Arkea Ultim ChallengeCoville stürmt als Zweiter ins Ziel, Le Cléac’h musste erneut reparieren

Tatjana Pokorny

 · 29.02.2024

Thomas Coville hat Platz zwei bei der Arkea Ultim Challenge erkämpft
Foto: Alexis Courcoux
Es war zuletzt ein Wettrennen mit einem erneut aufziehenden Biskaya-Tief. Thomas Coville hat ihn gewonnen! Der “Sodebo Ultim 3”-Skipper rettete sich als Zweiter der historischen Premiere der Arkea Ultim Challenge ins Ziel, bevor es sehr ungemütlich wurde. Mit dem gelungenen wie berhezten Endspurt und Silber bei der ersten Solo-Ultim-Regatta um die Welt hat der 55-jährige Flotten-Oldie die Prognosen überboten. Dabei ist er seinem Ruf als starker Erzähler einmal mehr gerecht geworden.

Thomas Coville hat das Ziel der Arkea Ultim Challenge am 29. Februar um 14. 42 Uhr als Zweiter erreicht. Der 55-jährige “Sodebo Ultim 3”-Skipper benötigte 53 Tage, 1 Stunde, 12 Minuten und 40 Sekunden für sein Solo um die Welt. Für den 55-jährigen war es die insgesamt neunte Runde um die Erde, die siebte mit einem Mehrrumpfboot und die fünfte im Alleingang.

Coville gut zwei Tage nach Caudrelier im Ziel

Als einer der erfahrensten Mehrrumpf-Skipper wurde Thomas Coville bei seinem jüngsten Abenteuer von den Wetterbedingungen nicht geschont, hatte mit zahlreichen technischen Problemen zu kämpfen. Dennoch hat er sich durchgebissen und bis zum Ende durchgehalten. Den Kurs meisterte Covill in 53 Tagen, 1 Stunde, 12 Minuten und 40 Sekunden. Vom bereits gefeierten Sieger Charles Caudrelier trennten Coville auf der Ziellinie 2 Tage, 6 Stunden, 4 Minuten und 58 Sekunden.

Thomas Coville hatte zu den ersten Skippern gezählt, die an die Idee der neuen Arkea Ultim Challenge geglaubt haben. Vor dem Start war er es, der von einem Rennen sprach, “das Geschichte schreiben wird". Coville hat vor, während und nach dem Rennen stets das Gefühl vermittelt, zu den stolzen Pionieren einer neuen Ära zu zählen. Auf dem Papier nicht als Top-Favorit in diese historisch erste Arke Ultim Challenge gestartet, haushaltete Thomas Coville trotz multipler Herausforderungen und Prüfungen gut mit seinen Kräften.

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Es ist ein bisschen wie bei Apollo 13.” Thomas Coville

Schon in den ersten Tagen konnte er seine Stärke und die Leistungsfähigkeit seiner Ultim-Maschine zeigen und blieb stets im Spiel. Erst der Bruch seines Foil-Down-Systems für das Steuerbord-Foil bremste ihn empfindlich aus. Da musste er Charles Caudrlier und den zu diesem Zeitpunkt noch im Rennen befindlichen Tom Laperche ziehen lassen. Thomas Covilles Reparaturen zogen sich über mehrere Tage hin. Seine Beschreibung: “Es ist ein bisschen wie bei Apollo 13: Du bist ganz allein mit ein paar Werkzeugen, deinen Händen, deinem Kopf, deiner Energie und du arbeitest wie eine kleine Ameise.”

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Mit Durchhaltevermögen auf den Silberplatz

Im Indischen Ozean, als Tom Laperche bereits hatte aufgeben müssen und Charles Caudrelier weit enteilt war, bahnte sich Coville seinen eigenen Kurs im kalten Süden. "Ich muss einen Korridor durch die Luftmassen finden, die aufeinandertreffen, zusammenprallen und heftige und erratische Phänomene erzeugen", beschrieb er seine Welt im Südmeer. Ihm waren die Wettersysteme oftmals nicht gewogen. Zwischen Anstrengung und Wachsamkeit litt er physisch ebenso wie sein Boot.

Das Ende seines zweitägigen Reparatur-Pitstops auf Tasmanien beschrieb der Segler und Philosoph Coville mit einem seiner denkwürdigsten Sätze während dieser Arkea Ultim Challenge: "Neu starten ist wie ein Herz, das wieder zu schlagen beginnt.”Das Rennen blieb für ihn bis zum Ende anspruchsvoll, fesselnd und virulent. Aber Thomas Coville hielt durch und erkämpfte sich sein Duell mit Armel Le Cléac'h im Pazifik. Coville sagte: “Es ist ein Privileg, mit ihm ein Match zu bestreiten."

Ich habe alles gegeben, was ich in mir hatte.” Thomas Coville

Beobachter und Fans beschenkte Coville bei seinem Rennen um die Welt immer wieder mit starken Worte und Gedanken. Nach seiner Umrundung von Kap Hoorn versicherte Thomas Coville zu Tränen gerührt: "Lange Zeit denkt man, dass man nicht zusammenbrechen darf, weil niemand da ist. Es ist feindselig, wild, beeindruckend hier, aber man hat uns durchgelassen". Einige Tage später schwärmte er von einem Sonnenuntergang: "Er ist rein, fotogen, einfach". Am Ende war Coville sicher: "Ich hatte immer das Gefühl, dass ich alles gegeben habe, was ich in mir hatte".

Während Thomas Coville am Donnerstag in Brest als als Zweiter wie ein Sieger gefeiert wurde, hat der im Atlantik an dritter Stelle liegende Armel Le Cléac’h am Tag zuvor einen weiteren Rückschlag hinnehmen müsssen. Der 46-Jährige hatte sein Team und die Rennleitung am 28. Februar gegen 18 Uhr über einen Wassereinbruch im Mittelrumpf informiert. "Er hat einen Großteil der Nacht damit verbracht, die Löcher zu stopfen und das Wasser so weit wie möglich aus dem Boot zu bekommen", berichtete Pierre Hays von der Rennleitung. Am Donnerstag erreichte Armel Le Cléac’h nach erfolgreicher Reparatur wieder höhere Geschwindigkeiten. Er wird am Sonntag als Dritter in Brest erwartet.


Re-Live aus Brest – Thomas Covilles Ankunft:


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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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