Wettfahrten

Das 23. Mini-Transat 2021 – Teil 2: Die der Atlantik ruft: mit Mini-Mut in die Maxi-Etappe

Tatjana Pokorny

 · 29.10.2021

Das 23. Mini-Transat 2021 – Teil 2: Die der Atlantik ruft: mit Mini-Mut in die Maxi-EtappeFoto: Vincent Olivaud / Mini Transat EuroChef 2021

Während Lina Rixgens nach ihrem bitteren Aus mit den Tränen rang, starteten Melwin Fink, Lennart Burke, Marc Siewert und Christian Kargl in die Herz-Etappe

Freud und Leid lagen am Freitag in Santa Cruz de La Palma im kleinen Lager der deutschsprachigen Teilnehmer ganz nah beieinander. Während Serienboot-Spitzenreiter Melwin Fink ("SignForCom"), der drittplatzierte Österreicher Christian Kargl ("All Hands On Deck"), der Serienboot-Neunte Lennart Burke ("Vorpommern") und Proto-Skipper Marc Siewert ("Absolute Sailing Team", 24.) hoffnungsfroh in die zweite und entscheidende Etappe des 23. Mini-Transat EuroChef über 2700 Seemeilen starteten, blieb "Avanade"-Skipperin Lina Rixgens mit schwerem Herzen zurück. Nach ihrem doppelten Ruderbruch auf Etappe eins und der starken kämpferischen Leistung, ihr Boot dennoch ins Ziel zu bringen, hat ein weiteres technisches Problem für den K.-o.-Schlag gesorgt. Bei einem Tauchgang am Tag vor dem Start hatte Rixgens entdeckt, dass ihre Kielbombe lose war. Hier in ihren Worten, was sich nach der Schock-Entdeckung abspielte: "Wir haben das Boot sofort rausgekrant – in der Hoffnung, dass das unter Wasser Entdeckte vielleicht nicht wahr ist. Die Bombe ist mit drei Bolzen befestigt. Wir haben alles freigelegt. Zwei der drei Muttern waren lose. Wir haben neue eingesetzt und alles wieder festgedreht. Heute morgen (Red.: am Starttag), als alles einigermaßen durchgetrocknet war, haben wir das Boot wieder per Kran hochgehoben, aber die Kielbombe war immer noch nicht komplett fest. Das ist für eine Transatlantik-Überquerung einfach nicht sicher genug."

  Startszene vom Auftakt zur zweiten Etappe am 29. Oktober vor Santa Cruz de La PalmaFoto: Vincent Olivaud / Mini-Transat EuroChef 2021
Startszene vom Auftakt zur zweiten Etappe am 29. Oktober vor Santa Cruz de La Palma

Weil die Verbindung zwischen Kiel, Finne und Boot komplett fest war, hatte Rixgens das Problem vorher nicht ausmachen können. "Das kann man ja nicht sehen", erklärt sie die späte Entdeckung. Das Aus ist besonders bitter, denn am Tag zuvor waren gerade endlich die beiden neuen Ruder in Santa Cruz de La Palma eingetroffen. "Die hatten wir gerade wieder angebaut und einen Schlag nach draußen gemacht. Das war eigentlich schon Stress genug", haderte Rixgens nicht ohne Galgenhumor mit ihrem Boot vom Typ Wevo 6.5, das von Beginn an nicht unter glücklichem Stern gesegelt war und seiner Eignerin Probleme und technische Herausforderungen in Serie beschert hatte, aber nie zu dem Serienboot wurde, das es einmal hatte werden sollen. Stattdessen blieb es ohne eine genügend große Auflage gebauter Boote nach Mini-Statuten ein Proto, der unaufhörlich zickte.

Das letzte Problem war nun eines zu viel und beendet Lina Rixgens Traum von einem zweiten absolvierten Mini-Transat. "Ich habe die Entscheidung am Freitagmorgen gefällt, als die anderen schon ihre Handys abgaben. Das braucht wirklich kein Mensch", erzählt sie niedergeschlagen. Der sympathischen Ärztin bleiben "schöne Gedanken an die zweite Etappe bei meiner Mini-Premiere" und gute Wünsche für die Wegbegleiter: "Ich habe ihnen gesagt, dass sie nun doppelt so schnell segeln und doppelt so viel Spaß haben müssen – für mich mit", sagte Rixgens. Den Start musste sie am Freitagnachmittag pünktlich um 16 Uhr deutscher Zeit aus dem Fenster ihrer Unterkunft mitansehen, statt selbst dabei zu sein.

  In diesem Fotomoment war Lina Rixgens Mini-Welt noch einigermaßen heil, seit heute ist sie es nicht mehr: Die "Avanade"-Skipperin musste schweren Herzens für Etappe zwei passen und aufgebenFoto: Vincent Olivaud / Mini-Transat EuroChef 2021
In diesem Fotomoment war Lina Rixgens Mini-Welt noch einigermaßen heil, seit heute ist sie es nicht mehr: Die "Avanade"-Skipperin musste schweren Herzens für Etappe zwei passen und aufgeben

Der Etappenstart verlief in flauen Winden unspektakulär. Während Co-Favorit Léo Debiesse auf seinem Serienboot "Les Alphas" schnell die Führung übernahm und die zweieinhalb Stunden nach dem Start auf eine Drittelseemeile vor Romain Le Gall auf "Les Optimistes – Tribord" ausbauen konnte, machte auch Christian Kargl auf seiner "Al Hands On Deck" Ernst mit seinem Vorhaben: "Ich werde Vollgas geben. Es ist vielleicht mein letztes großes Mini-Rennen. Ich will jeden Winddreher und jede Regenwolke mitnehmen." Kargl lag bei Einbruch der Dunkelheit auf Rang fünf in der Serienbootflotte.

Etwas verhaltener waren Lennart Burke und Melwin Fink in ihre Transatlantik-Premiere als Solisten gestartet: Burkes "Vorpommern" lag wenige Stunden nach dem Start im noch eng beeinander segelnden Feld auf Rang 22. Melwin Fink hatte sich zu dem Zeitpunkt von Rang 31 auf Rang 25 vorgearbeitet. Marc Siewert, der nach Etappe eins auf dem 24. und letzten Platz der Proto-Flotte lag, hat sich zunächst als 17. ins Feld eingereiht. Bei den Protos führen "die üblichen Verdächtigen": Tanguy Bouroullec ("Tollec MP/Pogo") segelte an der Spitze vor Thomas Grandin ("Poch' Trott"), Fabio Muzzolino ("Tartine sans Beurre") und der fabelhaften Irina Gracheva ("Path"). Die Mini-Flotte wird in rund zweieinhalb Wochen in der Inselwelt der Kleinen Antillen erwartet, wo die Ziellinie von Saint-François auf Guadeloupe liegt. Hier geht es zum Tracker und den Zwischenständen (bitte anklicken!).

  Bereit für seine Transatlantik-Premiere: "SignForCom"-Skipper Melwin Fink ging fokussiert und mit viel Vorfreude in die zweite EtappeFoto: Mini Transat Eurochef 2021 - Vincent Olivaud
Bereit für seine Transatlantik-Premiere: "SignForCom"-Skipper Melwin Fink ging fokussiert und mit viel Vorfreude in die zweite Etappe
  Kämpft um eine Top-Ten-Platzierung, weiß aber, dass es hart wird: "Vorpommern"-Skipper Lennart BurkeFoto: Vincent Olivaud / Mini-Transat EuroChef 2021
Kämpft um eine Top-Ten-Platzierung, weiß aber, dass es hart wird: "Vorpommern"-Skipper Lennart Burke

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