Eine alte Tradition der Nordseewoche hat einen neuen Preisträger. 1925 erstmals für die schnellste Yacht rund um Helgoland ausgelobt, gewann sie zuerst Heinz Harmssens “Ashanti 2”. Vier Male insgesamt wurde sie bis 2028 vergeben, kehrte dann erst nach 94 Jahren 2022 auf die Insel zurück. Dort wird das Original heute dauerhaft im Rathaus ausgestellt. Im Jubiläumsjahr von “100 Jahre Helgoland” stiftete die Insel den Preis 2022 neu. Inzwischen wird die “Heilige Flagge von Helgoland” auch für besonderes Engagement bei der Nordseewoche vergeben.
Erhalten haben sie in diesem Jahr Christoph Mählmann und die “Rarotonga”-Crew. Ihr Engagement ging schon zum Auftakt der Nordseewoche so weit über das Normalmaß hinaus, dass sie künftig auch die mit der “Heiligen Flagge von Helgoland” verbundenen Anrechte genießen dürfen: lebenslanges freies Liegen im Hafen von Helgoland und Inselbesuche frei von Kurtaxte. Als herausragende “Botschafter” der Nordseewoche und der Insel Helgoland empfahlen sich die “Rarotonga” und ihr Team mit einem ungewöhnlichen Dreifacheinsatz.
Die Swan 46 “Rarotonga” war am Freitag zunächst in Wettfahrt 1, den Garmin-Cup von Hamburg nach Cuxhafen gestartet. Mit einem dritten Platz kam das Team ins Ziel, fuhr aber noch vor der Siegerehrung wieder raus und startete in Wettfahrt 9: den Sundowner-Auftakt zur Internationalen Deutschen Meisterschaft der Seesegler (IDM Offshore). Wieder gelang der Crew mit ihrem schönen, aber schweren Schwan bei leichten Winden dank effektiver Stromexpertise im abgekürzten Rennen ein dritter Platz. Und weil es auch dann noch nicht genug war, sind sie wieder umgekehrt und noch in Wettfahrt 2 gestartet: den Noblex-Cup von Cuxhaven nach Helgoland.
Beim dritten Einsatz fehlten im Noblex-Cup nur gut zwei Minuten zum dritten Satz aufs Podium. Doch auch als Vierte hatte die “Rarotonga”-Crew eine bemerkenswerte Leistung vollbracht. Zu den Ergebnissen der 91. Nordseewoche für alle Wettfahrten geht es hier. Als die “Rarotonga”-Crew dann am Samstagnachmittag im Helgoländer Hafen eintraf, waren sich alle einig: Das war ein Engagement der preiswürdigen Art. Für die Dreifachleistung erhielt das Team die “Heilige Flagge von Helgoland”.
Den Noblex-Cup nach Helgoland gewannen in Gruppe ORC A Harald Brüning und seine Crew auf der Farr 30 “Topas” (Kieler Yacht-Club) vor Jörg Zierons Tripp 40 “Amuse-Bouche” (Norddeutscher Regatta Verein) und Ralf Lässigs XP-44 “Xenia” (Wassersportverein Wulsdorf). Christoph Mählmanns ORC-A-Vierte “Rarotonga” startet für den Blankeneser Segel-Club. In ORC B1 siegte Michael Haackes X-35 “Maxima” (Weser Yacht Club Bremerhaven) vor Jan Femmers’ Pogo 30 EVO “Arni” (Yacht Club Bremerhaven) und Mathias Mathies’ J-88 “Jam” (Vereinigung Freier Segler).
In ORC B2 setzte sich Till Wulbieters J-92-Crew auf “No Name” vom Altonaer Segel-Club gegen Hagen Reeses Faurby 396 “Susewind” und Tilman Giesens Swan 44 “Electa” (Kieler Yacht-Club) auf den Plätzen zwei und drei durch. In ORC C machte David Kortmanns Hanseat 68 “Coriolis” (Seglervereinigung Brunsbüttel) das Rennen vor Michael Matzkes Banner 30 R/C MK2 “Lotta” (Segel-Verein Altona-Oevelgönne) und Arne Ipsens Match 33 “Marlin” (Segelverein Finkenwerder Hamburg von 1965).
Nach der wohverdienten und fast schon hochsommerlichen Pause für alle Crews der 91. Nordseewoche und die Meistersegler der IDM Offshore am Samstagnachmittag und am fröhlichen Festabend im boot Race Village und in der Alexseal Lounge Abend sind am Pfingstsonntag die Startschüsse zum Capitell-Cup Rund Helgoland gefallen. Viel mehr als eine milde Frühsommerbrise Wind werden sie dafür nicht bekommen.
Nordseewoche-Wetterexperte Sebastian Wache sagte aber zur Hoffnung auf ein reguläres Rennen ohne Bahnverkürzung: “Die Wahrscheinlichkeit ist relativ groß, dass wir es auch ins Ziel schaffen. Dass die Bahn nicht verkürzt werden muss, weil der Wind durchhält. Aber gleichzeitig muss man sagen: Wir haben sehr viel Sonnenschein. Das heißt, wir liegen unter einem Hochdruckgebiet. Und da ist nicht viel Wind zu holen. Allerdings liegen wir nicht voll unter dem Zentrum, sondern ein bisschen am Rande. Und das Hoch bewegt sich auch erst heute Abend zu uns rein und lässt den Wind dann einschlafen.”
Für die IDM-Segler markiert die Runde um Helgoland das zweite von drei Rennen, bevor ihr entscheidender Höhepunkt am Montag mit dem Pantaenius Rund Skagen beginnt.Mehr als vier bis sechs Knoten ließen sich aber voraussichtlich nicht für den Capitell-Cup Rund Helgoland erwarten. Die Prognosen für das große Finale im Pataenius Rund Skagen Rennen ab Montag versprächen dann allerdings das Gegenteil.
Sebastian Wache sagte: “Das wird dann nochmal eine andere Nummer. Das, was wir die letzten Tagen zu wenig an Wind hatten, das wird dann nochmal in richtung Dienstag obendrauf gepackt. Das heißt: Wenn sie oben Skagen erreichen, reden wir schon von 40 bis zum Teil 45 Konoten in Böen, die dann anstehen. Denn das Hoch rutscht dann eher wieder in Richtung Großbritannien rauf und lässt dann die Türen auf für ein ziemlich heftiges Tief bei Finnland. Genau dazwischen stellt sich dann am Dienstag dieser starke Norwestwind ein.
Das wird eine große, große Herausforderung für alle, die dann da langsegeln müssen.” Sebastian Wache
Den nach jüngsten Prognosen zu erwartenden Verlauf für das Pantaenius Rund Skagen Rennen beschrieb Sebastian Wache so: “Der Start wird zunächst noch unter Hochdruckeinfluss stehen. Wir starten sogar mit Südwestwind, der dann langsam über West dreht. Das heißt also, die Bedingungen, raumschots oder halbwinds erstmal hochzukommen, sind ziemlich gut. Gerade auch für die schnellen Boote. Dann wird er im Laufe des Dienstags, wahrscheinlich so Dienstagmittag, mit so einer schwachen Kaltfront einmal auf Nordwest umdrehen und dann eben auch stark auffrischen.”
Was das für die Flotte im Pantaenius Rund Skagen Rennen bedeutet? Wache erklärt: “Das heißt, die schnellen Boote profitieren massiv davon, werden mit diesem Wind auch gut oben herumkommen und dann mit dem Nordwestwind auch sehr schnell in Richtung Kiel durchstoßen können. Die langsamen Boote werden sehr große Probleme bekommen.”
Auf der vielversprechenden Kehrseite der drastischen Prognosen steht die Aussicht darauf, dass der inzwischen 26 Jahre bestehende Rekord für das Pantaenius Rund Skagen Rennen angreifbar sein könnte. Diese Hoffnung haben die Crews auf den schnellsten Booten der IDM-Flotte. “Rafale”-Navigator Robin Zink sagte: “Darauf liegt unser Hauptfokus.” Den Langzeitrekord hatte zur Jahrtausendwende im Jahr 2000 Dr. Klaus Murmanns “Uca” mit Steuermann Walter Meier-Kothe aufgestellt. Zu Schlagen sind ihre 43 Stunden und 46 Minuten.

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