52 Super SeriesMüller-Spreer rockt “Platoon” jetzt mit Vascotto

Tatjana Pokorny

 · 29.09.2022

52 Super Series: Müller-Spreer rockt “Platoon” jetzt mit VascottoFoto: Nico Martinez/52 Super Series
Kam am dritten Regattatag vor Scarlino mächtig in Fahrt: Harm Müller-Spreers “Platoon” mit dem neuen Taktiker Vasco Vascotto (Mitte, mit erhobenem linken Arm)

Drei Tage hat Harm Müller-Spreers “Platoon”-Crew in der 52 Super Series gebraucht, um mit ihrem neuen Taktiker Vasco Vascotto in Fahrt zu kommen. Dann zeigten sie vor Scarlino zur Halbzeit beim Royal Cup Spitzenleistungen in mehr als 20 Knoten Wind. Reicht es noch fürs Podium?

Beim Royal Cup in Scarlino ging es zur Halbzeit am Freitag in knackigen Bedingungen zur Sache. Gefordert war im Feld der insgesamt neun TP-52-Racer auch die für den Norddeutschen Regatta Verein startende “Platoon” mit Eigner und Steuermann Harm Müller-Spreer. Nach durchwachsenen Saisonergebnissen in der 52 Super League und den mauen Auftakträngen 4, 7, 8 und 7 in Scarlino gelang der neu formierten Crew an Tag drei ein fulminanter Auftritt in Rock-and-Roll-Bedingungen. Mit Rang zwei und einem Tagessieg rückte das “Platoon”-Team aus den Tiefen des Klassements auf Platz fünf vor.

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Er kann auch ernst, aber typisch ist diese Momentaufnahme vom neuen “Platoon”-Taktiker Vasco Vascotto. Am Steuer ist Eigner Harm Müller-Spreer zu sehenFoto: Nico Martinez/52 Super Series
Er kann auch ernst, aber typisch ist diese Momentaufnahme vom neuen “Platoon”-Taktiker Vasco Vascotto. Am Steuer ist Eigner Harm Müller-Spreer zu sehen

Neuer “Platoon”-Taktiker: Vasco Vascotto statt John Kostecki

In der 52 Super Series sind in diesen Tagen viele Augen auf “Platoon” gerichtet, denn dort hat der 52-jährige Vasco Vascotto nach bislang durchwachsener Saison Harm Müller-Spreers langjährigen US-Taktiker John Kostecki ersetzt. Vascotto ist mit mehr als 25 WM-Titeln in verschiedenen Klassen wie Farr 40, RC 44, Soto 40, ILC 30 und auch in der aktuellen TP 52 (mit “Azzurra”) aufs Boot unter deutscher Flagge gestiegen. Der Mann aus Triest soll helfen, die zweimaligen TP-52-Weltmeister der “Platoon” wieder an die Spitze zu bringen.

Der “Platoon” ins Heck geschaut …Foto: Nico Martinez/52 Super Series
Der “Platoon” ins Heck geschaut …

Vascotto ist extrem erfahren, in Segelkreisen als intelligenter und humorvoller Player bekannt, der gute wie schlechte Leistungen deutlich zu kommentieren weiß. Als Leisetreter gilt der Könner, dem man an Land fast immer mit einem Lächeln auf den Lippen begegnet, ebenso wenig wie sein Vorgänger John Kostecki.

“Es ist wie im Fußball: Manchmal musst du den Coach oder den Stürmer auswechseln”

Vascottos Kommentar nach dem erfolgreichen dritten Regattatag mit seinem neuen Team: “Wir sind heute genauso wenig Helden, wie wir in den letzten Tagen keine Nullen waren. Es braucht seine Zeit, bis alle Puzzleteile an der richtigen Stelle sitzen: gute Starts, Speed, Manöver und Taktik. Das hat sich heute für mich viel besser angefühlt. Die Kommunikation wird besser, wir kennen uns besser – was ich von Harm bekommen kann und was er von mir braucht.”

Zu einem erfolgreichen Rennen gehört zuerst ein guter Start. Hier zeigt der Vorschiffsmann noch drei Bootslängen bis zur Startlinie anFoto: Nico Martinez/52 Super Series
Zu einem erfolgreichen Rennen gehört zuerst ein guter Start. Hier zeigt der Vorschiffsmann noch drei Bootslängen bis zur Startlinie an

Harm Müller-Spreer über Vasco Vascotto: “Er will gewinnen”

Harm Müller-Spreer sagte nach den ersten Erfahrungen mit dem neuen Mann an seiner Seite: “Jetzt segeln wir seit drei Tagen zusammen. Die Kommunikation wird ein bisschen besser. Man versteht auch in den schwierigen Momenten besser, was er meint.” Zum Taktiker-Wechsel sagte Müller-Spreer: “Es ist wie im Fußball. Manchmal musst du den Coach oder den Stürmer auswechseln. Vasco ist definitiv einer der Erfahrensten der Klasse. Ich habe eigentlich nie erwartet, jemals mit ihm zu segeln, weil wir in der Vergangenheit auf dem Wasser so viele Kämpfe gegeneinander ausgefochten haben. Nach ein paar Tagen auf einem Boot aber klappt es gut.”

So eng geht es bei den Starts in der 52 Super Series zuFoto: Nico Martinez/52 Super Series
So eng geht es bei den Starts in der 52 Super Series zu

Vascottos Antwort: “Lasst uns auf dem Wasser beweisen, dass wir gute Ergebnisse verdienen.” Müller-Spreers Reaktion: “Er will gewinnen. Und wir müssen beweisen, dass er auch in unserem Team ein Gewinner ist.” Vor den entscheidenden letzten Rennen am Toskana-Wochenende führt Takashi Okuras amerikanische “Sled” das Klassement mit nur 17 Punkten an.

“Sie sehen Dinge, die andere Boote nicht sehen”

Zu den Erfolgsgaranten auf “Sled” zählen Italiens America’s-Cup-Darling und Matchrace-Ass Francesco “Checco” Bruni, der sechsmalige neuseeländische America’s-Cup-Gewinner Murray “Captain” Jones und Navigator Andrea Visintini. Der sagte: “Checco und Murray sorgen für die Magie an Bord. Sie sehen Dinge, die andere Boote nicht sehen. Und das Boot ist schnell! Mister Okura macht einen guten Job am Steuer, vor allem vor dem Wind.” Es folgen im Zwischenklassement das US-Team Quantum Racing (21 Punkte) und Hasso und Tina Plattners “Phoenix” (23 Punkte). Mit 29 Zählern auf dem Scarlino-Konto hat das “Platoon”-Team in den verbliebenen vier Rennen noch Chancen, aufs Podium zu segeln.

Hasso und Tina Plattners “Phoenix” vor Scarlino. Die schnelle Yacht mit der Bugnummer 11 lag nach sechs Rennen auf Platz dreiFoto: Nico Martinez/52 Super Series
Hasso und Tina Plattners “Phoenix” vor Scarlino. Die schnelle Yacht mit der Bugnummer 11 lag nach sechs Rennen auf Platz drei

Hier geht es zu den Zwischenständen beim Royal Cup vor Scarlino und hier zur Saisonwertung nach vier von sechs Regatten. Das Finale der hochkarätigen Einrumpf-Profiserie steigt Ende Oktober in der künftigen America’s-Cup-Metropole Barcelona.

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