8. RORC Transatlantic Race 2022Soldinis Transatlantik-Coup mit "Maserati"

Tatjana Pokorny

 · 15.01.2022

8. RORC Transatlantic Race 2022: Soldinis Transatlantik-Coup mit "Maserati"Foto: James Mitchell/RORC

Wer zuletzt lacht: Nach einwöchigem Dreikampf um die "Line Honors" hatten die lange Spitzenreiterin "PowerPlay" und "Argo" im Finalkrimi das Nachhsehen

Reale 3476,5 Seemeilen in 6 Tagen, 18 Stunden, 51 Minuten und 41 Sekunden bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 21,4 Knoten – das ist die formidable Zeit, in der Italiens Segelstar Giovanni Soldini und seine Crew mit Vittorio Bissaro, Oliver Herrera-Perez, Thomas Jeffrin, Francesco Pedel und Matteo Soldini die "Line Honors" im 8. RORC Transatlantic Race geholt haben. Der Sieg kam für das erste Boot im Ziel nach knapp einer Woche auf See überraschend, denn im Dreikampf der schnellen Mehrrumpfer hatte überwiegend Peter Cunninghams "PowerPlay" mit Doppel-Olympiasieger Giles Scott in Führung gelegen. Zwei Tage vor dem Showdown hatte zunächst die dritte Rivalin "Argo" von Jason Carroll die Führung übernommen.

Doch abgerechnet wird bekanntlich im Ziel: Über Nacht gelang es Soldinis Männern im Last-Minute-Kraftakt, beide Konkurrentinnen zu überholen und die Ziellinie vor Grenada als Erste zu erreichen – 55 Minuten Vorsprung vor "Argo" reichten "Maserati" unter italienischer Flagge zum Triumph. Die Fans überschlugen sich daraufhin in den sozialen Netzwerken vor Begeisterung. Binnen der ersten frühen Morgenstunden gab es schon Tausende Glückwünsche und überbordende Kommentare. Etwa diesen: "Endlich! Was für großartige Jungs! Danke Giovanni, dass du diese Emotionen mit uns teilst."

  Giovanni Soldinis Crew auf dem Multi 70 "Maserati" gab auch mit angeknackstem Backbordruder nie auf und wurde am Ende des 3000-Seemeilen-Rennens mit den "Line Honors" belohntFoto: James Mitchell
Giovanni Soldinis Crew auf dem Multi 70 "Maserati" gab auch mit angeknackstem Backbordruder nie auf und wurde am Ende des 3000-Seemeilen-Rennens mit den "Line Honors" belohnt
Foto: James Mitchell/RORC

Als nächstes Boot wird der 100-Fuß-Maxi "Comanche" im Karibik-Ziel erwartet. Das schnelle VPLP/Verdier-Design segelt rund 400 Seemeilen vor Ende des Sprungs über den großen Teich weiter einem neuen Einrumpfrekord entgegen. Auch in der IRC-Gesamtwertung lag das rassige Hightech-Geschoss mit Skipper Mitch Booth am Samstagvormittag auf Platz zwei gut im Rennen. Aktuelle Favoritin in der Handicap-Gesamtwertung bleibt Spitzenreiterin "Phosphorus II" von Mark Emerson.

Die Entscheidung im Kampf um den IRC-Gesamtsieg wird aber noch auf sich warten lassen, denn hinter dem zum Wochenendbeginn drittplatzierten Volvo Ocean 70 "L4 Trifork" mit Skipper Jens Dolmer lag die JPK 10.10 "Jangada" als kleinstes Boote der Flotte berechnet auf Platz vier. Ihre Zweihand-Crew hat aber im Ringen mit den Top-Teams bei über 1600 Seemeilen bis ins Ziel noch mehr als die Hälfte des Kurses zu absolvieren, während die Schnellsten schon angekommen sind. Hier geht es zum Tracker und den Zwischenständen in allen Wertungskategorien (bitte anklicken!).

  Eine Drohnen-Aufnahme, die "Comanche"-Crewmitglied Shannon Falcone bei kanpp 25 Knoten Speed der Rennyacht gelangFoto: Shannon Falcone/RacingSF
Eine Drohnen-Aufnahme, die "Comanche"-Crewmitglied Shannon Falcone bei kanpp 25 Knoten Speed der Rennyacht gelang
Foto: Sven Wiegand/Aksel Magdahl/L4 Trifork

Von Blitz und Donner begleitet

Das britisch-deutsche Trio auf der 20 Jahre alten Imoca "Rosalba" dagegen hat seine zweite Transatlantik-Halbzeit bei 1489 Seemeilen bis zur Ziellinie am Samstagmorgen bereits eingeläutet. Skipper Richard Tokien, Neal Brewer und Frank Sturm aus Berlin schickten für die YACHT-online-Leser eine kleine Zwischenbilanz von See. Richard Tolkien berichtet darin von einigen "harten Tagen auf See" nach dem längst behobenen Auftaktproblem mit dem Großfallbolzen und ruppigen Segelbedingungen. "Wir haben bis zu 33 Knoten Wind erlebt, zwei große Fronten mit heftigen Regenfällen und radikalen Winddrehern von bis zu 90 Grad", schreibt das Team. "Wir haben das Großsegel gerefft und dann wieder Leichtwindzonen erlebt, die manchmal von Blitz und Donner begleitet wurden. In schlimmsten Zeiten waren wir in der graubärtigen See unter J3 oder Stagsegel mit zwei Reffs im Groß unterwegs, während die See übers Cockpit kam. Unsere Manöver fanden oft nachts unter wolkenverhangenem schwarzem Himmel statt."

Inzwischen wird das Trio auf Kurs Grenada wieder von klarem Sternenhimmel beglückt. Die Mannschaft berichtete auch von weiteren kleineren Rückschlägen: "Wir hatten einmal eine Fischleine um den Kiel, zweimal haben sich Netze im Hydrogenerator verfangen. Bei einem eineinhalb Meter langen Riss im Jib Top mussten wir das Segel runternehmen, es der Länge nach auf dem Deck auslegen und es mit Sicaflex und Klebeflicken reparieren. Bislang hält die Reparatur." Die weiteren Wetteraussichten versprechen ein angenehmeres Fortkommen: "Der Crew geht es gut. Wir sind bester Stimmung."

  Die "Rosalba"-Crew vor dem StartFoto: Team Rosalba
Die "Rosalba"-Crew vor dem Start

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