Tatjana Pokorny
· 19.05.2024
Eine Akilaria 950 war das schnellste Boot der 3. Brassfahrt: Hasso Hoffmeister und Sven Winterberg (Kieler Yacht-Club/Yachtclub Bullenhausen) kamen mit ihrer Akilaria 950 “Whiteout” nach dem Start am Vortag bereits am frühen Pfingstsonntag um kurz vor 7 Uhr als erstes Boot der Brassfahrt-Flotte ins Ziel. Das Duo hat den Kurs in nur 17 Stunden, 7 Minuten und 59 Sekunden gemeistert. “Eine gigantische Leistung war das, ein Highlight”, entfuhr es Matthias Renner, neben Olav Arne Nehls und Timo Manske einer der drei Brassfahrt-Initiatoren und -Organisatoren.
Gut drei Stunden später kreuzten in “Whiteouts” Gruppe III der Boote bis 35 Fuß Länge als Zweite Jens Hufnagel und Thomas Panten (Yachtclub Fischereihafen Travemünde/YFT) auf der Archambault A35 “Chenapan” die Ziellinie. Auch sie verneigten sich vor der Leistung der souveränen Sieger, schrieben in einem Facebook-Gruß in Richtung “Whiteout”-Crew: “Die sind gesegelt wie von einem anderen Stern. Nix zu machen. Gewonnen mit gigantischem Vorsprung. Und wie im letzten Jahr bei Staberhuk einfach weggefahren. Glückwunsch von der ‘Chenapan’.” Eine gute Viertelstunde nach der “Chenapan” komplettierten Erik Larsson und Arne Kölplin auf der J/100 “Eclipse” das starke Gruppe-III-Podium.
In Gruppe I der Boote bis 25 Fuß machten Mattis Franken und Luke Schmiedi auf “Freya” nach 20 Stunden, 35 Minuten und 49 Sekunden das Rennen. “Das ist eine tolle Geschichte, denn die waren bei der ersten Brassfahrt noch als Neueinsteiger in der Sturmwettfahrt unterwegs und sind mit der Brassfahrt gewachsen. Jetzt sind sie wie die Teufel gefahren, gehören mit zur Familie”, erzählt Matthias Renner.
Das Rennen hat seinen Teilnehmern in diesem Jahr einige Abwechslung geboten: In Winden zwischen 16 und 19 Knoten hatten die Organisatoren ihre Teilnehmer am Samstagmittag auf den gut 100 Seemeilen langen Kurs geschickt. Dabei hatten es aufgrund fordernder Winde nicht alle der 100 gemeldeten Teilnehmer zum Start nach Travemünde geschafft. Dennoch nahm eine beeindruckende Flotte von 80 Booten die Herausforderung zum Pfingstfest unter Segeln in der Lübecker Bucht an.
Dem erfrischenden Start folgte in der Nacht ein Flautenloch im Bereich der Wendemarke vor Kühlungsborn, das einige Crews deutlich länger aufhielt als erhofft. Manche gaben auf. Zwischen 1 und 2 Uhr nachts kam der Wind zurück. Das Finale bot noch einmal schönen Segelsport und herrliche Bilder beim Einlaufen. Während die Brassfahrt-Flotte insgesamt recht unbeschadet durch die Prüfung kam und viele Teilnehmer ihren Segel-Sommernachtstraum erlebten, hatte mit Enno Thyen der Bruder von Silverrudder-Sieger Peter Thyen den Mastbruch seiner Hod 35X2.20 “Havoc” bei Windstärke fünf aus Nordwest zu meistern. Im Solo unterwegs, musste Thyen den Mast selbst wegschneiden, der nun auf dem Grund der Ostsee ruht, konnte aber den Zielhafen aus eigener Kraft erreichen.
In Gruppe II der Boote bis 30 Fuß setzten sich in bekannter Stärke Patrick Heinrichs und Jan Helms (Sail-Lollipop Regatta Verein/Segelkameradschaft Das Wappen von Bremen) mit ihrer Esse 850 “Jynx” durch. In Gruppe IV gewann Peter Thyens Santa Cruz 37 “Sonic” vom Yachtclub Kattegat Lübeck. In der zusammengelegten Gruppe V und VI siegten Martin Rafalcyk und Patrick Böttcher mit der Luffe 45 “Schlawutzki” vom Segler-Verein Lemkenhafen-Fehmarn. Die Solisten, die in den Gruppen mit Crews mitspielten, werden für Top-Leistungen besonders geehrt. “Da vergeben wir Sonderpreise an die, die durchgehalten haben”, sagt Matthias Renner.
Die Veranstalter konnten schon vor der Siegerehrung und dem Abschiedsfest am Pfingstsonntagabend im Clubhaus des gastgebenden Lübecker Yacht-Clubs am Leuchtenfeld positiv Bilanz ziehen. Die dritte Auflage der beliebten Regatta hat bestätigt, dass dieses Format für Segler und Seglerinnen aller Altersklassen und mit unterschiedlichsten Erfahrungswerten weiter im Aufwind ist. Für die Macher, so haben sie es gemeinsam formuliert, “stehen neben der sportlichen Wettfahrt genauso die Sicherheit, der Spaß und das Get-together aller Beteiligten im Vordergrund”. Das Konzept geht auf.
Matthias Renner sagte am Pfingstsonntag vor den letzten Zieldurchgängen im Einsatz auf dem Wasser: “Die Brassfahrt wird sehr gut angenommen. Nur größer werden soll sie nicht. Das Feld ist jetzt zu einer Größe herangewachsen, die man noch gut organisieren kann.” Gerade mal eine Stunde hat Renner in der Nacht von Samstag auf Sonntag geschlafen. Seine Mitstreiter kaum mehr. Dafür haben sie den Brassfahrt-Crews ein schönes Pfingstfest in der Lübecker Bucht beschert.
Die Brassfahrt stellt sich vor! Hier geht’s zum Teaser des Rennens. Die engagierten Veranstalter und einige Teilnehmer werden in den kommenden Tagen bei Youtube weitere Clips von der jüngsten Ausgabe veröffentlichen:

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