8. RORC Transatlantic Race"Waffe auf offener See": Fabelrekord für "Comanche"

Tatjana Pokorny

 · 17.01.2022

8. RORC Transatlantic Race: "Waffe auf offener See": Fabelrekord für "Comanche"Foto: RORC

Das Team um Mitch Booth hat die alte Bestmarke um mehr als zwei Tage unterboten, die 3.000 Seemeilen in 7 Tagen, 22 Stunden, 1 Minute und 4 Sekunden absolviert

Dieser Einrumpfrekord könnte sehr lange stehen: Der 100-Fuß-Maxi "Comanche" hat den transatlantischen 3000-Seemeilen-Sprung von Lanzarote nach Grenada in nur 7 Tagen, 22 Stunden, 1 Minute und 4 Sekunden absolviert und die alte Bestmarke um mehr als zwei Tage unterboten. Das schnelle schwarz-rote VPLP/Verdier-Design profitierte dabei nicht nur von günstigen Windbedingungen, sondern auch von einer klugen Navigation. Im Gegensatz zu vielen anderen Teams hatte sich die "Comanche"-Crew um Skipper Mitch Booth nicht von den vermeintlich besseren Winden im Norden locken lassen, sondern war der Ideallinie fast stoisch treu geblieben. Zu sehen ist das auch an den von "Comanche" insgesamt absolvierten Seemeilen: Mit 3.063 waren es gerade einmal 63 mehr, als die theoretische Kurslinie lang ist. Andere Boote haben bei ihrer Zielankunft Hunderte Seemeilen mehr im Kielwasser.

  Die Ruhe nach dem Atlantik-Sturm: "Comanche" nach dem Zieldurchgang vor GrenadaFoto: Arthur Daniel/RORC
Die Ruhe nach dem Atlantik-Sturm: "Comanche" nach dem Zieldurchgang vor Grenada
  Schon der Start der "Comanche"-Crew in das 8. RORC Transatlantic Race war imposantFoto: James Mitchell/RORC
Schon der Start der "Comanche"-Crew in das 8. RORC Transatlantic Race war imposant

"Comanches" Navigator WIll Oxley erklärte nach der umjubelten Ankunft in der Camper & Nicholsons Port Marina der Karibikinsel Grenada: "Es war ein untypisches Rennen. Es gab einige Tiefdruckgebiete. Anstelle des normalen Südroute, auf der du im Sonnenschein nach Westen halst, hatten wir größere Wellen und den Wind von vorne. Es waren recht schwierige Bedingungen. Da haben alle Teams, insbesondere auf den kleineren Booten, schon mit dem Ankommen einen ziemlich guten Job gemacht. Unsere Route war von einer östlichen Welle gekennzeichnet. Das klingt wie eine komplizierte Formel, aber da sind Wolkenformationen, die sich nahe der afrikanischen Küste entwickeln und sich nach Westen über den Atlantik bewegen. Da war eine Art 'Col', zwei Hochdrucksysteme, die sich in unterschiedliche Richtungen bewegen und eine windlose Zone verursachen. Unsere Strategie war es, dass wir uns zwischen diesen beiden Wetter-Differenzen durchlavieren. Wir haben dabei immer versucht, das Ziel anzusteuern. Wir nahmen an, dass der kürzeste Kurs sich zu unseren Gunsten auswirken würde. Unsere Anbord-Information zum Wetter wird alle drei Stunden an die Crew übermittelt. Was bedeutet, dass allen klar war, was wir versuchen. Wir haben uns auch die Nord-Option genauer angesehen. Sie sah zwar wie die schnellste aus, erschien uns aber mit Blick auf eine Exit-Strategie nach Süden als schwierig."

  Kluger Kopf: "Comanche"-Navigator WIll OxleyFoto: Arthur Daniel/RORC
Kluger Kopf: "Comanche"-Navigator WIll Oxley
  Der alten Bestmarke mehr als zwei Tage abgenommen: die schnelle "Comanche" mit der Crew um Skipper Mitch BoothFoto: James Mitchell/RORC
Der alten Bestmarke mehr als zwei Tage abgenommen: die schnelle "Comanche" mit der Crew um Skipper Mitch Booth

Dem "Comanche"-Profiteam gehörten bei dem gelungenen Coup neben Skipper Mitch Booth aus Australien diese Segler an: Guillermo Altadill Fischer, Diogo Cayolla, Pete Cumming, Dom Davies, Damien Durchon, Shannon Falcone, Pavlo Kalynchev, Alexei Kapustin, Pavel Karachov, Campbell Knox, Petr Lipa, Lago Lopez Marra, Paul Magee, Will Oxley, Corrado Rossignoli, Louis Sinclair, Justin Slattery, Eduard van Lierde, Rudi van Velzen, Konstantin Vasilev und Daryl Wislan. Mit dem neuen Rekord hat "Comanche" auch die IMA-Trophäe für das schnellste Einrumpf-Boot im Ziel des 8. RORC Transatlantic Race gewonnen. Mitch Booth bezeichnete "Comanche" als "Waffe auf offener See".

  Stolz und glücklich: die "Comanche"-Crew im karibischen ZielhafenFoto: Arthur Daniel/RORC
Stolz und glücklich: die "Comanche"-Crew im karibischen Zielhafen

Was diese Leistung in der IRC-Gesamtwertung nach berechneter Zeit am Ende wert sein wird, bleibt noch eine Weile abzuwarten. In der Handicap-Wertung führt "Comanche" zwar aktuell, aber es sind insgesamt 21 Boote, die um den großen Preis des Transatlantik-Klassikers kämpfen. Noch immer liegt beispielsweise die kleinste Einrumpfyacht, die JPK 10.10 "Jangada", in der laufenden Zwischenwertung hinter "Comanche" und der Oyster 48 "Scarlet Oyster" auf dem aussichtsreichen dritten Platz. "Jangadas" Zweihand-Crew hat noch rund 1300 Seemeilen bis ins Ziel zu absolvieren, könnte sich – wie andere auch – noch weiter nach vorn schieben oder "Comanche" gar vom IRC-Thron schubsen.

Für die "Comanche"-Crew ist indessen nach dem Rennen schon wieder vor dem Rennen: Das RORC Caribbean 600 startet am 21. Februar vor Antigua. In diesem Klassiker rund um elf karibische Inseln wird "Comanche" auf einen anderen "Goliath" treffen: die Club Swan 125 "Skorpios".

  "Comanche" erreicht das Ziel vor GrenadaFoto: Arthur Daniel/RORC
"Comanche" erreicht das Ziel vor Grenada

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