Der Kampf ums Podium ging in der Class-40-Gruppe in der Nacht und mit Hochspannung zu Ende. Die ersten neun Boote kamen binnen einer guten halben Stunde ins Ziel! Platz sechs in Cherbourg bedeutet für die Class-40-Segler Lennart Burke und Melwin Fink voraussichtlich Platz vier im Class-40-Gesamtklassement, weil die vor ihnen auf den Plätzen zwei und fünf über die Linie gegangenen “Alla Grande Pirelli” und “Ibsa” noch ihre Frühstartstrafen von jeweils zwei Stunden zur gesegelten Zeit zu addieren haben.
Vom Fastnet bis ins Ziel waren alle auf Augenhöhe miteinander” (Lennart Burke)
Mit ihrer Leistung haben sich Lennart Burke, 24, und Melwin Fink, 21, auf ihrer Pogo 40 S4 “SignForCom” erneut in der Spitze der Class 40 behaupten können. Bei ihrer dritten gemeinsamen Regatta hatten die Jungprofis phasenweise sogar in den Top Drei agiert. “Nach dem Fastnet-Felsen sind wir dann zunächst alleine, ohne irgendjemanden am Horizont zu sehen, umhergetrieben. Da dachten wir schon: ‘Jetzt ist es vorbei. Jetzt stehen wir hier und alle segeln weg’”, sagte Lennart Burke.
Doch dann kam das Duo wieder ins Spiel, wie Burke berichtet: “Glücklicherweise kam gleich nach der Rundung Wind mit einem dicken Dreher. So konnten wir aufschließen. Und dann ging es nur noch Vollgas, Vollgas, Vollgas bis ins Ziel. Es war supereng. Vom Fastnet bis ins Ziel waren vorn wieder alle auf Augenhöhe miteinander.” Melwin Finks Erkenntnis: “Als wir ins Ziel gefahren sind, hatten wir auf eine Meile vor uns zwei Boote und hinter uns so einige in Sichtweite. Aber da konnten wir uns durchsetzen. Die Class 40 ist eine Matchrace-Klasse.”
Gewonnen haben das 50. Rolex Fastnet Race in der Class 40 Erwan Le Draoulec und Julien Hereu auf dem Verdier-Design “Everial”. Die Plätze zwei und drei eroberten William Mathelin-Moreaux und Pietro Luiciani auf der VPLP-Konstruktion “Dékuple” und die italienische Guelfi-Class-40 “Influence” mit Andrea Fornaro und Corentin Douguet. Die auf dem Wasser zweit- und fünftplatzierten “Alla Grande Pirelli” und “Ibsa” werden sich nach Addition der zweistündigen Zeitstrafen nach ihren Frühstarts voraussichtlich auf den Plätzen neun und elf einordnen müssen.
In der IRC-Gesamtwertung deutet während des weiterlaufenden Rennens inzwischen alles auf einen Sieg von Max Klinks Schweizer “Caro” hin. Die Botin 52 hatte den knapp 700 Seemeilen langen Kurs des 50. Rolex Fastnet Race in 2 Tagen, 16 Stunden, 40 Minuten und 2 Sekunden absolviert. Daraus resultierte eine berechnete IRC-Zeit von 3 Tagen, 19 Stunden, 22 Minuten und 29 Sekunden – voraussichtlich gut genug, die am Mittwoch noch in der Wertung agierenden weiteren 203 Boote im Kampf um den Fastnet Challenge Cup zu schlagen.
Es wäre unbeschreiblich, etwas zu gewinnen, das wir niemals erwartet haben” (Maximilian Klink)
Der Sieg in der Division IRC Zero ist dem “Caro”-Team schon jetzt nicht mehr zu nehmen. Trotzdem äußerte sich Max Klink zunächst vorsichtig: “Das Rolex Fastnet Race zu gewinnen ist der Traum jedes Seglers. Es wäre unbeschreiblich, etwas zu gewinnen, das wir niemals erwartet haben.” Als Taktiker hatte der britische Profi Adrian “Ado” Stead bei seinem achten Fastnet-Rennen auf “Caro” agiert.
Ado Stead sagte: “Wir haben hart gearbeitet und nichts auf Kurs liegen lassen. Nach dem schwierigen Start ins Rennen sind wir wieder richtig gut in Fahrt gekommen. Die Brise kam kurz vor dem Ende auf. So konnten wir mit Tempo in Cherbourg einlaufen. Wir haben gestern Nachmittag gesehen, wie die VO65 und ‘Lucky’ auf dem Weg dorthin langsamer wurden, also haben wir ein paar Schokoriegel geholt und auf den letzten Meilen besonders hart gearbeitet.”
Mit 160 ausgeschiedenen Teams hatte allein die IRC-Flotte bei der Jubiläumsauflage bis zum vierten Tag nach dem Start einen Aderlass von rund 44 Prozent zu beklagen. Die enorm hohe Ausfallquote ist vor allem dem stürmischen Auftakt geschuldet. Ein Boot sank. Vier Mastbrüche, Verletzungen und weiterer Bruch an Bord vieler Yachten hielten die Crews, die Organisatoren und die Retter in Atem. In der IRC-Gesamtwertung kamen 15 deutsche Yachten durch oder segelten am Mittwoch noch.
Als bestes deutsche Boot lag Dirk Klasens Humphreys 39 “Ginkgo” vom Kieler Yacht-Club am Mittwochmorgen auf Platz 16 der IRC-Gesamtwertung und führte in IRC 1A. Sie wurde am Abend im Zielhafen von Cherbourg erwartet. Auf Platz 38 lag am Morgen des 26. Juli die JPK 10.30 “Vela Roja” mit Christian Teichmann, die das Ziel voraussichtlich am Donnerstag erreichen wird.

Freie Reporterin Sport