Vor dem Start war Charles Caudrelier noch skeptisch, war sich auf die Frage, ob der Rekord fallen würde, im YACHT-Interview ziemlich sicher, dass die Bestzeit für die schnellste Einhand-Nonstop-Weltumsegelung von François Gabart aus dem Jahr 2017 nicht zu knacken sei:
Das halte ich für sehr unwahrscheinlich. Da wir einen festen Start-Termin haben, wird das Wetter nicht ideal sein, um möglichst schnell über den Äquator und zum Southern Ocean zu kommen. Bei unserem letzten Jules-Verne-Versuch haben wir den ganzen Winter auf ein gutes Wetterfenster für einen Rekord gewartet! Du brauchst erst einen nicht zu stürmischen Nordatlantik, dann eine Phase, in der das Band der Doldrums möglichst schmal ist, und zu guter Letzt noch ein Tiefdruckgebiet vor Brasilien, wenn du dort ankommst. Die Chancen dafür halte ich ehrlich gesagt für fast null”
Das sieht jetzt ganz anders aus: Gestern blieb die Uhr für seine Querung des Indischen Ozeans bei 8 Tagen, 8 Stunden und 20 Minuten am Kap Agulhas stehen. Das entspricht einem Schnitt von 30,7 Knoten. Damit ist er der schnellste Einhand-Skipper, der diese Strecke je geschafft hat. Und Caudrelier liegt mittlerweile auch deutlich vor der Bestzeit von François Gabart, der 2017 mit seiner “Macif” den Rekord für die schnellste Weltumsegelung einhand aufstellte. Von der Startlinie bis zum Kap brauchte er einen ganzen Tag, 8 Stunden und 25 Minuten weniger als Gabart.
Da das Reglement der Arkea Challenge die Boote nach den Regeln des WSSC starten ließ, würde er beim Überqueren der Ziellinie dann nicht nur das Rennen gewinnen, sondern auch einen neuen, anerkannten Rekord aufstellen. Das Team Gitana ist also voll im Plan, und Caudrelier macht seinem Ruf als der Renn-Favorit alle Ehre.
Derweil ist am Ende des Feldes in Kapstadt, wo sich mittlerweile die Teams fast auf die Füße treten, Anthony Marchand mit seiner “Actual Ultim” wieder ins Rennen gegangen. In seinem 24-Stunden-Stopp hat das Team das von einer Kollision zerstörte Backbord-Foil komplett entfernt und das Boot auf Schäden gecheckt, dann stach der Franzose wieder in See. Auf dem Weg in den Indischen Ozean passierte er Éric Pérons “Adagio”, die ihm entgegenkam und wegen einer gebrochenen Ruderstange ebenfalls stoppen muss.
Marchand hat es bei seinem Re-Start nun nicht leicht: Ein Hoch liegt mit Gegenwind direkt vor ihm. Er muss es umständlich umfahren und wird viel Zeit verlieren, sein Rückstand beträgt mehr als einen ganzen Ozean, rund 5.500 Seemeilen. Er ist nun natürlich auch noch deutlich langsamer, besonders in guten Foil-Bedingungen, da “Actual Ultim” dann nicht mehr stabil fliegen kann.
Unterdessen arbeitet sich Armel Le Cléac’h mit seiner “Banque Populaire XI” langsam, aber stetig an den Zweitplatzierten Thomas Coville heran. Der kann zwar nach erfolgreicher Reparatur wieder sein zweites Foil nutzen, aber der Verfolger hat die Distanz von anfangs rund 1.700 Meilen bereits auf knapp 700 reduziert. Le Cléac’h scheint finster entschlossen, den zweiten Platz noch zu holen, der Abstand zum Führenden ist mit 2.700 Meilen allerdings noch gewaltig. Zum Tracker geht es hier.
Man darf gespannt sein, ob das Rennen noch einmal etwas spannender wird, denn derzeit sieht es so aus, als könnte Charles Caudrelier im Pazifik in ein Hoch mit weniger Wind geraten. Vielleicht haben die beiden Verfolger ja Glück und können den Abstand wieder etwas reduzieren.

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