Tatjana Pokorny
· 17.06.2024
Drei Punkte lag “Vāyu” vor dem letzten Renntag hinter dem führenden US-Team Quantum Racing powered by American Magic zurück. Weil aber die Amerikaner mit den Rängen 9 und 10 patzten, gelang der thailändischen Familien-Crew in der umkämpften Einrumpf-Liga der TP52er noch der Sturm an die Spitze. “Vāyu” siegte vor Newport erstmals in der 52 Super Series, gewann das Kräftemessen mit insgesamt 33 Punkten vor Tony Langleys britischer “Gladiator” (35 Punkte) und dem US-Rennstall von Doug DeVos (36 Punkte).
Gleich fünf Whitcrafts machten den größten Erfolg ihrer Teamgeschichte zu einem echten Familienfest: Don Whitcraft steuerte. Sein Vater Kevin und dessen Bruder Tom Whitcraft führen die Mannschaft gemeinsam an. Außerdem an Bord: Malee und Dylan Whitcraft. Beflügelt werden die Whitcrafts vom bekannten Palma-Taktier Manu Weiler und Co-Navigator Will Best aus Wales.
Kevin Whitcraft sagte nach dem Sieg: "Das hat uns absolut umgehauen. Wir sind total erstaunt. Wir haben nicht erwartet, heute Erste zu werden. Allerdings haben wir uns gestern Abend zur Motivation den Film “Born to win" angeschaut, in dem John Bertrand den America's Cup 1983 gewinnt, nur um zu beweisen, dass es möglich ist. Es ist einfach fantastisch und zeigt, dass sich harte Arbeit und niemals aufzugeben, immer auszahlt. Nach dem letzten Event waren wir Letzte in der Saisonwertung, und dieses Mal sind wir Erste geworden. Es ist also möglich."
Während in den USA und vielen weiteren Ländern am Sonntag Vatertag gefeiert wurde, hatten die Whitcrafts am Finalsonntag viele Gründe zum Jubeln. Kevin Whticraft sagte: “Der Sieg am Vatertag ist Zufall, aber mein Sohn wurde am Vatertag geboren, und er hat das Boot heute gesteuert. Ich denke, es ist ein Glückstag für uns." Die Mannschaft wusste vor dem letzten Rennen, dass sie einen Podiumsplatz sicher hat. Kevin Whitcraft erklärte: “Das war fantastisch, hat uns ein wenig beruhigt. Wir haben einfach nie aufgegeben. Wir sind als Letzte um die letzte Marke gefahren, konnten zurückkommen und gerade noch genug Punkte für den Gesamtsieg holen."
Für die amerikanischen Lokalmatadoren vom Quantum Racing Team dagegen war der letzte Tag ein schwarzer. Wieder verpassten sie nach guten Leistungen in der Rennwoche den Gesamtsieg. Nach den schwächsten Ergebnissen dieses Events der 52 Super Series und einem Frühstart musste sich das US-Team auf dem Podium sogar noch hinter Tony Langleys “Gladiator” auf Platz drei einreihen.
“Gladiators” Steuermann Guille Parada sagte: "Am Ende war es sehr knapp. Wir haben alles getan, was wir konnten, um das Rennen zu gewinnen, ohne an das Podium zu denken. Als wir ins Ziel kamen und zurückblickten, wussten wir, dass es eng werden würde. Am Ende haben wir den Regattasieg nur um zwei Punkte verpasst. Das ist schon mal gut. Wir hatten einen sehr guten letzten Tag, wir hatten ein gutes Ergebnis in der Woche und wir sind in einer guten Position in der Gesamtwertung. Deshalb sind wir natürlich zufrieden und glücklich."
Trösten kann sich das Team Quantum Racing powered by American Magic mit der verteidigten Spitzenposition in der Saisonwertung der 52 Super Series. Die Amerikaner führen das Gesamtklassement mit 63 Punkten vor “Gladiator” (72 Punkte) und Takashi Okura's “Sled” (75 Punkte) an. “Vāyu” rückte mit insgesamt 84 Punkten hinter “Interlodge (USA, 81 Punkte) und “Alegre” (GBR, 81 Punkte) auf Platz sechs vor.
Harm Müller-Spreers Crew auf “Platoon Aviation” dagegen kämpft nach Rang sieben vor Newport auf dem gleichen Platz im Gesamtklassement im hinteren Mittelfeld um den Wiederanschluss an die angestammte Spitzengruppe. Als die Rolex TP52 Weltmeister mit “Platoon Aviator” gerade in Fahrt zu kommen schienen und sich am zweiten Renntag vor Newport mit Rang drei in die Top-Drei vorgeschoben hatten, kam es zur Kollision mit einem unbekannten Objekt. Das neue Botín-Design musste umgehend in den Hafen zurückgebracht werden, wo es aus dem Wasser gekrant wurde und ein stark beschädigtes Ruderblatt zum Vorschein kam.
Harm Müller-Spreers Taktiker Vasco Vascotto war untröstlich: "Wir sind in einer Sekunde von 13 Knoten auf Null gesackt. Zuvor war es ein guter Tag für uns. Wir waren Dritte und dachten, dass ein Podiumsplatz zum Ende der Woche möglich sei. Und plötzlich passiert das....” Mit Ersatzruder fehlte dem Team im Endspurt die Konstanz. Trotzdem gelang noch ein Tagessieg, bevor “Platoon Aviator” die Regatta einem neunten Rang, insgesamt 47 Punkten und Platz sieben im Schlussklassement beendete. Einen Platz davor schloss im US-Revier Hasso und Tina Plattners “Phoenix” die Serie mit 46 Punkten als Sechste ab.
Die Flotte bleibt nach der zweiten Regatta der Saison für die Gipfelveranstaltung des Jahres in Newport: Vom 15. bis zum 20. Juli steigt im berühmten US-Revier die Rolex TP52 Weltmeisterschaft 2024.

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