Arkea Ultim ChallengeRekord in Sicht – Caudrelier schafft 825 Seemeilen in 24 Stunden

Tatjana Pokorny

 · 20.01.2024

Glücklicher Spitzenreiter: "Maxi Edmond de Rothschild"-Skipper Charles Caudrelier hat das Kap der Guten Hoffnung als Erster passiert
Foto: Cahrles Caudrelier/Gitana SA
Charles Caudrelier gibt Gas bei der Arkea Ultim Challenge. Mit 825 Seemeilen in 24 Stunden kratzt der “Maxi Edmond de Rothschild”-Skipper schon am Rekord. Nach dem unglücklichen “Ufo”-Crash seines stärksten Rivalen Tom Laperche dominiert der zweimalige Ocean-Race-Gewinner das kleine, aber feine Ultim-Feld. Knapp zwei Wochen nach dem Start in Brest ist Spitzenreiter Caudrelier bereits am Kap der Guten Hoffnung vorbeigerauscht

Die Skipper der Arkea Ultim Challenge bestreiten seit ihrem Start in Brest am 7. Januar bereits das zweite Wochenende auf See. Spitzenreiter Charles Caudrelier hat in der Nacht zum Samstag seine Geschwindigkeit von mehr als 35 Knoten beibehalten. Die Belohnung: ein 24-Stunden-Ritt von 825 Seemeilen im Indischen Ozean.

Arkea Ultim Challenge: 3.700 Seemeilen trennen Spitzenreiter und Schlusslicht

Die aktuellen Wetterprognosen versprechen eine sehr schnelle Überfahrt zum Kap Leeuwin. Am Ende der zweiten Woche der laufenden Arkea Ultim Challenge dürfte Thomas Coville am Abend des 20. Januar als Zweiter das Kap der Guten Hoffnung passieren, während Armel Le Cléac'h (”Banque Populaire XI”) und Anthony Marchand (”Actual Ultim 3”) noch das Hochdruckgebiet von St. Helena umfahren. “Adagio”-Skipper Éric Péron bildet mehr als 3.700 Seemeilen hinter Charles Caudrelier an der brasilianischen Küste das Schlusslicht.

Während sich die führende “Maxi Edmond de Rothschild” im Southern Ocean bereits in den Brüllenden Vierzigern befindet und sich den Schreienden Fünfzigern nähert, ringt Éric Péron beim 15. Breitengrad Süd erst noch ums Eintauchen ins Südmeer. Charles Caudrelier dagegen hat das Kap der Guten Hoffnung am 19. Januar passiert und bereits den Indischen Ozean erreicht.

In zwölf Tagen von Brest zum Kap der Guten Hoffnung

Für den 8.399 Seemeilen langen Atlantik-Abstieg von Brest zum Kap der Guten Hoffnung hat Team Gitanas erfahrener Skipper Charles Caudrelier nur 12 Tage, 1 Stunde, 2 Minuten und 22 Sekunden gebraucht. Gelungen ist ihm dieser mächtige Eröffnungssatz bei der Solo-Weltumseglung Arkea Ultim Challenge mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28,85 Knoten.

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Obwohl das eine fabelhafte anmutende Leistung ist, war Caudrelier damit noch etwas langsamer als Rekordhalter François Gabart, der den gleichen Abschnitt im November 2017 in 11 Tagen, 20 Stunden und 10 Minuten gemeistert hatte.

24-Stunden-Solorekord in Reichweite

Auch den Solo-24-Stunden-Rekord hält seit 2017 François Gabart mit 851 Seemeilen. Die Distanz hatte der Franzose mit seinem 98-Fuß-Trimaran “Macif” gemeistert. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit damals: 35,4 Knoten! Caudrelier waren zuletzt 825 Seemeilen gelungen – der 49-Jährige kratzt damit an Gabarts Bestmarke.

Zum Vergleich: Der 24-Stunden-Rekord für Mannschaften steht bei 907,9 Seemeilen. Aufgestellt hat ihn die 2008 gebaute “Banque Populaire V” mit ihrer Crew um Skipper Pascal Bidegorry im Jahr 2009. Dabei hatte das Team eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 33,41 Knoten und Spitzengeschwindigkeiten von 47,16 Knoten erreicht!

“Ich hätte mir keinen besseren Start für die Weltumsegelung vorstellen können. Es ist sehr befriedigend, der Erste im Südpolarmeer zu sein”, zog Charles Caudrelier mit dem Kap der Guten Hoffnung in seinem Heckwasser eine Zwischenbilanz bei seiner ersten Solo-Weltumsegelung auf Ultim-Riesenfoilern.

Die Passage um das Kap der Guten Hoffnung ist immer ein besonderer Moment. Es ist das Tor zum Südpolarmeer” (Charles Caudrelier)

Weiter sagte Charles Caudrelier: “Das ist ein schönes Ziel, das wir erreicht haben, und ein unbestreitbarer Vorteil. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich diesen Punkt mit einem Boot in gutem Zustand und an der Spitze erreicht habe. Die Passage um das Kap der Guten Hoffnung ist immer ein besonderer Moment. Es markiert das Ende des Atlantiks und ist das Tor zum Südpolarmeer. Es ist also ein gutes Stück des Kurses geschafft.”

Hinter Caudrelier wurde am Samstagabend der im Rennen zweitplatzierte Thomas Coville auf “Sodebo Ultim 3” am Kap der Guten Hoffnung erwartet. Bei knapp 1.000 Seemeilen Rückstand auf Charles Caudrelier war auch Altmeister Thomas Coville sehr schnell unterwegs. Am Samstagvormittag erreichte der mit 55 Jahren älteste Skipper der Arkea Ultim Challenge Durchschnittsgeschwindigkeiten von fast 30 Knoten. Während die vorderen Boote bereits tief im Süden nach Osten eilen, bleibt der Crash von Tom Laperche auf “SVR Lazartigue” ein bewegendes Thema dieser historischen Regattapremiere.

Natürlich bin ich in meinen Gedanken traurig für Tom, für sein Team” (Charles Caudrelier)

Der so stark ins Rennen gestartete Flotten-Benjamin war am Freitag von Thomas Coville überholt worden und setzt seinen traurigen Kurs nach Kapstadt fort. Dort wird er von seinem Technik-Team erwartet. Der 26-jährige “SVR Lazartigue”-Skipper kommt aktuell mit etwa 15 Knoten voran. Es sei noch schwer abzuschätzen, wann Laperche Kapstadt erreichen könne, so sein Team. Es könnte bis zum 23. Januar klappen.

Charles Caudrelier widmete seinem jungen Rivalen faire Worte: “Von Anfang an habe ich dieses Abenteuer mit Tom Laperche gelebt, mit ihm gerungen. Eine Kollision ist etwas, worauf man keinen Einfluss hat. Natürlich bin ich in meinen Gedanken traurig für Tom, für sein Team. Wir haben viele Ideen ausgetauscht und viel geredet. Zwischen uns liegen fast ein Vierteljahrhundert. Wir kennen uns seit einigen Jahren. Ich mag den Mann sehr.”

Aus Sicherheitsgründen: Eisgrenze verschoben!

Während die Flotte ihren Kurs fortsetzt, hat die Wettfahrtleitung am Freitag die sogenannte ZEA (Eissperrzone) leicht geändert, weil südlich der Kerguelen Eisberge gesichtet wurden. “Die geänderte Grenze hindert die Boote nun daran, die Kerguelen südlich zu passieren”, erklärte Pierre Hays von der Wettfahrleitung.

Müde, abgekämpft und enttäuscht – wie sich Tom Laperche nach der Kollision seiner “SVR Lazartigue” mit einem unbekannten Objekt Kapstadt entgegenkämpft. Und wie seine Crew an Land mit der Ernüchterung ringt und für ihren Skipper kämpft:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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