Arkea Ultim ChallengeBremsen vor Kap Hoorn – Hoffnung auf bessere Zeiten

Tatjana Pokorny

 · 03.02.2024

Charles Caudrelier blickt seiner Kap-Hoorn-Passage entgegen
Foto: Gitana Team
Auch superpotente Riesenfoiler sind nicht für alle Bedingungen gemacht. Auf Kurs Kap Hoorn ist Spitzenreiter Charles Caudrelier weiter stark gebremst unterwegs. So will der “Maxi Edmond de Rothschild”-Skipper den orkanartigen Winden ausweichen, die von Sonntag bis Montag vor der felsigen chilenischen Hoorninsel erwartet werden. Ein etwas besseres Zeitfenster könnte sich am Dienstag bieten

An diesem vierten Wochenende der Arkea Ultim Challenge ist Hoffnung das Thema des Tages. Alle fünf teilnehmenden Skipper hoffen auf günstigere Winde in der nahen Zukunft. Team Gitanas Frontmann Charles Caudrelier hofft, dass Kap Hoorn schon bald wieder passierbar sein wird. Armel Le Cléac’h und Thomas Coville hoffen rund 3.050 und 3.325 Seemeilen hinter Caudrelier in ihrem neu auflebenden Duell im Pazifik nach Covilles Pitstop gemeinsam auf bessere Bedingungen zwischen Australien und Neuseeland.

Die einen hoffen auf gnädigere Winde, die anderen auf mehr Druck

“Actual Ultim 3”-Skipper Anthony Marchand hofft als Vierter im Indischen Ozean bei rund 5.870 Seemeilen Rückstand auf Charles Caudrelier, dass er sein gutes Tempo von rund 28 Knoten entlang der Eisgrenze halten kann. Und Éric Péron hofft als Fünfter, dass er sich endlich von dem Hochdruckgebiet lösen kann, das sich mit gleicher Geschwindigkeit bewegt wie er selbst. Doch wie es am Morgen des 3. Februar schien, müssen sich alle fünf Skipper noch etwas in Geduld üben.

Erstmals seit dem Start der Arkea Ultim Challenge am 7. Januar segelte der Führende Charles Caudrelier am Samstagvormittag weiter mit gedrosselter Geschwindigkeit um zehn bis zwölf Knoten. Während seiner bewusst gewählten “Zeitlupen-Phase” war der 49-Jährige zuvor zeitweise sogar nur mit einem Durchschnitt von 5,2 Knoten unterwegs, um eine allzu bedrohliche Kap-Hoorn-Passage zu vermeiden.

Wir wussten, dass die Arkea Ultim Challenge ein großes Abenteuer wird. Und sie ist ein großes Abenteuer!” (Charles Caudrelier)

“Charles ist immer noch mit reduzierter Geschwindigkeit unterwegs”, sagte Rennleiter Guillaume Rottée am Morgen des 3. Februar. “Nach unseren Wettermodellen könnte er Kap Hoorn zwischen Dienstag und Mittwochmorgen unter günstigeren Bedingungen passieren. Das würde bedeuten, dass er zwischen heute Nachmittag und morgen in Richtung Osten aufbricht.”

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Während der Skipper, sein Team und die Rennleitung Berechnungen zur möglichst sicheren Kap-Hoorn-Passage anstellen, segelte Caudrelier am Samstagvormittag bei verbliebenen rund 1.700 Seemeilen mit etwa zwölf Knoten dem letzten der drei großen Kaps der Solo-Weltumsegelung Arkea Ultim Challenge entgegen. “Wir wussten, dass die Arkea Ultim Challenge ein großes Abenteuer wird. Und sie ist ein großes Abenteuer!”, kommentierte Charles Caudrelier die auch für ihn ungewöhnliche Situation lächelnd.

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Ich habe meiner Tochter versprochen, dass ich keine Risiken eingehen werde” (Charles Caudrelier)

Weiter sagte Caudrelier: “Es ist das erste Mal, dass ich so eine Entscheidung getroffen habe. Auf diese Weise halte ich mein Wort. Ich habe meiner Tochter, die sich aufgrund des Solo-Einsatzes Sorgen um mich gemacht hat, versprochen, dass ich keine Risiken eingehen werde. Also nehme ich dieses Mal auch kein Risiko beim Passieren von Kap Hoorn. Es ist ein bisschen frustrierend, weil Kap Hoorn ja voraus liegt und ich in zwei Tagen da sein könnte. Und ich freue mich darauf. Aber man muss die Dinge in der richtigen Perspektive sehen.”

Charles Caudrelier erklärte: “Wenn ich meine Situation mit der meiner Kollegen mit ihren Problemen im Rennen vergleiche und dann auf die Wettersituation schaue, dann habe ich ein Boot und einen Skipper in bestem Zustand. Also kann ich guter Dinge sein. Ich werde vielleicht Ungeduld verspüren, weil mein Vorsprung schmilzt. Aber Kap Hoorn mit einem Tag Vorsprung zu passieren, davon träumt jeder Weltumsegler. Und ich glaube, es wird sogar noch etwas mehr sein.”

Neu entfacht: das Duell zwischen Le Cléac’h und Coville

Hinter Caudrelier erfährt der Kampf um Platz zwei neue Spannung. Armel Le Cléac’h (”Banque Populaire XI”) hat sich bemüht, Neuseeland im Norden zu passieren, während starke Tiefdruckgebiete um das Land der langen weißen Wolke kreisen. “Von nun an wird er wieder nach Süden gehen, aber das ist nicht so einfach, wie man sich das vorstellt”, erklärt Guillaume Rottée. “Östlich von Neuseeland wird er in eine antizyklonale Situation kommen, die sich fortsetzen und ihn verlangsamen wird.”

Dadurch könnte das aktuelle Duell um Platz zwei zwischen Armel Le Cléac’h und “Sodebo Ultim 3”-Skipper Thomas Coville neu entfacht werden. Thomas Coville hatte Hobart auf Tasmanien via Derwent River nach einem Pitstop von 2 Tagen, 2 Stunden und 39 Minuten verlassen. Auch er hat noch mit fordernden Bedingungen zu kämpfen: 30 bis 35 Knoten Wind, Böen von über 40 Knoten und fünf bis sechs Meter hohe See.

Arkea Ultim Challenge: Vorteil Coville bei Kap Hoorn?

Doch wenn Thomas Coville seine Geschwindigkeit erwartungsgemäß steigern kann, könnten die rund 275 Seemeilen Rückstand auf “Banque Populaire XI” schnell schmelzen. “Die beiden Boote könnten sogar binnen nur weniger Stunden Kap Hoorn passieren”, erklärt Guillaume Rottée. Die aktuellen Routings zeigten am Samstagvormittag sogar, dass sich “Sodebo Ultim 3” bis dahin einen kleinen Vorsprung erarbeitet haben könnte.

Charles Caudrelier erklärte seine “Warteschleife” beim Ansteuern von Kap Hoorn:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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