Im Konzert bekannter internationaler Langstrecken ist das RORC Baltic Sea Race als nordische Herausforderung noch jung, aber ein sehr attraktives Mitglied im “600er-Club”. Wie das RORC Caribbean 600, das Rolex Fastnet Race, das Rolex Middle Sea Race oder auch das Rolex Sydney Hobart Race, so fordert auch das RORC Baltic Sea Race seine Herausforderer auf dem Kurs von Helsinki rund Gotland und zurück über mehr als 600 Seemeilen.
Ausgetragen alle zwei Jahre, findet das RORC Baltic Sea Race in nördlichen Ostseegewässern statt. In diesem Jahr baten die Organisatoren in Zusammenarbeit mit den lokalen Gastgebern in Helsinkis Hafenstadtteil Katajanokka zur dritten Auflage der nordeuropäischen Seesegelprüfung. Nach der Preisverleihung am Samstag waren sich die meisten Teilnehmer einig: Es war ein brutales und anspruchsvolles, aber auch ein denkwürdiges Rennen.
Erstes Boot im Ziel war in diesem Jahr Gorm Iver Gondesens leuchtend grüner Katamaran mit Co-Skipper Steffen Müller. Das bei Knierim Yachtbau entstandene Hill 57 HP-Zweirumpfgeschoss war als einziges Mehrrumpfboot im Rennen und nutzte die Bedingungen für eine neue Bestzeit. Die Crew meisterte insgesamt sogar 779 Seemeilen in 3 Tagen, 1 Stunde, 28 Minuten und 56 Sekunden – ein neuer Rennrekord für das RORC Baltic Sea Race.
Die Line Honours bei den Monohulls holte die Swan 53 “Bedouin” in gesegelten 3 Tagen, 14 Stunden, 19 Minuten und 48 Sekunden. In diesem Jahr waren allerdings jedes Boot und jede Crew, die es ins Ziel schafften, außergewöhnlich bemerkenswert. Denn das gelang bei den Monohulls nur fünf von insgesamt 23 gemeldeten Booten! Unter ihnen war auch die RM 1380 “Schlüssel von Bremen” mit Skipperin Stefanie Krautwald.
Stefanie Krautwald sagte im Ziel, dass im Rennen vor allem die Entschlossenheit der Crew gefordert war. Ihr Fazit: “Es war ein wirklich hartes Rennen. Einige Crewmitglieder litten unter Seekrankheit. Aber ich bin sehr froh, dass wir die schwierigen Bedingungen gemeistert und es bis ins Ziel geschafft haben.” Die „Schlüssel von Bremen“ hatte das Ziel als fünfte Einrumpfyacht erreicht, sicherte sich damit Platz vier in der IRC-Gesamtwertung und Platz drei in IRC 1.
Die Regattayacht der Segelkameradschaft “Das Wappen von Bremen” hatte die Linie nach 4 Tagen, 9 Stunden, 32 Minuten und 4 Sekunden passiert. Für 17 Einrumpfyachten und damit mehr als drei Viertel der Flotte konnte die Wettfahrtleitung nur die “Aufgabe” notieren.
Die gute Botschaft zur drastischen Ausfallrate: Alle Segler und Seglerinnen haben das Rennen laut Veranstaltern sicher überstanden, wenn auch viele Crews von durchweichten Kojen und Schlafsäcken, Seekrankheit und Härteprüfungen berichteten. Auf dem Höhepunkt der massiv fordernden Bedingungen war die Flotte auf dem Rückkurs in den Finnischen Meerbusen noch einmal Böen von bis zu 35 Knoten und schwerer See ausgesetzt. Für die Crew der “Bedouin” und die anderen, die die Ziellinie erreichten, war alleine das ein großer Erfolg.
Für Linda Goddard war die Leistung ihrer Crew deswegen mindestens so wichtig wie der Sieg. „Die Bedingungen waren anspruchsvoll, und ich bin froh, wieder an Land zu sein“, sagte die Eignerin. „Es war ein großartiges Rennen, eine schöne Herausforderung, und wir hatten alle viel Spaß.” Die Bedingungen aber hätten auch ihre Crew stark gefordert, erzählte auch Goddard.
Die kurzen, steilen Wellen der Ostsee haben uns wirklich überrascht. Sie waren anders als alles, was wir bisher auf rauerer See erlebt haben, daher war es eine großartige Lernerfahrung für das gesamte Team.” Linda Goddard
Eine besondere Genugtuung war es für Goddard zudem, den Erfolg im Team mit einer Swan in deren Heimatgewässern zu erzielen. „Ich bin wirklich froh, dass wir die Chance hatten, mit einem in Finnland gebauten Boot an den Start zu gehen. Es hat seine Aufgabe hervorragend erfüllt.“
Auch die Crew um Gorm Iver Gondesen und Steffen Müller hat ihre Mission formidabel erfüllt. Wie schon bei der MidsummerSail, haben sie mit ihrem von Roger Hill entworfenen 57-Fuß-Performance-Katamaran auch beim RORC Baltic Sea Race einen Rekord für Mehrrumpfboote aufgestellt. Dazu trugen Gorm Gondesen, Steffen Müller, Michael Hoefgen, Andreas Baden, Oliver Huber und Tim Kunze bei.
“Nica” ist jetzt das schnellste Mehrrumpfboot in der noch jungen Geschichte des RORC Baltic Sea Race. Das gelang mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 10,7 Knoten, wie Imoca-Segler Andreas Baden von der “Nica” berichtete. Festhalten konnte er für seine Einsätze am “Nica”-Steuer eine Spitzengeschwindigkeit von 26 Knoten. Die “Nica”-Leistung war umso beeindruckender, als dass die schwierigen Bedingungen bei starkem Gegenwind einen Großteil der Flotte aus dem Rennen geworfen hatten.
Diese dritte Auflage wird ihren Herausforderern nicht als sonst oft erlebte, überwiegend freundliche Challenge im Gedächtnis bleiben, sondern als außergewöhnlicher Starkwindritt. Für die “Bianco” bleibt ein bemerkenswertes Ergebnis als Zweihandcrew, die es aufs IRC-Gesamtpodium geschafft hat. “Ce-Me”-Skipper Håkan Grönvall beschrieb diese dritte Auflage des Ostseemarathons “härter als vier Rolex Fastnet Races”.

Freie Reporterin Sport
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