Die Glanzzeiten des 1992 aus der Taufe gehobenen Berlin Match Race sind schon eine Weile her. Bei seiner Premiere war der Segelgipfel im Matchrace-Format 1992 dem 125-jährigen Bestehen der beiden ältesten Berliner Segelclubs – Verein Seglerhaus am Wannsee (VSaW) und Berliner Yacht-Club – gewidmet. Bis 2013 währte die Erfolgsstory des Berlin Match Race, an deren Glanzzeiten der VSaW und seine Partner Marinepool und Riller & Schnauck jetzt mit dem ersten Capital Sailing Cup am 7. und 8. November im neuen Kleid anknüpfen wollen.
Mitinitiator Markus Wieser, lange Zeit Deutschlands erfolgreichster Matchracer und über viele anspruchsvolle Bootsklassen hinweg inzwischen 16-facher Weltmeister, war einst auch im Berlin Match Race stets ein Favorit. Ebenso Deutschlands erfolgreichster Olympiasegler: Der dreimalige Goldmedaillengewinner und zweimalige America’s-Cup-Sieger Jochen Schümann gewann das Berlin Match Race sechs Male. Markus Wieser holte beim Hauptstadtgipfel fünf Siege. Jetzt zählt Wieser zu den Vätern des neuen Capital Sailing Cup.
Im Spätherbst soll der Wannsee wie in den goldenen Zeiten des Berlin Match Race wieder zum Hotspot des deutschen Segelsports werden. Dafür hat der VSaW jetzt ein innovatives neues Regattaformat vorgestellt. Das Ziel: Zum Capital Sailing Cup treten am 7. und 8. November noch in diesem Jahr amtierende Weltmeister, Olympialegenden und herausragende Nachwuchstalente gegeneinander an. Ermittelt werden sollen laut Initiatoren die „Besten der Besten“.
Für den Capital Sailing Cup sind deutsche Segelvereine qualifiziert, die außergewöhnliche Athletinnen und Athleten in ihren Reihen haben. „Wir haben in Deutschland eine exzellente Segelszene, die in unterschiedlichsten Bootsklassen hocherfolgreich ist. Wir dachten, es wäre mal spannend, all diese Talente bei einer gemeinsamen Regatta zu sehen: ‘simply the best of the best’“, sagt Markus Wieser.
Meldende müssen Mitgliedsvereine des Deutschen Segler-Verbandes (DSV) sein und als Verein seit 1. Januar 2025 eines der in der Ausschreibung aufgelisteten Kriterien durch ihre Mitglieder erfüllen. Ausgenommen der olympischen Klassen, können nur der Steuermann oder die Steuerfrau ihren Verein qualifizieren. In den olympischen Klassen erstreckt sich das Melderecht auch auf die Vorschoter. Was in einigen Fällen die Chance auf Meldungen von zwei Vereinen birgt.
Voraussetzung für die Meldung durch den Verein sind die Plätze 1 bis 3 bei einer WM oder EM, die Plätze 1 bis 3 bei einem Weltcup in olympischen Klassen. Deutsche Meister einer internationalen Klasse können über ihren Club ebenso melden wie Sieger in nationalen Klassen, bei internationalen Meisterschaften, Gold Cups oder German Masters. Dazu wird es Wild Cards für hochdekorierte deutsche Segler geben, die an Top-Events wie Olympia, Vendée Globe, SailGP oder America’s Cup teilnehmen.
Das Meldeprinzip, das ein wenig auch nach der in Hamburg ausgetragenen “Meisterschaft der Meister” klingt, aber doch ein ganz anderes ist, erklärt Markus Wieser anhand von zwei Beispielen: “Startberechtigt wären beispielsweise Sophie Steinlein und Cathy Bartelheimer mit Platz zwei beim Sailing Grand Slam in Palma. Da hätte die Steuerfrau ihren Norddeutschen Regatta Verein qualifiziert, die Vorschoterin ihren Segelclub Inning am Ammersee. Auch Philipp Buhl hat mit dem gerade gewonnenen EM-Silber seine beiden Vereine qualifiziert, könnte dann beispielsweise für den Segelclub Alpsee-Immenstadt starten und in Absprache mit seinem Club noch ein Talent wie Julian Hoffmann und weitere zwei Aktive mitnehmen.”
Ähnliche Anrechte hätten Top-Crews wie Richard Schultheis (NRV) und Fabian Rieger (VSaW), die 2025er-470er-Vizeweltmeister Simon Diesch (WYC) und Anna Markfort (VSaW/Joersfelder Segel-Club) und viele Asse mehr aus olympischen und internationalen Klassen mehr. Bei qualifizierten Zweihand-Crews gibt es die Auflage, dass die Meistersegler den Capital Sailing Cup nicht gemeinsam auf einem Boot bestreiten.
Eine besondere strategische Komponente entsteht dadurch, dass jeder Verein mit je zwei Zweihand-Teams antritt. Ein weiteres interessantes Zusatzelement: Pro Runde werden drei Wettfahrten mit steigender Gewichtung gesegelt. „Die Teams müssen genau überlegen, welches Duo sie in welches Rennen schicken. Da beide Teams zum Einsatz kommen müssen, entstehen spannende taktische Entscheidungen“, erklärt Markus Wieser.
Gesegelt wird im Capital Cup im November auf Tempest-Booten. Auf diese Klasse fiel die Wahl der Macher, weil sie Eigenschaften verschiedener Bootsklassen vereint. Das Regattaformat sieht vor, dass die zwölf teilnehmenden Vereine zunächst in Vor- und Hauptrunden in Fleet Races gegeneinander antreten. Das Finale bestreiten die beiden besten Vereine im Matchrace-Duell.
Melden können Vereine ab sofort, sofern ihre Crews die Qualifikationskriterien erfüllen. „Wir freuen uns auf ein hochklassiges Segelwochenende und gleichzeitig auf die großartige Chance, den Berlinerinnen und Berlinern diesen faszinierenden Sport hautnah erlebbar zu machen. Der Wannsee und der VSaW bieten dafür ideale Voraussetzungen“, sagt Riller & Schnauck-Inhaberin Theodora Schnauck.
Der Capital Sailing Cup wird ein Ereignis, in dem Geschichte geschrieben wird. Da muss man einfach dabei sein.” Robert Stark
Gäste und Fans können die Rennen im Capital Sailing Cup via Live-Übertragung mitverfolgen. Eine für die Herausforderer im neuen Capital Sailing Cup beruhigende Botschaft beinhaltete die VSaW-Ankündigung zum neuen Event auch: Markus Wieser, immer noch ein Top-Akteur auf den großen internationalen Segelbühnen und dreimaliger Tempest-Weltmeister – tritt nicht selbst an. In diesem Jahr wird der 62 Jahre alte Dauerbrenner im Hintergrund die Fäden ziehen und der nächsten Generation das Feld überlassen.
“Ich möchte die Idee erst einmal von außen beoachten und sie antreiben. Und ich will mir auch nicht nachsagen lassen, dass “der Wieser sich da das nächste Event zum Gewinnen selber zimmert. Ich habe gesagt, dass ich mich im ersten Jahr um die Abläufe auf dem Wasser kümmere”, sagte der dreimalige Tempest-Weltmeister aus Bayern. Auch nicht vergessen hat Wieser, was die großen Matchraces der Vergangenheit ebenfalls hatten: “Natürlich wird es eine richtig coole Party im VSaW geben!”

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