Als 1925 sieben Boote ins erste Fastnet Race starteten, konnte noch niemand ahnen, dass sich dieses Rennen zu einer der bekanntesten Offshore-Prüfungen der Segelwelt entwickeln würde. 98 Jahre später feiern nun der ausrichtende britische Royal Ocean Racing Club (RORC), seine vielen Partner und Tausende Seglerinnen und Segler die 50. Auflage der faszinierenden Langstrecke.
Man muss sich nur die Namen der Boote ansehen, die auf dem Fastnet Challenge Cup eingraviert sind, um das Erbe des Rennens zu verstehen” (Paul Cayard)
Amateure, erfahrene Seesegler und namhafte Profis nehmen die Herausforderung auf Booten unterschiedlichen Alters, ganz unterschiedlicher Designs und Größen an. Auch 27 deutsche Boote sind bei der Jubiläums-Edition mit von der Partie. Das Rolex Fastnet Race genießt weltweit Legendenruf und hat schon viele Größen des Sport nach Südengland dorthin gelockt, wo 1851 auch der America’s Cup seine Geburtsstunde erlebte: ins verträumt-maritime Städtchen Cowes auf der südenglischen Isle of Wight.
Paul Cayard, America’s-Cup- und Ocean-Race-Größe aus den USA, bringt es auf den Punkt: “Jeder, der schon einmal am Rolex Fastnet Race teilgenommen hat, bekommt ein unmittelbares Gefühl für seine einzigartige Geschichte und die Auswirkungen, die seine Entwicklung auf die Entwicklung des Hochseesegelns hatte. Man muss sich nur die Namen der Boote ansehen, die auf dem Fastnet Challenge Cup eingraviert sind, um das Erbe des Rennens zu verstehen und zu begreifen, warum es so hoch geschätzt wird.”
Vieles ist über fast ein Jahrhundert gleich geblieben, doch eines hat sich stark geändert: Erst zum zweiten Mal in Folge führt der Kurs nicht von Cowes via Fastnet-Felsen nach Plymouth wie einst, sondern endet im französischen Cherbourg. Auf ihrem Weg aus dem Solent nach Westen passiert die Flotte bekannte Landmarken im Ärmelkanal, darunter die Needles am westlichen Ende des Solent, Portland Bill, Start Point, The Lizard und Land’s End, bevor sie sich auf die Freiwasserpassage durch die Keltische See bis zum symbolischen Wendepunkt am Fastnet Rock vor der Südküste Irlands begibt.
Der berühmte Leuchtturm auf dem standhaften schroffen Felsen in der Irischen See markiert die symbolträchtige Halbzeitmarke der Strecke, bevor die Flotte den Rückweg über die Scillys zum Zielhafen Cherbourg antritt. Nach der erfolgreichen Einführung des neuen Kurses im Jahr 2021 bleibt das seesegelbegeisterte Frankreich zur Freude der vielen teilnehmenden französischen Teams auch im 50. Rolex Fastnet Race Partner der britischen Organisatoren.
Der Ansturm der Teilnehmer war in diesem Jahr so groß wie nie zuvor. Eine gigantische Rekordflotte von mehr als 450 Booten hat sich zum Start am 22. Juli um 13 Uhr Ortszeit (15 Uhr deutscher Zeit) angekündigt. Das größte Kontingent stellen die Gastgeber mit 158 Booten knapp vor Frankreich mit 140 Booten.
Als drittstärkste Nation ist Deutschland mit 27 Booten knapp vor Holland mit 25 Booten dabei. Im deutschen Feld finden sich kleine Boote wie die Elan 360 “Toke” mit Norma Puls, die Swan 38 “Truwen” mit Jens-Werner Hinrichs oder Dirk Clasens Humphreys 39 “Ginkgo”, mittlere wie die Rainbow 42 “Uijuijui” mit Skipper Maurice Oster und rassige Racer wie die Botin 56 “Black Pearl” von Stefan Jentzsch.
Zu den bekannten deutschen Teilnehmern zählen auch die Zweihand-Weltmeister Jonas Hallberg und Till Barth auf der JPK 10.30 “Hinden”, die Crew um Skipper Felix Streckenbach auf der TP52 “Imagine”, Daniel Baums Mannschaft auf dem schönen Holz-Einzelbau “Elida”, Rasmus Töpsch und Bertil Balser auf der JPK 10.10 “Sharifa”, der Judel-Vrolijk-52-Renner “Haspa Hamburg” vom Hamburgischen Verein Seefahrt oder die “Germania VI” der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach Stiftung.
Spannend wird es in der Class 40 zugehen, denn da greifen die deutschen Jungprofis Lennart Burke (24) und Melwin Fink (21) nach dem Etappenerfolg ihres Teams im Les-Sables–Horta–Les Sables wieder an. Lennart Burkes Rückenverletzung ist auf dem Weg der Besserung. Das Duo überführt seine Pogo 40 S4 in dieser Woche von Cherbourg nach Cowes, will einen Tag vor dem Fastnet-Startschuss in Cowes ankommen. Ein ehrgeiziges Ziel haben sich die Co-Skipper auf “SignForCom” auch gesteckt. “Wir würden schon gerne in die Top-Fünf der Class 40 segeln”, sagte Lennart Burke.
Ungewöhnlich ist, dass in der Class 40 beim 50. Fastnet-Rennen wie üblich Zweier-, aber auch Dreier- und Vierer-Crews zugelassen sind. “Wir wissen das erst seit gut einer Woche, bleiben aber in der Zweier-Konstellation, weil wir auch fürs Transat Jacques Vabre im Herbst trainieren wollen”, sagt Burke für sein Next Generation Sailing Team.
Nach zuletzt gezeigter Form von Boot und Team dürften Lennart Burke (Norddeutscher Regatta Verein) und Melwin Fink (Schaumburg-Lippischer Seglerverein) auch zu zweit ein gutes Rennen abliefern. Ebenfalls in der Class 40 im Einsatz sind Sebastian Ropohl und sein Team auf der Akilaria RC2 “Cantaloop 40”. Die Allrounder und erfahrenen Seesegler vom Norddeutschen Regatta Verein sind zu dritt im Einsatz. Ropohls Co-Skipper David Rowen freut sich auf sein sechstes Fastnet.

Freie Reporterin Sport