Atlantic CupNach Gewitterschlacht, Walkollision und Nebelabsage – Burke und Fink Sechste

Tatjana Pokorny

 · 07.06.2024

Die "Sign for Com"-Co-Skipper Lennart Burke und Melwin Fink beim Atlantic Cup
Foto: BillyBlack.com/Atlantic Cup
Sie hatten sich für ihre Premiere im Atlantic Cup eine bessere Platzierung erhofft, würden die Serie aber jederzeit wieder gerne bestreiten: Lennart Burke und Melwin Fink haben den US-Ostküsten-Dreiteiler nach zwei längeren Etappen und einem Küstenkurs als Sechste beendet. Den Sieg holte bei der attraktiven amerikanischen Class40-Prüfung die italienische “Acrobatica” vor den französischen Booten “Vogue avec un Crohn” und “Everial”.

Viel mehr Abwechslung als der Atlantic Cup kann eine Regattaserie kaum bieten: Lennart Burke und Melwin Fink haben beim amerikanischen Ostküsten-Mehrteiler mit Platz sechs zwar das Podium verpasst, würden die US-Vielseitigkeitsprüfung für Class40-Duos in der Zukunft aber gerne wieder bestreiten. Im kleinen, aber feinen Feld der acht Teams, von denen die einzige erfahrene amerikanische Crew auf “Scowling Dragon” bereits nach Etappe eins von Charleston nach Newport ausgeschieden war, brachte sich das junge deutsche Duo vor allem in Etappe zwei von Newport nach Partland um ein besseres Ergebnis.

Atlantic Cup: Im Finale keine Aufholchance mehr für Burke und Fink

Am Ende von Etappe eins noch als Dritte ins Ziel gekommen, mussten Lennart Burke und Melwin Fink vor allem als Sechste auf Etappe zwei Rückschläge einstecken. “Die zweite Etappe hat uns den Podiumsplatz versaut”, wusste Melwin Fink am Ende des Atlantic Cup. Auch im ersten der ursprünglich zwei geplanten abschließenden küstennahen Rennen vor Portland erreichte die deutsche “Sign for Com” die Ziellinie als sechstes Boot. Eine Chance zur Aufholjagd gab es für Burke und Fink nicht mehr, denn das zweite Coastal Race musste bei dichtem Nebel und Sichtweiten unter 50 Metern abgesagt werden. Dennoch beendeten die “Sign for Com”-Co-Skipper den Atlantic Cup begeistert, wie Melwin Fink im Interview erzählt:

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Das letzte der vier Rennen im Atlantic Cup – das zweite Küstenrennen vor Portland – musste abgesagt werden. Erfolgte die Absage zurecht?

Der Nebel war sehr stark, man hatte keine 50 Meter Sicht, das war Wahnsinn. Ein Start wäre nicht möglich gewesen.

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Mit Platz sechs habt Ihr Euer sehr ehrgeizig gestecktes Podiumsziel im Atlantic Cup nicht erreicht. Wäre mehr drin gewesen?

Platz sechs ist nicht unser Ziel gewesen. Wir hatten uns mehr erhofft, aber es ist viel passiert und die Konkurrenz ist super stark. Und leider hatten wir ein paar Probleme. Bei dem kleinen Feld und den kurzen Strecken ist das dann natürlich sehr dramatisch. Wir sind jedoch trotzdem sehr happy, wissen, dass wir ein schnelles Boot haben und kennen die Fehler.

Wo habt Ihr die Federn gelassen?

Die zweite Etappe hat uns den Platz auf dem Podium versaut. All die Dinge die passiert sind, lassen sich auf so einem kurzen Kurs leider nur schwer ausbügeln: die Walkollision, das gebrochene Wasserstag und eine falsche Entscheidung in der Flaute.

Wann und wie kam es zur Walkollision?

Wir haben etwa 40 Seemeilen nach dem Start in Newport auf Kurs Portland bei etwa zwölf Knoten Speed unter Code Zero eine Vollbremsung gemacht. Aus der Kielbombe ist ein Stück rausgebrochen. Die Struktur hat zum Glück nichts abbekommen, ist komplett intakt. Auch uns ist zum Glück nichts passiert, weil wir beide zu dem Zeitpunkt saßen.

Habt Ihr den Wal gesehen?

Im Kielwasser, als er wegschwamm. Seine Flosse war sehr groß. Es könnte ein Finnwal gewesen sein, von denen es in den Gewässern ganz viele gibt. Wir haben am nächsten Tag nochmal einige gesehen. Die werden um die 20 Meter groß.

Die Teilnahme am Atlantic Cup war für Euch eine Premiere. Hat Euch das Rennen insgesamt gefallen?

Der Atlantic Cup ist ein mega Event gewesen. Super organisiert! Alles lief wie am Schnürchen. Wir sind aus dem Süden der USA bis ganz in den Norden gesegelt, das war sehr interessant und schön. Auf jeden Fall ein erstrebenswertes Event. Wir werden gerne wiederkommen!

Oft weicht das Wetter vom Bericht ab und dann muss man freestylen.” Melwin Fink

Welche Learnings nehmt Ihr aus dem Atlantic Cup mit in die Zukunft?

Wir haben sehr viel gelernt. Wir sind noch nie im Golfstrom gesegelt, das war komplett neu – und eine große Herausforderung, dort den besten Weg zu finden. Dann ist das Wetter hier nicht besonders gut vorhergesagt. Oft weicht es vom Bericht ab und man muss freestylen. Es gibt viele Squalls und Gewitter. Das war sehr spannend und sehr herausfordernd. Woraus wir sehr viel lernen konnten. Weniger positiv waren natürlich die ganzen Kollisionen, auch ein paar Male mit Treibgut, und der damit verbundene Bruch. Wir müssen jetzt übers Wochenende aus dem Wasser und unseren Kiel reparieren.

Alberto Riva und Jean Marre haben den Atlantic Cup auf dem italienischen Guelfi-Design “Acrobatica” von 2023 vor der von Sam Manuard entworfenen “Vogue avec un Crohn” gewonnen. Verdient?

Absolut! Sie haben ein sehr kontinuierliches Rennen gesegelt, so gut wie keine Fehler gemacht und sehr verdient gewonnen. Die beiden sind sehr stark gesegelt.

Am 30. Juni startet Ihr ins Transat Québec Saint-Malo. 29 Class40-Crews, darunter sehr starke Teams wie Transat-CIC-Gewinner Ambroggio Beccaria und seine Crew, wollen dabei sein. Seid Ihr bereit?

Fürs nächste Rennen sind wir sehr gut vorbereitet. Das Boot ist bis auf der Kiel in einem Top-Zustand. Nur Kleinigkeiten werden getauscht und dann kann es losgehen. Wir sind sehr motiviert, unsere Crew auch. Wir freuen uns sehr wieder über den Atlantik zu segeln.


Einblicke in den Atlantic Cup vor dem Finale:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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