Andreas Fritsch
· 15.01.2024
Peu à peu rückt das Team Banque Populaire auch allmählich mit den technischen Problemen heraus, denn die Liste ist doch länger als angenommen. Hieß es zunächst nur, dass der Gennaker beschädigt ist, kam gestern ein wohl zerstörter Bugkorb dazu, heute ist dann plötzlich auch davon die Rede, dass ein Foil nicht mehr richtig nach oben und unten bewegt werden kann, das System hydraulische Probleme hat.
“Wir haben zusammen mit Armel beschlossen, einen Stopp einzulegen, weil wir gegen Ende des Sturms den großen Gennaker und vor allem auch den Bugkorb beschädigt haben. Es ist undenkbar, den Southern Ocean ohne ihn in Angriff zu nehmen, er ist ein elementares Sicherheits-Feature für die Manöver auf dem Vorschiff. Während des Weges nach Recife bemerkte Armel dann auch noch ein Problem mit dem System, das das Foil rauf- und runterlässt, und es nicht nutzbar macht. Das macht den Stopp noch umso wichtiger, auch wenn das eine 24-Stunden-Zeitstrafe bedeutet. Wir sind alle etwas enttäuscht von diesem Missgeschick, vor allem, weil wir während des Transat Jacques Vabre keinerlei Probleme hatten.”
Le Cléac’h kann also frühestens morgen früh um 8 Uhr wieder auslaufen, da das Reglement mindestens 24 Stunden für einen Stopp vorschreibt. Da die Konkurrenz in geradezu idealen Bedingungen Etmale von fast 800 Meilen segelt, tut der Stopp gleich doppelt weh. Sein Rückstand dürfte bis morgen früh auf über 1.100 Seemeilen anwachsen, mit etwas Pech wird er noch hinter Anthony Marchands “Actual Ultim 3” auf Platz 5 zurückfallen. Der kommt nach seiner sehr langsamen Doldrums-Passage wieder in Fahrt, ist mittlerweile mit über 20 Knoten unterwegs. Einzig tröstlich ist für den Franzosen: Es sieht so aus, als ob die Windbedingungen auch nach seinem Re-Start wieder günstig sind. Er muss dann entweder mächtig aufs Gas drücken, wenig ideal für einen Ultim im Einhand-Modus, oder hoffen, dass die Boote vor ihm in leichtere Winde fahren. Doch wie sagt das Team zu Recht: “Das Rennen ist noch lang.”
Eine etwas unheimliche Begegnung hatte Thomas Coville heute Morgen vor der brasilianischen Küste, der sich die Ultims bis auf nur knapp 50 Meilen näherten. Er passierte mit fast 30 Knoten ein langsam entgegenkommendes Fischerboot:
“Ich habe es zum Glück auf dem Radar gehabt, das mich rechtzeitig gewarnt hat. Aber es war ohne aktives AIS unterwegs. Das ist hier vor der Küste Brasiliens oft der Fall. Das ist als Skipper etwas furchterregend. So dicht unter Land zu segeln ist nicht schön, das ist die unerfreuliche Seite am Einhand-Segeln auf einem Ultim. Du kannst ohne AIS Kursverlauf und Richtung nicht so gut erkennen, das Boot nicht direkt anrufen über Funk, also musst du auf der Hut bleiben.”
Er dürfte heilfroh sein, wenn er in etwa 24 Stunden ähnlich wie die beiden vor ihm segelnden Ultims in einem Bogen vom Land weg, gen Südost fahren kann. “SVR Lazartigue” und “Gitana Edmond de Rothschild” sind mittlerweile schon wieder rund 300 Seemeilen von der Küste entfernt. Schlusslicht Eric Péron ist mit seinem Non-Foiler- Tri “Adagio” noch nicht über den Äquator, hat noch etwa zwei bis drei Tage bis dort.

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