Die zweite Etappe im Mini-Transat EuroChef läuft!Burke und Fink in der Spitzengruppe, Kargl investiert extrem

Tatjana Pokorny

 · 01.11.2021

Die zweite Etappe im Mini-Transat EuroChef läuft!: Burke und Fink in der Spitzengruppe, Kargl investiert extremFoto: Vincent Olivaud / Mini-Transat EuroChef 2021

Spannender Auftakt zur Herzetappe im Mini-Transat: Die deutschen Serienboot-Skipper machen vorn Druck, der Österreicher Christian Kargl wagt den Ausbruch

Gelungener Auftakt für Lennart Burke ("Vorpommern") und Melwin Fink ("SignForCom") bei der zweiten Etappe im Mini-Transat EuroChef 2021: Die beiden jungen deutschen Skipper hatten das Rennen am 29. Oktober vor Santa Cruz de La Palma zunächst im Mittelfeld eröffnet, waren dann aber immer weiter vorgerückt. Am frühen Montagmorgen lag Lennart Burke sogar auf Rang zwei, Melwin Fink auf Rang sieben. Die zwischenzeitlichen Top-Ten-Platzierungen zeigen, dass es den beiden deutschen Booten vom Typ Pogo 3 zwischen den Kanaren und den Kapverdischen Inseln an Geschwindigkeitspotenzial in den aktuell moderaten Winde um zehn Knoten nicht mangelt – sie segelten drei Tage nach dem Start eng beeinander. Angeführt wurde das Feld zu dem Zeitpunkt von Cécile Andrieu auf "Groupe Adré". Der nach der ersten Etappe hinter Spitzenreiter Melwin Fink im Zwischenklassement auf Platz zwei gelegene Franzose Hugo Dhallenne war bei noch rund 2240 Seemeilen bis ins Ziel vor Guadeloupe Zehnter.

  Impression vom Start in die Königsetappe des Mini-Transat über den AtlantikFoto: Vincent Olivaud / Mini-Transat EuroChef 2021
Impression vom Start in die Königsetappe des Mini-Transat über den Atlantik

Extrem dagegen stieg der nach Etappe eins drittplatzierte Christian Kargl bei seinem zweiten Mini-Transat in diese zweite Etappe ein. Der Österreicher hat eine sehr südliche Route gewählt und sich weit vom Feld abgesetzt. Das mutige Investment des Meteorologie-Experten ließ ihn – weit entfernt von der theoretischen Ideallinie über den Atlantik in den Zielhafen Saint-François auf Guadeloupe – zunächst nur auf dem 62. und letzten Rang des Serienboot-Feldes "hinterhersegeln". Der "All Hands On Deck"-Skipper lauert auf seine Chance, den verlorenen Boden mit mehr Druck im Süden wieder gutzumachen.

Mit seiner Entscheidung für Nervenstarke war Kargl zu Wochenbeginn nicht allein: Auch Protosegler Arno Biston ("Bahia Express"), Irina Gracheva ("Path") und Romain Tellier ("Guenifey-Stid") hatten sich für den Ausbruch nach Süden entschieden. Ob und wann sich diese strategische Entscheidung bezahlt machen wird, muss sich noch zeigen. Bislang hat das Hauptfeld nicht so viel weniger Wind, als dass sich die Meilen-Investment der Ausbrecher lohnt. In einigen Tagen wird klarer, wer sich im Kampf von Speed versus kürzestem Kurs durchsetzen kann. In der Protoflotte lag Marc Siewert ("Absolute Sailing Team") am Montagmorgen auf Rang 18.

  Zwei unterschiedlich grüne Boote, mittig des Feldes und nah beieinander in den Top Ten der Serienboot-Flotte platziert, zeigen die Positionen von Lennart Burke und Melwin Fink am frühen MontagmorgenFoto: Mini-Transat EuroChef 2021 / Screenshot Tracker
Zwei unterschiedlich grüne Boote, mittig des Feldes und nah beieinander in den Top Ten der Serienboot-Flotte platziert, zeigen die Positionen von Lennart Burke und Melwin Fink am frühen Montagmorgen
  Die Animation lässt den extremen Südkurs von Christian Kargl deutlich erkennenFoto: Mini-Transat EuroChef 2021 / Screenshot Tracker
Die Animation lässt den extremen Südkurs von Christian Kargl deutlich erkennen
  Wie Serienboot-Skipper Christian Kargl haben sich auch Proto-Steuerfrau Irina Gracheva und weitere Proto-Segler für den extremen Südkurs entschiedenFoto: Mini-Transat EuroChef 2021 / Screenshot Tracker
Wie Serienboot-Skipper Christian Kargl haben sich auch Proto-Steuerfrau Irina Gracheva und weitere Proto-Segler für den extremen Südkurs entschieden

Inzwischen dürfte die Mehrheit der Skipper und Skipperinnen auf See in ihren eigenen Solo-Rhythmus gefunden haben. Für Lennart Burke und Melwin Fink bedeutet das idealerweise eine Gesamtsumme von um die fünf Stunden Schlaf pro Tag. Sie hoffen wie die gesamte Flotte darauf, das Ziel in insgesamt knapp zweieinhalb Wochen erreichen zu können. Proviant haben beide sicherheitshalber für 20 Tage dabei, darunter auch "Belohnungen" entsprechend dem persönlichen Geschmack. Beide haben zusätzlich zum Wasser ein paar Liter Cola an Bord. Fink hat sie sich sogar in kleinen "Flugzeug"-Dosen besorgt. "Da kann man ein paar mehr mitnehmen", hat er vor dem Start gesagt und gelacht.

Während Burke auf drei warme Malzeiten am Tag setzt und sich an Pistazien und anderen Nussmischungen oder auch mal einer Handvoll Haribos erfreut, muntert sich Melwin Fink bei Bedarf mit kleinen Salamis auf. Bei den kurzen Schlafeinheiten von maximal 20 Minuten bettet Fink seinen Kopf auf den Überlebensanzug – "ein herrliches Kopfkissen!" – und hat eine Kinder-Isomatte dabei. "Die hat irgendwo ein kleines Loch, aus dem immer langsam die Luft entweicht. Ist sie ganz raus, wache ich wieder auf", erzählt der Benjamin der Flotte. Burkes Rücken dagegen muss auf dem kleinen Boot ohne Unterlage auskommen. Ebenso der von Christian Kargl, weil der Österreicher seine Ausrüstung dem harten Diktat der Gewichtsminimierung unterzogen hat: "Ich habe keine Matte und auch keinen Schlafsack dabei. Ich bin eh gut gefüttert." Will Kargl sich während der Etappe einmal etwas Gutes tun, greift er zum Schokokeks aus der Prinzenrolle.

  "SignForCom"-Skipper Melwin Fink auf dem Weg zum zweiten EtappenstartFoto: Vincent Olivaud / Mini-Transat EuroChef 2021
"SignForCom"-Skipper Melwin Fink auf dem Weg zum zweiten Etappenstart
  "Vorpommern"-Skipper Lennart Burke vor dem zweiten Etappenstart auf dem Dock im Hafen von Santa Cruz de La PalmaFoto: Vincent Olivaud / Mini-Transat EuroChef 2021
"Vorpommern"-Skipper Lennart Burke vor dem zweiten Etappenstart auf dem Dock im Hafen von Santa Cruz de La Palma

Meistgelesene Artikel