Cape to Rio Race“Vineta” holt Line Honours, Kapstadt-Nachwuchs stark

Tatjana Pokorny

 · 13.01.2026

Rauschte als erste Yacht ins Ziel: "Vineta" (Segelnummer GER 8501) holte die Line Honours.
Foto: Team Vineta
Felix und Wolf Scheder-Bieschins “Vineta” hat im Langstreckenklassiker Cape to Rio Race die Line Honours geholt. Eine insgesamt fünfköpfige Crew segelte die erst zwei Jahre alte J/V 43 von Kapstadt über 3681,8 Seemeilen in gut 16 Tagen nach Rio de Janeiro.

Für die kleineren Boote läuft das Cape to Rio Race immer noch, aber Felix und Wolf Scheder-Bieschin haben mit ihrer Crew schon am 12. Januar die Ziellinie vor Rio de Janeiro erreicht. Nach 16 Tagen, 7 Stunden, 44 Minuten und 15 Sekunden hatten sie den Klassiker mit der Familienyacht “Vineta” als Erste beendet.

Cape to Rio Race: Line Honours für GER-Boot

An der Seite der Brüder: Felix Scheder-Bieschins Sohn Theo, der mit seiner Familie in Kapstadt lebt und in Südafrika auch im 49er und in der J-Boat-Klasse aktiv ist. Dazu die junge südafrikanische Ilca-6- und J-120-Seglerin Olivia Purchase und der südafrikanische Navigator Nick Leggatt, der die berühmte Langstrecke von Kapstadt nach Südamerika zum zwölften Mal bestritt.

Das Feld war in diesem Jahr klein, aber fein. Als “First ship home” erlebte das “Vineta”-Quintett nach mehr als zwei Wochen auf See einen sehr herzlichen Empfang in Rio de Janeiros Guanabara Bucht. Hier, wo 2016 um olympische Segelmedaillen gekämpft wurde und Erik Kosegarten-Heil im 49er die erste seiner zwei Bronzemedaillen mit Thomas Plößel gewann, wurde jetzt viel Beifall für das deutsche Team mit südafrikanischer Verstärkung laut.

Vor allem für den seit 2001 in Kapstadt lebenden Felix Scheder-Bieschin bedeutete der Zieldurchgang neben Freude über das mit Familie und Freunden gelungene Rennen auch Wiedergutmachung. Vor dem Start hatte er gesagt: “Das Rennen war immer auf meiner Bucket-Liste. Ich hatte 2009 einen fehlgeschlagenen Versuch. Also habe ich eine offene Rechnung.” Am Ende des Rennens war es für ihn “ein sehr berührender Moment”, die Ziellinie des Cape to Rio Race zu passieren und in Rio de Janeiro einzulaufen.

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Das Rennen war großartig! Wir hatten 3500 Seemeilen den Spinnaker oben, mussten nie am Wind segeln.” Felix Scheder-Bieschin

Die als Schwesterschiff von Mathias Müller von Blumencrons schneller J/V 43 “Red” – hier der YACHT-Bericht über das “Besondere Boot” vom Februar 2024 – gebaute “Vineta” ist für Transats, lange Törns und Downwind-Vergnügen gemacht. “Gerade diese Downwind-Strecken sind ideal”, sagte Wolf Scheder-Bieschin direkt nach dem Cape to Rio Race in der brasilianischen Metropole. Und hielt auch fest: “Wir hatten ein richtig gutes Rennen!” 13 Stunden und 19 Minuten war “Vineta” schneller als die “Haspa Hamburg”, die den Kurs vor sechs Jahren als schnellste Einrumpfyacht des Rennens beendet hatte.

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Entscheidung in der ORC-Gesamtwertung noch offen

Zwei Saisons, so Wolf Scheder-Bieschin, habe sein Team gebraucht, um das Boot in den jetzigen Zustand zu bringen. “Jetzt haben uns nur noch ein paar Kleinigkeiten beschäftigt. Das Boot hat super performt.” In der ORC-Wertung lag “Vineta” am Tag nach ihrem Zieldurchgang zunächst auf Platz zwei. Die Oster Lightwave 39 “Alexforbes Angel Wings” hatte am Nachmittag des 13. Januar noch rund 460 Seemeilen im Cape to Rio Race vor sich, wurde dabei in der ORC-Gesamtwertung berechnet auf Platz eins geführt.

Spätestens mit dem Zieldurchgang von “Alexforbes Angel Wings” wird die Entscheidung im Kampf um den ORC-Gesamtsieg fallen. Bis dahin kann die “Vineta”-Crew Rio bei Lufttemperaturen von um die 40 Grad genießen und das Rennen Revue passieren lassen. Oder auch – wie am Montag geschehen – Doppel-Olympiasieger Robert Scheidt und seiner Familie das Boot zeigen.

Wolf Scheder-Bieschins Rennfazit fällt glücklich aus: “Wir hatten so ein Bilderbuch-Cape to Rio Race, genauso eigentlich, wie es schon immer war: Du hast immer am Anfang viel Wind um Kapstadt herum. Das hatten wir auch. Und dann bist du irgendwann in den Passatwinden. Du hangelst dich ums Hoch herum, darfst nicht zu nahe herankommen, weil du keine Flaute haben willst. Gehst du nach Norden, hast du mehr Wind, segelst aber einen Umweg. Da muss man ein wenig taktieren. Das haben wir, glaube ich, ganz gut gemacht.”

Cape to Rio Race: Endspurt mit Bohrinsel-Slalom

In leuchtender Erinnerung bleibt der “Vineta”Crew die Zielgerade des Cape to Rio Race. Wolf Scheder-Bieschin erzählt: “Am Ende kam nochmal ordentlich Druck auf. Das war cool. Es war noch einmal ein richtig schneller Downwind-Reach. Da gibt es ja vor Rio diese Hunderte von Bohrinseln, wirklich unglaublich. Das ist mega hell, sieht von Weitem aus wie eine Großstadt. Da musst du dich durchschlängeln.”

Navigator Nick Leggatt habe sich in die Daten “reingefressen”, dabei auch von den Starlink-Möglichkeiten profitiert. “Wir haben den nicht die ganze Zeit laufen lassen, aber eben angemacht, wenn es einen neuen Wetterbericht gab. Wenn du willst, bist du auf der hohen See ‘real time’ mit der Welt verbunden”, sagte Wolf Scheder-Bieschin.

1971 erstmals ausgetragen, hat das Cape to Rio Race in mehr als einem halben Jahrhundert Geschichte immer in Kapstadt begonnen, aber zwischendurch auch in andere südamerikanische Häfen als Rio geführt. Der Kurs nach Rio ist besonders beliebt, weil er das angenehme Downwind-Racing bietet. In diesem Jahr war die Flotte mit zwölf Booten kleiner als üblich, doch tat es der Rennqualität und der Leidenschaft der Teilnehmer für den Klassiker keinen Abbruch.

ORC-Gesamtsieg für ein Förderprojekt mit “Engelsfügeln”?

Organisiert wurde auch dieses Cape to Rio Race vom Springbock Ocean Racing Trust und dem Clube de Rio de Janeiro in Zusammenarbeit mit der Cruising Association of South Africa. Südafrikas Segel-Community schätzt das Rennen – und nutzt es auch für den Nachwuchs. So setzt sich beispielsweise die Crew auf “Alexforbes Angel Wings” ausschließlich aus Schülern der RCYC Sailing Academy zusammen.

Nach dem Erfolg 2023, als die “Alexforbes ArchAngel” mit Skipper Sibusiso Sizatu Platz drei ersegelt hatte, war der Sponsor begeistert an Bord geblieben. Die RCYC Saisling Academy setzt sich dafür ein, Jugendlichen aus benachteiligten Gemeinden Chancen im Segelsport zu geben und Karrieren in der maritimen Industrie zu ermöglichen. Die Studenten trainieren übers Jahr auf der “Alexforbes Angel Wings” und sind im weiterlaufenden Rennen auf dem Zwölf-Meter-Boot mit der Segelnummer SA 1178 mit einer Mixed-Crew im Einsatz.

Auf “Vineta” bildeten der 19 Jahre alte Theo Scheder-Bieschin und die 18 Jahre junge Olivia Purchase die ehrgeizige “Nachwuchsabteilung” im Team. Beide Talente wollen ihren Yachtmaster machen, weshalb die Crew im Cape to Rio Race sogar einen Sextanten dabei hatte. Die knapp 3700 gesegelten Meilen helfen auch.

“Vineta”-Crew plant Ostsee-Sommersaison

Erlebt hat die Crew darüber hinaus vor allem in der Anfangsphase des Rennens auch viel “Wildlife”, auf dem Kurs nach Rio dann eher weniger. “Vor Kapstadt gab es so viele Wale, Robben und Delfine, dass du hoffst, nur ja keinen zu treffen. Zwischendurch haben wir dann eher weniger Vögel und Fische gesehen. So ist es auch erfahrenen Teilnehmern aufgefallen”, berichtete Wolf Scheder-Bieschin vom Norddeutschen Regatta Verein. Fliegende Fische aber waren wie gewohnt unterwegs.

Das Cape to Rio Race von Ost nach West über den Südatlantik bleibt eines für die Bucket-Liste, eine schon aufgrund der Distanz anspruchsvolle Herausforderung mit viel Sonne und und sportlichen Winden. “Es wäre schön, wenn künftig wieder größere Flotten zu sehen sind, aber es hat viel Spaß gemacht”, sagt Wolf Scheder-Bieschin. Er weiß, dass es nicht leicht ist, Boote von Rio wieder nach Europa zu bekommen.

“Vineta” wird in etwa einer Woche von der Mehrheit der Crew zurück nach Kapstadt überführt. Etwa Anfang April soll das Boot dann wieder in Kiel sein, um an Ostsee-Regatten teilzunehmen. Am genauen Regattaplan in Heimatgefilden wird noch gefeilt. “Da haben wir noch nicht zu Ende durchgeplant, aber ein paar Rennen wollen wir machen, ein Ostsee-Programm. Vielleicht das Baltic 500, Rund Skagen oder auch das neue Rennen vom KYC (Red.: 400 Islands Race)”, dachte Wolf Scheder-Bieschin in Rio de Janeiro vorerst laut nach.

Auch mit diesem Clip wurde das Cape2Rio Race vor dem Start beworben:

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