Tatjana Pokorny
· 08.02.2024
Schon bevor Charles Caudrelier am 6. Februar Kap Hoorn passiert hatte, waren nördlich der Antarktischen Sperrzone (AEZ) Eisberge entdeckt worden. Bevor nun seine Verfolger Armel Le Cléac’h (”Banque Populaire XI”) und Thomas Coville (”Sodebo Ultim 3”) an diesem Wochenende das dritte und letzte Kap der Solo-Weltumsegelung Arkea Ultim Challenge passieren werden, hat die Rennleitung mobil gemacht, um die Sicherheit aller Segler in dieser Zone zu gewährleisten.
Eine Erklärung dazu gab das Rennmanagement am frühen Morgen des 8. Februar nach der 31. Nacht der Arkea Ultim Challenge ab. Im Statement hieß es:
“Neben dem Lächeln und der Begeisterung, die alle Kap-Horniers ausstrahlen, dürfte Charles Caudrelier am vergangenen Dienstag auch erleichtert gewesen sein, dass er Kap Hoorn ohne Probleme passiert hat. Denn am vergangenen Freitag hatte das Unternehmen CLS (Collecte Localisation Satellites), das für die Rennleitung die Risikozonen mit Blick auf Eisberge bestimmt, auf Satellitenbildern Eisberge entdeckt, die weiter nördlich positioniert waren als die vorherigen, die bis dahin die AEZ (Redaktion: Antarktische Exklusionszone, auch Eissperrgebiet genannt) definierten.
Bereits mehrmals während des Rennens hatten die CLS-Beobachtungen dazu beigetragen, die AEZ zu ändern. Das galt insbesondere bei den Kerguelen am Wochenende des 21. Januar. In Bezug auf Kap Hoorn wurde die Information von der Rennleitung (DC) schnell an alle Teams weitergeleitet.
Was war das Ziel? Die Zone so gut wie möglich zu sichern, indem mehrere Überflüge durchgeführt werden, um die Passage zu sichern. Das von der Rennleitung beauftragte Gitana-Team hatte daher beschlossen, mit Yann Riou ein Teammitglied in die Region zu entsenden, um diese Überwachungsmission im Vorfeld durchzuführen und zusätzlich Bilder und Videos des Skippers zur Verfügung zu stellen.
Darüber hinaus wollte die Rennleitung ein Verfahren einführen, um die sportliche Fairness und das gleiche Sicherheitsniveau für die anderen Skipper zu gewährleisten. Sie entsandte daher mit Frédéric Le Peutrec eines seiner Teammitglieder zum Vor-Ort-Einsatz. Anhand der neuesten Satellitenbilder, die von CLS untersucht werden, kann er das Gebiet überfliegen und die betroffenen Teams über mögliche Risiken informieren.
Es wird erwartet, dass Armel Le Cléac’h (”Maxi Banque Populaire XI”, 2. Platz) Kap Hoorn am Samstagnachmittag und Thomas Coville (”Sodebo Ultim 3”, 3. Platz) in der Nacht von Samstag auf Sonntag passieren wird.”
Während die Beobachtungen der bedrohlichen Eissituation andauern, wird an Land auch emsig gerechnet. Wann könnte Charles Caudrelier Brest erreichen? Wie kommen seine Jäger voran. Für eine umfassende Prognose wurden die Routings aller Teams zusammengetragen und miteinander verglichen. Auf dieser Basis ergibt sich für das inzwischen knapp 7.400 Seemeilen auseinandergezogene Feld bei der Arkea Ultim Challenge folgendes Bild:
Der Viertplatzierte Anthony Marchand hat auf “Actual Ultim 3” gerade Kap Leeuwin passiert und den Pazifik erreicht. Der als Schlusslicht hinter Marchand auf Platz fünf segelnde Éric Péron taucht mit “Adagio” gerade weit nach Süden ab, um sich an der Vorderseite eines Tiefs zu positionieren, das ihn voraussichtlich am Morgen des 9. Februar den Längengrad von Kap Leeuwin erreichen lassen wird. Éric Péron hatte am Dienstagmorgen mehr als 1.800 Seemeilen Rückstand auf Anthony Marchand.
Der Zweitplatzierte Armel Le Cléac’h hatte am Donnerstagmorgen nach der 31. Nacht auf See nur noch weniger als 2.000 Seemeilen bis Kap Hoorn vor sich. Armel Le Cléac’h blickt seiner vierten Kap-Hoorn-Passage entgegen, aber es ist die erste auf einem Ultim-Trimaran. Kann er einen guten Durchschnitt von fast 800 Seemeilen pro 24 Stunden halten, könnte er den Pazifik am Sonntagmorgen in Richtung Südatlantik verlassen. 400 Meilen hinter ihm dürfte Thomas Coville Kap Hoorn in der Nacht von Sonntag auf Montag passieren.
Noch sehr ungenau sind die Prognosen für die voraussichtliche Zielzeit von Spitzenreiter Charles Caudrelier. Was vor allem daran liegt, dass Vorhersagen über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen nicht sicher möglich sind. Aktuell gehen Beobachter davon aus, dass Charles Caudrelier und sein Riesenfoiler “Maxi Edmond de Rothschild” den Start- und Zielhafen Brest etwa am 23. Februar oder 24. Februar erreichen könnten.
Die Rekordzeit für Solo-Weltumsegelungen bliebe danach unerreichbar. In einem Fabellauf hatte François Gabart 2017 die Welt auf seinem 100-Fuß-Trimaran “Macif” in 42 Tagen, 16 Stunden, 40 Minuten und 35 Sekunden umsegelt. Die aktuellen Prognosen ergeben für Charles Caudrelier auf “Maxi Edmond de Rothschild” nach der schwierigen Kap-Hoorn-Passge mit “Sturm-Warteschleife” und vor dem komplexem Atlantik-Aufstieg eher eine voraussichtliche Renndauer jenseits von 45 Tagen.

Freie Reporterin Sport