“Es wird ein tricky Auftakt mit bis zu 40 Knoten Wind und Strom von vorne”, vermeldete Melwin Fink am Samstagmittag kurz vor dem Start. Gemeinsam mit Lennart Burke hatte Fink die Class 40 “SignForCom” am Vortag von Cherbourg nach Cowes gebracht. Nach einer Nacht auf der Isle of Wight waren die beiden Jungprofis am Samstag bereit für ihr erstes gemeinsames Fastnet Race auf der Pogo 40 S4.
Bei den Needles wird es auf jeden Fall richtig böse” (Melwin Fink)
“Wir sind sehr gut vorbereitet. Das Boot auch. Wir sind gut rübergekommen und freuen uns jetzt ausgeschlafen auf den Start”, sagte Melwin Fink am Sonntagvormittag vor Beginn des 50. Rolex Fastnet Race mit einer gigantischen Rekordflotte von mehr als 450 gemeldeten Booten. “Bei den Needles wird es auf jeden Fall richtig böse”, kommentierte Melwin Fink den bevorstehenden Auftakt-Abschnitt respektvoll.
Lennart Burke sagte: “Wir haben schon von anderen Seglern gehört, die anders herum um die Isle of Wight fahren. Wir schauen, was passiert. Unser Plan ist auf jeden Fall: direkt an den Needles vorbei und ‘Safety first’. Alles sichern, gut durch die Front kommen und dann Vollgas geben.” Die Crew erwartet, dass die Front ein, zwei Stunden nach Mitternacht deutscher Zeit durch ist. “Dann können wir Vollgas geben, dann wird auch nichts mehr groß kommen. Und abgerechnet wird dann im Ziel.”
Zu den ersten Startgruppen zählten die Imocas, die in knackigen Winden in britischem “Waschküchenwetter” vor grauer Kulisse zumeist mit zwei Reffs über die Linie gingen. Mit “Medallia” und “Charal” waren gleich zwei bekannte Boote zu früh dran und kassierten automatisch Zwei-Stunden-Strafen, die der gesegelten Zeit am Ende hinzugefügt werden. “Ob es das wert war?”, fragte sich nicht nur Co-Moderatorin Annie Lush. Im “Skimming”-Modus ging es danach für die Imocas auf Foils auf den knapp 700 Seemeilen langen Kurs von Cowes via Fastnet-Felsen in der Irischen See in den französischen Zielhafen Cherbourg.
Nach den Imocos waren die Class-40-Crews stark gefordert. Sie eröffneten die Langstrecke mit einem Massenfrühstart. Nach ersten Informationen zählten aber Lennart Burke und Melwin Fink auf “SignForCom” nicht zu den Frühstartern. Es folgten die IRC-Gruppen, angefangen mit den größten Booten des IRC-Zero-Feldes.
Mit rund 450 Teilnehmern, die von den schnellsten Hochseeyachten der Welt bis hin zu 30-Fuß-Yachten und Klassikern reichen, hat das Rennen in seinen 50 Ausgaben einen langen Weg zurückgelegt und spiegelt auch monumentale Veränderungen in Gesellschaft und Technologie wider.
Das erste Fastnet Race, das bei seiner Premiere 1925 noch unter dem Namen “Ocean Race” bekannt war, begründete den Offshore-Sport auf der europäischen Seite des Atlantiks. Damals war der Segelsport in England von großer Bedeutung, was vor allem auf die Teilnahme der königlichen Familie zurückzuführen war. Im 19. Jahrhundert waren Königin Victoria und Prinz Albert begeisterte Anhänger des Segelsports, und Ihre Majestät verbrachte einen Großteil des letzten Teils ihrer Regierungszeit in der Nähe von Cowes auf dem Landsitz Osbourne House.
Die erste Ausgabe des späteren America’s Cup hatte bereits 1851 vor der Isle of Wight stattgefunden. In der Zwischenzeit wurden alljährlich auf den Britischen Inseln königliche Regatten abgehalten, bei denen eine Entourage von Adeligen und Wohlhabenden der königlichen Gesellschaft folgte.
Der Blick auf die Startlisten verrät 98 Jahre später, wie sich der Sport gewandelt hat. In die Jubiläumsauflage starteten renommierte Profirennställe und ehrgeizige Amateur-Crews, Familienmannschaften und ambitionierte Zweihand-Crews. Der bekannte australische Navigator Andrew Cape sagte: “Die Chancen stehen bei 75 Prozent, dass der bestehende Fastnet-Rekord gebrochen wird.”

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