BlueribboncupOstsee-Offshoresport vom Feinsten – “Es war unglaublich!”

Tatjana Pokorny

 · 07.09.2026

Im goldenen Licht legten die Crews in Kiel los.
Foto: Sascha Klahn
Der 27. Blueribboncup ist Geschichte. 31 Boote, ihre Crews und die sehr engagierten Veranstalter vom Kieler Yacht-Club, Sailing Aarhus und dem “Aarhus Internationale Sejlsportscenter” haben den Offshore-Klassiker von Kiel nach Aarhus und zurück mit anspruchsvollem Segelsport und fröhlichem Miteinander zum September-Segelleckerbissen gemacht.

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Der Blueribboncup hat seinen Herausforderern in diesem Jahr alles geboten, was das Offshore-Herz begehrt: Auf dem Wasser wurden die Crews der 31 teilnehmenden Boote auf dem Kurs von Kiel nach Aarhus und zurück in allen Bedingungen geprüft – Flautenphasen gabe es ebenso zu überwinden wie 40 Knoten Wind. Spannende Positionskämpfe inklusive. Für Abwechslung zwischendurch sorgte ein herzlich organisiertes Landprogramm.

Blueribboncup: sanfter Auftakt, knackiger Rückkurs

​In diesem Spätsommer war die Hinregatta von eher schwachen Winden geprägt. Besonders im Kleinen Belt und auf den letzten Seemeilen stand Geduld als Tugend hoch im Kurs. Eine ausgedehnte Flautenzone vor dem Ziel hatte dafür gesorgt, dass zahlreiche Yachten über längere Zeit nahezu auf der Stelle standen. Für zwei Teams wurde es dann tatsächlich mehr als knapp: Sie verpassten das Zeitlimit und konnten nicht mehr gewertet werden.

Als erste Yacht hatte Dr. Gerhard Clausens Maxi Dolphin 75 „Calypso“ den Zielhafen Aarhus erreicht. Mit dieser Leistung sicherte sich die Crew den Steuermannspreis von 1970 für die erste Yacht im Ziel der Wettfahrt Kiel-Aarhus. Die Siege in den ORC-Wertungen gingen an Daniel Baums schönen Einzelbau „Elida“ (ORC 1) und Tobias Brinkmanns Pogo RC „MarieJo“ (ORC 2), die Kai Gretens Eintonner “Oromocto” und Lorenz Jensens JPK 10.30 “Rentnerbank” auf die Plätze zwei und drei verwies.

In den leichteren Bedingungen der Hinregatta kamen die beiden schnellen J/V 43-Schwestern “Vineta” von Wolf Scheder-Bieschin und “Red 2” von Mathias Müller von Blumencron in ORC 1 noch nicht an “Elida”, die mit der Aarhus Tropy ausgezeichnet wurde, und der zweitplatzierten Carkeek 47 “Störtebeker” mit Skipperin Cosima Cramer vorbei. “Red 2” segelte auf Kurs Aarhus auf Platz drei, “Vineta” auf Platz sechs hinter Ralf Lässigs stets schneller XP 44 “Xenia” und der Solaris 50 “FaJu” mit Skipper Fabius Müller-Kauter.

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Der stürmische Rückkurs: Zahn verloren, ganz verzichtet oder den wilden Ritt genossen

Die kleine Pause in Aarhus nutzten die Crews für kurze Entdeckungstouren durch die Stadt. Den Hot-Dog-Empfang in Aarhus, das dänische Frühstücksbuffet am nächsten Tag und vor allem das bis auf den letzten Platz ausgebuchte gemeinsame BBQ im Anschluss an die Siegerehrung am Freitagabend brachten die Segler in Beststimmung zusammen, bevor der Fokus wieder auf die Rückregatta gerichtet wurde. “Da haben die Dänen und die KYC-Crew richtig reingehauen. Es war einzigartig”, schwärmte nicht nur Mathias Müller von Blumencron.

​Die Rückregatta brachte eine völlig andere Herausforderung als die Hinregatta. Genau anders herum als vor zwei Jahren, fuhr die Ostsee jetzt ihre Krallen aus. Kräftige, teilweise stürmische Winde forderten von den Crews volle Konzentration und seglerisches Können. Wie hart die Bedingungen zeitweise waren, zeigte ein eher ungewöhnlicher Vorfall an Bord einer Yacht, wo ein Crewmitglied einen Zahn verlor. Ein anderer Teilnehmer verzichtete angesichts der vorhergesagten Bedingungen sogar auf den Start, trat die Rückreise bereits am Freitag auf eigenem Kiel an.

Auf dem Rückkurs tauschten in deutlich strammeren Bedingungen in ORC 2 die auch jetzt wieder starken Crews auf der “Rentnerbank” und “Oromocto” die Plätze auf dem Podium. Die Siegerin blieb mit “MarieJo” dieselbe. Anders ging der phasenweise harte zweite Teil der Blueribboncup-Prüfung in ORC 1 zu Ende. In den knackigen Winden konnten nun die stark besetzten Crews auf den knapp drei Jahre alten 43er-Judel/Vrolijk-Raketen “Vineta” und “Red 2” ihre Stärken ausspielen. Zu den Ergebnissen für den Blueribboncup 2026 geht es hier.

Es war unglaublich zu erleben, was die Kisten bringen.” Mathias Müller von Blumencron

Am meisten genossen “Vineta”-Skipper Wolf Scheder-Bieschin, “Red 2”-Skipper Mathias Müller von Blumencron und ihre Mitstreiter das enge Duell auf Augenhöhe. Mit Wolf Scheder-Bieschin waren Lennart Burke, Julius Hornung, Albrecht Müller von Blumencron (Bruder vom Blueribboncup-Gegner Mathias Müller von Blumencron) und Kai Kersten im Einsatz. Auf “Red 2” wirkten Globe40-Weltumseglerin Lisa Berger, Florian Weser und Klaas Simon an der Seite ihres Skippers.

Das pure Rennvergnügen im Blueribboncup

Beide Crews feierten das pure Rennvergnügen wie auf modernen Class40-Racern, nur mit drei Fuß längeren Booten. “Immer, wenn wir sahen, wie ‘Vineta’ geflogen ist, dann sind auch wir geflogen”, beschrieb Mathias Müller von Blumencron das Top-Duell auf hohem Niveau. “Wenn Drücker kamen, fuhren wie 18 bis 21 Knoten”, so der “Red 2”-Eigner, der 25 Knoten als Spitzengeschwindigkeit festhalten konnte.

Die “Red 2”-Crew wusste von “haarigen Bedingungen” und 40 Knoten Wind bei der Südspitze von Alsen zu berichten. Mit zwei Reffs, Stagsegel und Jib-Top rauschten sie hier vorbei. “Vineta” blieb in dieser Phase beim ersten Reff. Zuvor war der Mantel der Großschot abgeplatzt. Weiter zu reffen, wäre entsprechend schwer gewesen. “Vineta”-Gasgeber Lennart Burke, der erstmals mit Wolf Scheder-Bieschin auf dessen Boot segelte, erzählte später lächelnd: “Ich glaube, wir haben auch Ausreden dafür gesucht, dass wir nicht reffen. Ich glaube, wir hätten sowieso nicht gerefft.”

Der Blueribboncup hat mit tollen Bedingungen und Class40-Feeling richtig Spaß gemacht. So ist das, wenn sich gleiche Schiffe die ganze Zeit miteinander batteln.” Lennart Burke

Durch die unterschiedlichen Bedingungen kamen auch bei dieser 27. Edition des Blueribboncup die Stärken unterschiedlicher Bootstypen gut zur Geltung. Auf die Frage, ob das ORC-System fair gepasst habe, sagte Mathias Müller von Blumencron: “Ich fand es erstaunlich. Wir hatten mit dem Schlimmsten gerechnet, dachten, dass wir nach der Vermessungsänderung im Winter nie wieder einen Preis gewinnen. Ich glaube, es war fair.”

Großer Ansturm auf den Blueribboncup

​Organisatorisch hatten die Veranstalter in diesem Jahr neben vielen schönen auch eine schwere Aufgabe zu lösen. Sie mussten erstmals die Zahl der Starter begrenzen. Die Kapazitäten im Zielhafen Aarhus und die hohe Zahl voll besetzter Crews führten dazu, dass nicht alle gemeldeten Boote an die Startlinie gehen konnten.

„Natürlich fällt es uns nicht leicht, treuen Teilnehmerinnen und Teilnehmern absagen zu müssen. Gleichzeitig freuen wir uns sehr über das große Interesse am Blueribboncup. Es zeigt, dass sich die familiäre Idee der Regatta über die Jahre bewährt hat“, sagt Organisationsleiter Ecki von der Mosel nach dem Finale der jüngsten Auflage.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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