Arkea Ultim ChallengeHistorische Kap-Hoorn-Passage – Caudrelier auf der Zielgeraden

Tatjana Pokorny

 · 06.02.2024

Charles Caudrelier und "Maxi Edmond de Rothschild" passieren Kap Hoorn
Foto: Yann Riou/polaRYSE/Gitana S.A.
Selten hat eine Annäherung an Kap Hoorn bei einer Weltumsegelung für so viel Gesprächsstoff gesorgt. Nun haben Charles Caudrelier und “Maxi Edmond der Rothschild” es bei der historischen Premiere der Arkea Ultim Challenge geschafft. An die strategische Meisterleistung schließt sich direkt die nächste – und wichtigste – Frage an: Kann Caudrelier im atlantischen Schlussspurt auch den Rekord für die schnellste Solo-Weltumsegelung brechen?

Charles Caudrelier ist zurück im Atlantik! Nach mehr als 18 Tagen im Südpolarmeer hat der “Maxi Edmond de Rothschild”-Skipper mit dem atlantischen Aufstieg zurück zum Start- und Zielhafen der Arkea Ultim Challenge begonnen. Das Südmeer liegt bei dieser Prüfung hinter ihm. Bis zur Ziellinie der Premiere der Arkea Ultim Challenge hatte Caudrelier am Abend des 6. Februar noch rund 7.000 Seemeilen zu absolvieren.

Arkea Ultim Challenge: Spitzenreiter passiert Kap Hoorn

Vom Kap Agulhas, dem Referenzpunkt in Südafrika, der die Einfahrt in den Indischen und den Südlichen Ozean markiert, bis zum legendären Kap Hoorn legte Team Gitanas Riesentrimaran bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 28 Knoten über 11.900 Seemeilen zurück. Diese Zahl ist auch deshalb so imposant, weil Charles Caudrelier am Ende seiner Pazifik-Passage kurz vor Kap Hoorn den Fuß vom Gas hatte nehmen müssen. Zwischen dem 1. und 3. Februar ging er bei stark gedrosseltem Tempo in eine 48-stündige “Warteschleife”, um in Absprache mit seinem Team nicht in einen schweren Sturm vor Kap Hoorn zu geraten.

Nach gelungenem strategischen Timing wird dieser Dienstag ein Schlüsseldatum für Charles Caudreliers bislang so beeindruckende Solo-Weltumsegelung bleiben. Der 49-jährige Familienvater aus Fouesnant kreuzte den Längengrad von Kap Hoorn an der Südspitze Südamerikas um 18.08 Uhr deutscher Zeit nach insgesamt 30 Tagen, 4 Stunden, 38 Minuten und 40 Sekunden seit dem Start der Arkea Ultim Challenge am 7. Januar. Bei rund 2.500 Seemeilen Vorsprung vor dem Zweitplatzierten Armel Le Cléac’h auf “Banque Populaire XI” strebt der Spitzenreiter dem Ziel mit mehreren Tagen Vorsprung entgegen.

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Caudrelier war im Indischen Ozean schneller, Rekordhalter Gabart im Pazifik

Notiert wurde für Charles Caudrelier die viertschnellste Zeit aller Weltumsegelungen und die zweitschnellste aller Solo-Weltumsegelungen. Während die “Maxi Edmond de Rothschild” (auch “Gitana 17” genannt) den Indischen Ozean bereits am 28. Januar in neuer Rekordzeit von 8 Tagen, 8 Stunden, 20 Minuten und 36 Sekunden durchpflügt hatte, blieb ihrem Skipper Charles Caudrelier der Rekord für den Pazifik verwehrt.

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Landsmann François Gabart hatte bei seinem Sieg bei der Trophée Saint-Exupéry 2017 für den Abschnitt zwischen Ushant und Kap Hoorn nur 29 Tage, 3 Stunden und 15 Minuten und damit einen guten Tag weniger gebraucht. Gabarts Rekord für die schnellste Solo-Weltumsegelung steht seit 2017 bei 42 Tagen, 16 Stunden, 40 Minuten und 35 Sekunden. Er wird bei der Arkea Ultim Challenge auch von einem hervorragend aufgelegten Charles Caudrelier nach der Verzögerung der letzten Tage nur schwer zu schlagen sein.

Historische Premiere: ein Trimaran-Foiler passiert Kap Hoorn

Für den zweimaligen Ocean-Race-Gewinner Charles Caudrelier war es die vierte Kap-Hoorn-Passage seiner Karriere, aber die Premiere als Solist. Es ist auch das erste Mal in der Segelsportgeschichte, dass ein fliegender Maxi-Trimaran diese legendäre Passage gemeistert hat. Aufgeregt und glücklich, das Südpolarmeer und das “Kap der Erlösung” hinter sich gebracht zu haben, widmete die Nummer eins im Gitana-Rennstall dieses dritte und letzte Kap seinen Betreibern und seinem Team.

Charles Caudreliers Botschaft von Kap Hoorn:

Für mich steht dieses Kap für so vieles. Es ist meine vierte Passage, aber dieses Mal eine historische! Es ist historisch für mich: meine erste Einhandpassage. Sie ist historisch für das Boot, für das Gitana Team und für den Segelsport, denn das Boot ist der erste fliegende Maxi-Trimaran, der Kap Hoorn passiert hat. Wir haben es geschafft!

Im Jahr 2017 hat das Gitana Team dieses revolutionäre Boot zu Wasser gelassen, das drei Jahre zuvor mit dem Team um Guillaume Verdier entwickelt worden war. Sieben Jahre später hat die Vision dieses Teams und seiner Betreiber Ariane und Benjamin de Rothschild dazu geführt, dass wir die Flotte bei Kap Hoorn verdientermaßen anführen. Das wird in die Geschichte eingehen; es ist magisch.

Was für ein magischer Moment, Kap Hoorn einhand zu passieren” (Charles Caudrelier)

Unweigerlich ist es auch für mich persönlich magisch. Was für ein emotionaler Moment, Kap Hoorn einhand zu passieren. Davon habe ich schon als Kind geträumt, aber ich habe es noch nie gemacht. Als sich mir die Gelegenheit dazu bot, habe ich sie genutzt. Ich bin stolz auf mich und auf das ganze Team. Es ist ein Durchgangspunkt. Es liegt noch ein langer Weg vor mir, aber selbst wenn ich das Rennen nicht gewinne, habe ich Kap Hoorn passiert, und das ist wichtig. Das ist in meinem Gedächtnis verankert.

Es ist eine wichtige Etappe, aber wir haben noch einiges an Arbeit vor uns. Mein Boot ist in einem guten Zustand. Es ist nicht perfekt, aber ich habe ein Boot, das so gut wie sein ganzes Potenzial ausschöpfen kann. Mein Ziel ist es jetzt, den Vorsprung, den wir haben, zu kontrollieren und den Kurs zu beenden. Ich kann dieses Rennen gewinnen. Ich weiß, dass ich es kann, und die anderen wissen es auch.

Wir haben einen großen Vorsprung, und ich werde versuchen, ihn gut zu verwalten” (Charles Caudrelier)

Der nächste Abschnitt ist nicht einfach. Ich habe noch vier bis fünf etwas komplizierte Tage vor mir, aber wenn ich mich erst einmal an den Passatwind vor Rio angeschlossen habe, wissen wir von da an, wo es langgeht: auf einem geraden Kurs mindestens bis zu den Azoren. Danach weiß ich nicht, was das Ende des Kurses für uns bereithält. Das Ziel ist es, das Boot im Passat so schnell wie möglich voranzubringen, denn es gibt noch starke Winde und einige fordernde Übergänge. Aber wir haben einen großen Vorsprung, und ich werde versuchen, ihn zu gut zu verwalten.”

Nur 300 Seemeilen hinter dem Zweitplatzierten Armel Le Cleac’h kämpft sich auch Thomas Coville auf “Sodebo Ultim 3” im Pazifik in Richtung Kap Hoorn. Mit fast 6.000 Seemeilen Rückstand auf Spitzenreiter Caudrelier hat der Viertplatzierte Anthony Marchand auf “Actual Ultim 3” mit Kap Leeuwin gerade das zweite Kap seiner Solo-Weltumsegelung passiert und den Pazifik noch vor sich. Schlusslicht Éric Péron hatte am Dienstagabend noch rund 1.100 Seemeilen bis zum Längengrad von Kap Leeuwin zu absolvieren.

Ein anderes Rennen, derselbe Meilenstein: eine Ocean-Race-Hommage mit Kommentar von Boris Herrmann an Kap Hoorn:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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