Deutsche Meisterschaft 2.4mR2.4mR-Fan Schönfeldt: "Die Regatta hat mein Leben verändert"

Tatjana Pokorny

 · 23.08.2020

Deutsche Meisterschaft 2.4mR: 2.4mR-Fan Schönfeldt: "Die Regatta hat mein Leben verändert"Foto: Sören Hese/VSaW
IDM 2.4mR 2020

Gipfeltreffen in Berlin: Zur IDM im rassigen Kielboot haben sich am Wochenende Top-Segler auf dem Wannsee getroffen. Neueinsteiger Frank Schönfeldt ist im Glück

40 Starter haben die Internationale Deutsche Meisterschaft im Ein-Personen-Kielboot 2.4mR zum Segelfest auf dem Wannsee gemacht. Drei Steuerfrauen und 37 Skipper waren dabei und haben mit ihrer Begeisterung auch die Veranstalter vom Verein Seglerhaus am Wannsee überrascht: "Mit so viel Andrang hatten wir gar nicht gerechnet. Es war eine sehr schöne Regatta. Und alle haben gesagt, dass sie gern wiederkommen", zog Club-Manager Frank Butzmann beglückt Bilanz.

  So eng geht es in der 2.4mR-Klasse regelmäßig zuFoto: Sören Hese/VSaW
So eng geht es in der 2.4mR-Klasse regelmäßig zu
Verlagssonderveröffentlichung

Das Podium in der für Segler mit und ohne Handicap gut geeigneten, anspruchsvollen Bootsklasse stürmten Paralympics-Goldmedaillengewinner Heiko Kröger als Sieger über alles vor Kalle Dehler und Ulli Libor. Dabei gelang es Dehler, Klassenkönig Kröger in zwei der insgesamt sieben Rennen hinter sich zu lassen und dem Dominator einigen Druck zu machen. Auch der ehemalige olympische Medaillengewinner Ulli Libor, 80, konnte mit drei zweiten Rängen überzeugen. Dass sich der erfahrene Top-Segler Heiko Kröger am Ende aber mit nur acht Zählern auf dem Konto und sieben Punkten Vorsprung vor Kalle Dehler deutlich durchsetzen konnte, überraschte in der Flotte niemanden.

  Umkämpfter Start in der IDM auf dem WannseeFoto: Sören Hese/VSaW
Umkämpfter Start in der IDM auf dem Wannsee
  Zwei- und Dreikämpfe sind bei 2.4mR-Regatten am laufenden Band zu beobachten. Die Segler genießen das adrenalingeladene SpielFoto: Sören Hese/VSaW
Zwei- und Dreikämpfe sind bei 2.4mR-Regatten am laufenden Band zu beobachten. Die Segler genießen das adrenalingeladene Spiel

"Heiko ist wieder einmal souverän gesegelt", zollte Kalle Dehler dem Sieger Tribut, "auch wenn wir schon mal dicht dran und die Abstände manchmal gering waren. Er ist immer sehr schnell unterwegs und bleibt die Messlatte in dieser Klasse, die so viel Spaß zu segeln macht. Sie ist technisch und taktisch sehr anspruchsvoll – ein interessanter Aspekt auch für Neueinsteiger wie Frank Schönfeldt, der zum ersten Mal mit einem Klassenboot dabei war."

  Mit der Segelnummer 1001 ist Frank Schönfeldt im Hintergrund zu sehen. Vorn im Bild: Stefan Klötzing vom Potsdamer Yacht ClubFoto: Sören Hese/VSaW
Mit der Segelnummer 1001 ist Frank Schönfeldt im Hintergrund zu sehen. Vorn im Bild: Stefan Klötzing vom Potsdamer Yacht Club

Zwar musste sich Frank Schönfeldt bei seiner Premiere im 2.4mR noch mit Platz 22 zufrieden geben. Mit einem starken dritten Rang in der vierten Wettfahrt jedoch konnte er sein Potenzial schon andeuten." Schönfeldts Fazit fiel nach drei Regattatagen überbordend aus: "Diese Regatta hat mein Leben verändert. Ich bin noch nie so geerdet von einer Segelserie gekommen. Ein Drittel der Teilnehmer ist behindert. Diese Typen, wie die das meistern. Da segelt neben dir jemand ohne Arme, fährt das Achterstag mit dem Zeh, zieht mit dem Mund die Pershing raus und schreit dabei auch noch Raum. Mir rätselhaft, wie er das schafft. Aber genial! Der braucht keine paar Sekunden länger als du. Das ist irre beeindruckend. Und das Ganze geschieht mit einer Lässigkeit und einem Spaß, das ist schon sensationell."

  Der Meister in unverkennbarer Pose: Heiko KrögerFoto: Sören Hese/VSaW
Der Meister in unverkennbarer Pose: Heiko Kröger

Der 38-fache Deutsche Meister in fünf Bootsklassen grinst spitzbübisch und sinniert: "Vielleicht gebe ich das Klassenboot einfach gar nicht mehr ab? Vielleicht merken die das gar nicht?" Dann wird er wieder ernst und sagt, dass er über den Erwerb eines 2.4mR-Bootes nachdenkt: "Diese Bootsklasse darf einfach niemals sterben. Ich bin jetzt das 105. Klassenmitglied und plane schon den Bootskauf. Mal sehen, was geht."

Was Segel- und Liedermacher Frank Schönfeldt ebenfalls fasziniert, ist die Ausgewogenheit des Kielbootes, wodurch sich eine hohe Chancengleichheit und viel Spannung ergäbe: "Die fahren alle gleich schnell. Ob Frau oder Mann. Ob 80 oder 16 Jahre alt. Du kannst nicht ausreiten. Es gibt keine körperlichen Vor- oder Nachteile. Wenn du das Boot einmal richtig eingestellt hast, fährt es wie von allein. Zur optimalen Einstellung aber musst du erst einmal kommen. Deswegen haben alle Marken. Zum Schluss hatte ich die auch (lacht). Da bin ich dann im letzten Rennen als Zweiter leider in ein Krautbett gefahren. Wenn ich jetzt noch einmal antreten würde, könnte ich vielleicht in die Top Ten fahren… Ich bin noch nie so glücklich von einer Regatta weggfahren. Diese Klasse verdient einen ganz anderen Status."

  Bei Wind geht's zur Sache in der 2.4mRFoto: Sören Hese/VSaW
Bei Wind geht's zur Sache in der 2.4mR
  Die Traumbilder von der IDM fing Fotograf Sören Hese einFoto: Sören Hese/VSaW
Die Traumbilder von der IDM fing Fotograf Sören Hese ein

Dazu will Schönfeldt, den Ulrich Libor über einen eigenen Einsatz im Conger und Gespräche mit Schönfeldt sowie Begeisterung über dessen Segelmacherkunst in die 2.4mR-Klasse geholt hat, in Zukunft auch selbst beitragen. Meistersegler Heiko Kröger hat indessen seinen 17. Titel geholt – eine außergewöhnliche Serie.

Zu den Ergebnissen der IDM 2.4mR geht es hier.

  Meisterlich unterwegs: der nun 17-malige Titelträger Heiko KrögerFoto: Sören Hese/VSaW
Meisterlich unterwegs: der nun 17-malige Titelträger Heiko Kröger

Meistgelesene Artikel