Arkea Ultim ChallengeLe Cléac’h passiert Kap Hoorn, Coville mit Schulterprellung nach Sturz

Tatjana Pokorny

 · 11.02.2024

Anthony Marchands "Actual Ultim 3" in Aktion
Foto: Anthony Marchand/Actual Ultim 3
Die Arkea Ultim Challenge bleibt in Bewegung: Während Spitzenreiter Charles Caudrelier den Atlantik hinaufklettert, hat der Zweitplatzierte Armel Le Cléac’h am frühen Sonntagmorgen Kap Hoorn passiert. Anthony Marchand musste einen zweiten Reparaturstopp einlegen, ist aber wieder im Rennen. Der Drittplatzierte Thomas Coville hat eine Schulterprellung zu beklagen

Der zweite Skipper der Arkea Ultim Challenge hat Kap Hoorn passiert: Armel Le Cléac’h kreuzte den Längengrad des dritten und letzten Kaps seiner Solo-Weltumseglung am frühen Morgen des 11. Februar um 06:01:50 Uhr deutscher Zeit bei sehr guten Bedingungen. Für den “Banque Populaire XI”-Skipper war es in etwa 15 Knoten Wind die vierte Hoorn-Passage. So nah wie dieses Mal hatte Armel Le Cléac’h die berühmte Landmarke auch bei seiner ersten Vendée Globe 2008/2009 erlebt.

Arkea Ultim Challenge: Armel Le Cléac’h eröffnet Atlantik-Schlussphase nach Kap-Hoorn-Passage

Ob Armel Le Cléac’h mit Kap Hoorn im Heckwasser auch die Südmeer-Bedingungen hinter sich lassen kann, blieb zunächst offen. Denn für die Eröffnungsphase des letzten Atlantik-Abschnitts standen ihm nur zwei Möglichkeiten offen: Er kann so nah wie möglich an die Küste heranfahren und bei 45 Knoten aus Südwest vor dem Wind segeln. Oder er kann nach Osten vorstoßen, um bei 15 Knoten am Wind zu segeln – das aber am Rande der Eiszone.

Mit Fred Le Peutrec hatte ein Mitglied des Rennleitungsteams das Gebiet gestern erneut überflogen, um die Eisbewegungen zu überprüfen. Zuvor war Eis nördlich der eingezogenen Eisgrenze gesichtet worden, doch zuletzt schien der Kurs wieder eisfrei.

Charles Caudrelier: zum Karneval an Rio de Janeiro vorbei

Spitzenreiter Charles Caudrelier segelt indessen mit gut 1.800 Seemeilen Vorsprung vor Armel Le Cléac’h so nah wie möglich an der brasilianischen Küste nach Norden. Bei 16 Knoten Wind aus nördlicher Richtung war Caudrelier mit Bootsgeschwindigkeiten von etwas mehr als 20 Knoten unterwegs. Seine aktuelle Strategie besteht darin, die besten Kompromisse aus der VMC-Maximierung nach Norden und möglichst wenig Manövern zu finden. Der “Edmond de Rothschild”-Skipper hatte am Sonntagnachmittag fast schon die Höhe von Rio de Janeiro erreicht, wo der Karneval in vollem Gange ist.

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Als dritter Skipper der Arkea Ultim Challenge wird Thomas Coville am Sonntagabend vor Kap Hoorn erwartet. Seine Position und Situation war alles andere als komfortabel: Gejagt von einem riesigen Tiefdruckgebiet und einem etwas weniger unangenehmen Tief vor sich, hatte der Franzose selbst das Gefühl, auf Messers Schneide zu segeln und erklärte: “Wir befinden uns zwischen diesen beiden Systemen und versuchen, unseren Weg zu finden. Das ist nicht einfach, denn die Prognosen stimmen nie genau mit der Realität überein.”

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Es war extrem heftig, ich hatte starke Schmerzen” Thomas Coville

Zudem hat sich Thomas Coville bei einem von gleich zwei Stürzen an Bord zum Wochenendbeginn eine schwere Schulterprellung zugezogen. Er selbst erklärte, dass es die ersten Stürze dieser Art in seiner Segelkarriere waren und sagte: “Mir ist etwas passiert, worüber ich mir immer schon Sorgen gemacht habe, wenn es auch nicht sehr schlimm war. Wir hatten sehr starken Wellengang von hinten, als das Boot in einer Welle stecken blieb …”

Zu dem Zeitpunkt befand sich Coville gerade in seiner Navigationszentrale. Durch die enormen Fliehkräfte verlor er seinen Halt, fand keine Möglichkeit zum Festhalten, wurde über zweieinhalb Meter nach vorn gegen die Innenverglasung seines Deckshauses geschleudert und prallte dort mit der Schuler auf. “Es war extrem heftig, ich hatte starke Schmerzen”, sagte Coville. Und weiter: “Ich glaube nicht, dass ich das Bewusstsein verloren habe, aber man bekommt binnen Zehntelsekunden ziemliche Angst.”

Es ist alles in Ordnung. Ich hatte unglaubliche medizinische Hilfe” Thomas Coville

Inzwischen könne er aber Entwarnung geben, so Coville: “Es ist alles in Ordnung. Ich hatte unglaubliche medizinische Hilfe. Laure und Marine waren da, sie haben mich beruhigt und instruiert. Und 24 Stunden später ist nun wieder alles in Ordnung. Aber man hat das Gefühl, sich fortwährend auf einem Hochseil zu befinden, das einem klarmacht, wie schnell etwas passieren kann. Wir leben damit, aber wenn es näher kommt oder wenn man erlebt, dass etwas passiert, wird man sich dessen sehr bewusst.”

Der Viertplatzierte Anthony Marchand hat inzwischen den zweiten Pitstop seines Rennens im neuseeländischen Dunedin beendet und befindet sich im Pazifik auf Kurs Point Nemo. Marchand hatte Probleme mit seinem Foil-Down-System zu beheben. Insgesamt ist das Feld bei der Arkea Ultim Challenge weit auseinandergezogen. Der Vorsprung von Dominator Charles Caudrelier auf Schlusslicht Éric Péron betrug am sechsten Sonntag seit Rennstart 7.130 Seemeilen! Nur noch rund 5.000 Seemeilen hatte Charles Caudrelier dabei bis in den Zielhafen Brest zu absolvieren.

Eindringlich beschreibt Thomas Coville auf Kurs Kap Hoorn das harte Segeln im Südmeer:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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