Baltic 500 abgesagtVerschluckt vom Verordnungsreigen

Tatjana Pokorny

 · 29.04.2021

Baltic 500 abgesagt: Verschluckt vom VerordnungsreigenFoto: Tatjana Pokorny

Die Veranstalter haben bis zuletzt gekämpft, doch die erhoffte Genehmigung kam nicht: Die beliebte Zweihandregatta fällt aus

Enttäuschung bei den Zweihand-Seglern: Die für Mitte Mai geplante Baltic 500 musste heute abgesagt werden. Die Veranstalter vom Yacht-Club Strande um die Initiatoren Cord Hall und Rasmus Töpsch haben mit ihrem Team bis zuletzt gekämpft, doch es gab kein grünes Licht für den Antrag auf Sondergenehmigung vom Gesundheitsamt Rendsburg. "Wir haben versucht, mit Blick auf die vielen Auflagen eine Ausnahmegenehmigung zu erhalten, doch der Antrag wurde abgelehnt", sagte Cord Hall am Donnerstagabend.

  Attacke auf dem Vorschiff: Lina Rixgens beim Start zur Baltic 500 im vergangenen JahrFoto: blondsign by Eike Schurr
Attacke auf dem Vorschiff: Lina Rixgens beim Start zur Baltic 500 im vergangenen Jahr

Cord Hall sieht zwei Gründe für die ausgebliebene Genehmigung. Einer hat mit dem Verordnungsreigen und dem Timing zu tun. Die aktuell geltende Verordnung, so Hall, gelte bis zum 9. Mai. Die Baltic 500 aber hätte am 13. Mai starten sollen. Und damit zu einem Zeitpunkt, für den es aktuell noch keine Verordnung gab. "Letztes Mal", so Cord Hall, "haben sie die Verordnung schon eine Woche vor dem Auslaufen geändert. Wäre es dieses Mal auch so, dann – so hatten wir gehofft – müsste ja eine Arbeitsgrundlage schon vorliegen. Doch das scheint nicht der Fall zu sein." Grund zwei für die Ablehnung des Antrags der Strander Ausrichter ist argumentativ schlichter: Es liegt laut Entscheidern keine besondere Härte vor.

  Baltic-500-Regattadirektor Cord Hall und Wettfahrtleiter Jan CzekalaFoto: Tati
Baltic-500-Regattadirektor Cord Hall und Wettfahrtleiter Jan Czekala

Die Baltic-500-Veranstalter, ihre Berater und Unterstützer sowie die vielen hoffnungsfrohen gemeldeten Teilnehmer tun sich schwer mit Verständnis für die Entscheidung. Hall sagt: "Es ist ja keine Entscheidung, die getroffen wurde, weil die Veranstaltung ein besonderes Risiko darstellt. Wir hatten Check-in und Safety-Checks kontaktfrei und ohne Infektionsrisiko organisiert. Wir halten die Entscheidung für eine reine Angstentscheidung, finden sie schwer verständlich. Wir haben angeboten, die Veranstaltung wie im vergangenen Jahr erheblich auf das zu reduzieren, was am wichtigsten ist: das Segeln. Unsere Konzepte und Pläne waren vom Innenministerium und vom Verkehrsministerium positiv aufgenommen worden, die uns ihre Unterstützung für unser Anliegen zugesichert hatten."

  2020 die Dehler-30-Klassenkönige der Baltic 500: Oliver Schmidt-Rybandt und Otto TimmFoto: blondsign by Eike Schurr
2020 die Dehler-30-Klassenkönige der Baltic 500: Oliver Schmidt-Rybandt und Otto Timm

Die Reaktionen aus Seglerkreisen folgten der Entscheidung prompt und reichten in den sozialen Netzwerken von "bitter" über "tiefen Frust" und "schade" bis "traurig", jeweils verbunden mit Dank für das große Engagement der Veranstalter. Die frühere "Rodeo"-Skipperin und begeisterte Zweihand-Seglerin Kirsten Wrede schrieb: "Das ist wirklich sehr schade. Ihr wart bereit, wir waren bereit – aber die Behörden für gute Konzepte anscheinend nicht. Danke für Euren tollen Einsatz. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben." Segelmacher und UK-Sails-Repräsentant Stefan Voss schrieb: "Vielen Dank für Euren Einsatz. Es ist wirklich bitter, diese Absage zu verdauen. Dafür dürfen sich die Fußballer und Handballer im TV weiterhin öffentlich in den Armen liegen. Verkehrte Welt!"

In einem Kommentar der Rechts-Experten von Brink & Partner (yacht-recht.de) hieß es am Donnerstagabend in einem Facebook-Kommentar unter anderem: "Die aktuell geltenden Regeln der Landesverordnung sind in diesem Punkt aus unserer Sicht rechtlich mehr als zweifelhaft und gerade vor diesem Hintergrund hatten wir die ernste Hoffnung, dass eine Ausnahmegenehmigung gerade für diese – im Hinblick auf Corona perfekt vorbereitete – Veranstaltung Erfolg haben würde. Umso niederschlagender ist, dass nicht nur die Behörden, sondern insbesondere auch die Politik diese Veranstaltung von großer Bedeutung so wenig nachvollziehbar haben verhungern lassen. Man kann ja über viele Regelungen streiten und unterschiedlicher Auffassung sein. Dieser Fall hier ist allerdings aus unserer Sicht eine klassische Fehlentscheidung durch den Staat und frustriert jeden, der nicht konfrontativ, sondern im Einvernehmen mit allen Beteiligten für die Gemeinschaft etwas Herausragendes vollbringen will."

  Rasmus Töpsch, Co-Initiator der Baltic 500, im Segeleinsatz 2020. Damals gelang die Durchführung – ebenfalls schon in fordernden Pandemie-Zeiten – vorbildlichFoto: blondsign by Eike Schurr
Rasmus Töpsch, Co-Initiator der Baltic 500, im Segeleinsatz 2020. Damals gelang die Durchführung – ebenfalls schon in fordernden Pandemie-Zeiten – vorbildlich

Ein Mini-Hoffnungsschimmer für eine Nachhol-Regatta noch in diesem Jahr bleibt, sagt Cord Hall: "Wir schauen und wälzen die Kalender. Die Kombination aus anderen Events und familiären Verpflichtungen schränkt die Auswahlmöglichkeiten für einen Alternativtermin ziemlich ein. Aber eine kleine Chance gibt es ."

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