlegt.

DN Eissegeln: eine Kollision kostet Jablonski den WM-Titel

Doch die Erkenntnis dort: Erst gab es keinen Wind, dann die Ansage “No ice in Sweden, no racing – kein Eis in Schweden, keine Rennen.” Hartwassersegler aber brauchen Eis und Karol Jablonski hielt fest: “Die spontane und nicht durchdachte Entscheidung, die WM aus Polen nach Schweden zu verlegen, war ein Fehler. Die haben zu hektisch reagiert. Das hat uns vier Tage gekostet.”

Also machte sich der Tross der rasenden DN-Segler doch wieder auf den Weg nach Polen, wo beide Titelkämpfe im Kompaktformat auf dem Buckower See in Westpommern ausgetragen wurden. Dort verpasste Karol Jablonski nach fünf WM-Wettfahrten sein 13. WM-Gold als neuer Vizeweltmeister nur knapp.

​”Eine von mir nicht verschuldete Kollision in der zweiten Wettfahrt hat eine Platzierung in den Top-Drei in dem Rennen gekostet. Die hätte zum WM-Sieg gereicht”, berichtete Karol Jablonski. Gleichzeitig sagte er aber auch: “Ich bin trotzdem mit meiner Leistung sehr zufrieden. Rasmus Maalinn hat gewonnen, die letzte Wettfahrt war dann entscheidend - leider der Wind hat die Karten nicht gut für mich verteilt.” Mit den Ergebnissen 2, (37), 1, 1 und 9 holte Jablinski sein fünftes WM-Silber.

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EM im DN-Schlitten: nur drei Läufe möglich

Zu Gold fehlten dem neuen Vizeweltmeister bei insgesamt 13 Punkten fünf Zähler. Weltmeister wurde der erst 26 Jahre alte Rasmus Maalinn (8 Punkte) aus Estland. Sein 40-jähriger Landsmann Argo Voorema holte mit 20 Punkten WM-Bronze. Das beste DN-Ergebnis unter deutscher Flagge gelang bei der Weltmeisterschaft dem 38 Jahre alten Andi Lachenschmid (69 Punkte) vom Münchner Yacht-Club mit Platz 20 und zwei Zählern Vorsprung vor Jost Kolb (71 Punkte) von der BSV Steinhude auf Platz 21. Zu den WM-Endergebnissen geht es hier.

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Kurz nach der WM mit 103 Startern aus zwölf Nationen begann schon die EM mit 98 DN-Schlitten auf demselben See. DN-Eissegler sind es gewohnt, ihre Chancen zu nutzen. Dieses Mal mussten sie das in nur drei Rennen an einem einzigen Tagen tun. Den Titel holt sich auch im europäischen DN-Wettstreit Rasmus Maalinn (9 Punkte) vor dem Polen Lukasz Zakrzewski (18 Punkte). Karol Jabonski gewann mit 19 Punkten EM-Bronze, schloss das hochkarätige Doppel-Event wie Rasmus Maalinn mit zwei Medaillen ab.

“Ich bin ganz happy mit meiner Performance. Leichte, drehende Winde haben mir das Leben schwer gemacht, besonders nach dem Sprint-Start”, erklärte Karol Jablonski nach der Europameisterschaft. Auch ohne Gold in diesem Jahr bleibt er der mit seiner Bilanz auf unabsehbare Zeit nicht einholbare Klassenkönig und sagte mit Blick aufs eigene Alter: “Ich habe meine Ausdauer an die Grenzen gepusht.” Der Eissegelsport bleibt für Jablonski ein Magnet, dessen Anziehungskraft er seit einem halben Jahrhundert immer wieder folgt.

Im DN-Adrenalinrausch übers Eis

Was den einstigen America’s-Cup-Steuermann, Admiral’s-Cup-Sieger mit dem deutschen Team und Matchrace-Könner so am Eissegeln fasziniert? “Es ist der Speed, aber vor allem der enge Kampf um die Meter bei hoher Geschwindigkeit. Bei bis zu 130 km/h und viel Adrenalin bleibt nicht viel Zeit, um Entscheidungen zu treffen. Und dann zählt nicht nur der Einsatz auf der Regattabahn, sondern auch die Wahl des Materials, der Kufen vor allem.”

Es ist ein Wunder, dass ich in meinem Alter noch auf dem höchsten Niveau mit Jüngeren konkurrieren kann.” Karol Jablonski

Er sei “schon fit”, wisse aber gleichzeitig, dass er “bei den Sprint-Starts gegen die Jüngeren keine Chance” hat. Deswegen muss er mit taktischer und strategischer Güte stets “während der Rennen aufholen”. Das Geheimnis der andauenrden Jablonski-Klasse? “Dieser Sport hält mich fit, stählt meine Ausdauer. Er lehrt mich, meine Grenzen kennenzulernen und die Schwächen zu überwinden. Die Erholung danach dauert jetzt halt ein bisschen länger.”

DN-Seglerin Anja Fiedler holt GER-Top-Ergebnis

Beste deutsche Akteurin bei der Europameisterschaft war unter Männern wie Frauen Anja Fiedler vom TSV Schilksee. Die schnellste GER-Seglerin auf Kufen sicherte sich mit den Rängen 17, 23 und 23 EM-Platz 21 im Feld von 98 DM-Akteuren. Der erfahrene Bernd Zeiger segelte im auf drei Läufe arg komprimierten EM-Programm, das bei zu viel Wind und Regen nicht weiter fortgesetzt werden konnte, auf Platz 32. Hier geht es zu den EM-Ergebnissen, die wie die WM-Resultate auf drei Seiten für Gold-, Silber- und Bronze-Flotte zu finden sind.

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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