Arkea Ultim ChallengeQuartett im Indischen Ozean und ein besonderer Südmeer-Moment

Tatjana Pokorny

 · 23.01.2024

Erhabener Moment: Charles Caudrelier treibt seine Gitana-Gigantin "Maxi Edmond de Rothschild" durchs Südmeer, Albatrosse begleiten den Spitzenreiter der Arkea Ultim Challenge
Foto: Niels Gins/TAAF
Nach Spitzenreiter Charles Caudrelier und seinem Jäger Thomas Coville sind bei der Arkea Ultim Challenge auch Armel Le Cléac’h und Anthony Marchand in den Indischen Ozean eingetaucht. Beide Skipper passierten das Kap der Guten Hoffnung in der 16. Nacht des Giganten-Rennens um die Welt

Im Heckwasser von Charles Caudrelier (”Maxi Edmond de Rothschild”) und Thomas Coville (”Sodebo Ultim 3”) haben am frühen Morgen des 23. Januar auch Armel Le Cléac'h (”Banque Populaire XI”) und Anthony Marchand (”Actual Ultim 3”) den Indischen Ozean erreicht. Beide passierten das erste der drei Kaps der Solo-Weltumsegelung in der 16. Nacht auf See.

“SVR Lazartigue” sicher in Kapstadt

Tom Laperche war bereits zuvor mit seiner bei einer Kollision mit einem unbekannten Objekt beschädigten “SVR Lazartigue” sicher in Kapstadt angekommen. Der 26-Jährige prüft dort mit seinem Team nun alle Optionen für eine mögliche Rückkehr ins Rennen. Die gründliche Inspektion der “SVR Lazartigue” hat bereits begonnen. Reparaturarbeiten an Schwert und Rumpfboden sind geplant.

Tom Laperche blickte noch einmal zurück auf die Tage nach der “Ufo”-Kollision. Der junge Franzose aus La Trinité-sur-Mer war in starker zweiter Position in der vergangenen Woche bei 35 Knoten Bootsgeschwindigkeit mit Treibgut kollidiert. Die “SVR Lazartigue” hatte erhebliche Schäden davongetragen.

Da war eine riesige Enttäuschung und dann der Wunsch, die wesentlichen Dinge des Lebens zu relativieren” (Tom Laperche)

Tom Laperche sagte: “Diese vier Tage nach der Kollision waren die Momente, in denen ich mich am einsamsten gefühlt habe. Da war eine riesige Enttäuschung und dann der Wunsch, die wesentlichen Dinge des Lebens zu relativieren. Aber es ist eine Erleichterung, hier anzukommen.” Das Team des blauen Trimarans möchte nun “alle möglichen Optionen abwägen”, bevor es eine Entscheidung über das weitere Vorgehen bei der Arkea Ultim Challenge trifft.

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Gleichzeitig kämpfte sich Schlusslicht Éric Péron am Dienstagmorgen bei gut 4.300 Seemeilen Rückstand auf Spitzenreiter Charles Caudrelier auf halbem Weg zwischen Brasilien und Südamerika nach Osten. Dabei war der 42-jährige “Adagio”-Skipper zwar auf dem kürzesten Kurs unterwegs, kam jedoch in leichten Winden nur langsam voran.

Vorn im weit auseinandergezogenen Feld der Arkea Ultim Challenge lässt das Tempo dagegen nicht nach. Charles Caudrelier erreichte auch am Dienstagmorgen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 32 Knoten! “Maxi Edmond de Rothschild” frisst im Südmeer etwa beim 49. Breitengrad Süd Meilen wie ein hungriger Teenager Müsli.

Fast schon hatte der 49-jährige Caudrelier mit seiner Gitana-Gigantin am Morgen des 23. Januar den 82. Längengrad erreicht. Das nächste Kap, der nächste Meilenstein der Solo-Weltumsegelung Arkea Ultim Challenge erwartet ihn bereits beim 115. Längengrad mit Kap Leeuwin. Überfliegerin “Maxi Edmond de Rothschild” – auch als “Gitana 17” des legendären gleichnamigen Rennstalls bekannt – fliegt an der Eisgrenze entlang nach Osten.

Albatrosse begleiten Charles Caudrelier bei einer besonderen Begegnung im Südmeer

Dabei erlebte gerade die Crew des 23 Jahre alten Hochseefischereibootes “Mascareignes III” unter antarktischer Flagge besondere Momente im Southern Ocean. Die Bilder dazu haben die Veranstalter der Arkea Ultim Challenge jetzt veröffentlicht. Auf ihrem Kurs raste “Maxi Edmond de Rothschild” nur wenige Bootslängen an der Mascareignes III” vorbei. An Bord der “Mascareignes III” ist mit Niels Gins auch ein Wissenschaftler und Fischereikontrolleur der TAAF, einer großen Hochseereederei.

Niels Gins ist ein glühender Fan von Hochseeregatten und emsiger Verfolger des Live-Trackers der Arkea Ultim Challenge. Er hielt die Momente fest und schickte die Bilder der rasenden “Maxi Edmond de Rothschild”. Zu sehen ist der französische Riesenfoiler bei seinem Flug inmitten von Albatrossen. “Da ich selbst segele, war es ein echtes Vergnügen, Gitana zu treffen!”, berichtete Niels Gins, “ich schaue alle zwei bis drei Stunden auf den Tracker, aber ich hätte nicht gedacht, dass sie so nah an uns vorbeifliegen würde.”

Charles hat günstige Bedingungen bis vor Tasmanien” (Fred Le Peutrec)

“Charles ist im Rhythmus einer Einhand-Weltumsegelung unterwegs”, erklärte Fred Le Peutrec von der Rennleitung. Für den Spitzenreiter der historischen Premiere der Arkea Ultim Challenge stehe aktuell nicht zu viel auf dem Spiel. Caudrelier könne seinen Vorsprung verwalten, absichern und auf sein Boot aufpassen, so Le Peutrec. Und so bleiben vorerst auch die weiteren Aussichten. “Charles hat günstige Bedingungen bis vor Tasmanien”, sagte Fred Le Peutrec.

Mehr als 1.400 Seemeilen hinter Caudrelier segelt Thomas Coville auf “Sodebo Ultim 3” einen nördlicheren Kurs, da sich in seinem Osten ein Tiefdruckgebiet befindet. “Das Tiefdruckgebiet hat sich in der Mitte von Madagaskar ausgedehnt und zieht nach Süden”, erklärte Fred Le Peutrec weiter.

Segel-Schach im Southern Ocean

Covilles technisches Problem mit dem Steuerbord-Foil (Bruch des Foil-Down-Systems), das seit der Vorwoche besteht, hat aktuell wenig Auswirkungen auf die Leistung von “Sodebo Ultim 3”, weil Coville auf dem anderen Bug unterwegs ist. Die geplante Reparatur auf See aber steht noch aus, weil die aktuellen Bedingungen dem Skipper dafür nicht günstig erscheinen.

Im Duell mit dem hartnäckigen Anthony Marchand auf “Actual Ultim 3” hat sich indessen Vorstart-Co-Favorit Armel Le Cléac’h auf “Maxi Banque Populaire XI” ein kleines Polster von rund 80 Seemeilen erkämpft. ”Man merkt, dass sich Armel wieder nach Süden bewegt hat, um das Hochdruckgebiet zu umgehen”, kommentierte Fred Le Peutrec die strategischen “Schachbewegungen” der Segler im südlichen Indischen Ozean. “Schachmatt” war trotz einiger Rückschläge an diesem Morgen des 23. Februar noch keiner der sechs französischen Solisten.

Endlich an Land! Tom Laperche hat die “SVR Lazartigue” nach einer Kollision mit Treibgut bei 35 Knoten Bootsgeschwindigkeit inzwischen sicher nach Kapstadt gebracht:

Grau in Grau! “Actual Ultim 3”-Skipper Anthony Marchand schickt Grüße aus dem Southern Ocean:

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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