48. Rolex Fastnet RaceNur knapp am Podium vorbei: "Outsider" ist Vierte

Tatjana Pokorny

 · 06.08.2019

48. Rolex Fastnet Race: Nur knapp am Podium vorbei: "Outsider" ist VierteFoto: Team Outsider

Nach langem Warten auf die kleinen Boote jetzt offiziell: Tilmar Hansens neue "Outsider" war beim 48. Rolex Fastnet Race das beste Boot unter deutscher Flagge

Lange ist kein deutsches Boot dem Fastnet-Podium in der Gesamtwertung mehr so nah gekommen wie Tilmar Hansens über den Winter stark umgebaute "Outsider" bei dieser 48. Edition. Dabei ist das Judel/Vrolijk-Design im neuen Look erst seit drei Wochen im Wasser, die Crew hatte vor dem Startschuss zum britischen Langstrecken-Klassiker nur zwei gemeinsame Trainingstage, um sich auf die Prüfung in der Irischen See vorzubereiten. Es folgte mit dem seit heute offiziell bestätigten vierten Platz in der IRC-Gesamtwertung eine überaus gelungene Blitzstart-Premiere. Zwar sind immer noch ein paar kleine Boote unterwegs, doch keines von ihnen kann die Top-Boote mehr gefährden. Der IRC-Sieg nach berechneter Zeit und damit auch der begehrte Fastnet Challenge Cup gehen final an David und Peter Askews amerikanische "Wizard" mit Volvo-Ocean-Race-Skipper Charlie Enright, dessen Crew damit den zwölften US-Triumph in der 94-jährigen Geschichte des britischen 605-Seemeilen-Langstreckenklassikers sicherte. Rekordsieger bleiben die gastgebenden Briten mit historischen 19 Siegen, Dritte die Franzosen mit sieben Siegen. Der deutsche Segelsport muss trotz der starken "Outsider"-Leistung weiter auf den ersten Sieg in der Handicap-Gesamtwertung warten. (*)

Die amerikanische "Wizard" hat das Rennen um Fastnet Rock in der IRC-Gesamtwertung gewonnen

  Erst drei Wochen alt und schon eine erfolgreiche Fastnet-Teilnahme im Heckwasser: die TP52 "Outsider"Foto: Team Outsider
Erst drei Wochen alt und schon eine erfolgreiche Fastnet-Teilnahme im Heckwasser: die TP52 "Outsider"

Über das Duell der Trimaran-Giganten, prominente Klassensieger und neue Rekorde hat YACHT online in den vergangenen Tagen bereits berichtet. Aber es gab viele weitere bemerkenswerte Boote und Teams in der Fastnet-Rekordflotte 2019 mit insgesamt 388 Booten, die vielleicht nicht auf den ersten Blick ins Auge stachen, auf den zweiten aber Herausragendes geleistet haben. So beispielsweise Designer und Bootsbauer Jean-Pierre Kelbert mit Alexis Loison, Fastnet-Gesamtsieger 2013 mit der JPK 10.10 "Night and Day" und erfahrener Figaro-Segler, auf Kelberts neuer JPK 10.30. Unter 64 IRC-Zweihand-Crews waren Kelbert und Loison in diesem Jahr nicht einfach nur die schnellsten. Das Duo auf "Léon" ließ sogar seine hartnäckigsten Verfolger, die jungen Ocean-Race-Segler Henry Bomby und Hannah Diamond auf der britischen Jeanneau Sun Fast 3300 "Fastrak XII", nach 3 Tagen, 3 Stunden, 21 Minuten und 2 Sekunden auf See mit einem Vorsprung von mehr als vier Stunden nach gesegelter Zeit und knapp fünf Stunden nach berechneter Zeit fast langsam wirken. Damit gewannen Kelbert/Loison die IRC-Zweihandwertung, die IRC-3-Wertung und konnten sogar im IRC-Gesamtklassement bis auf Platz sechs vorstoßen. In IRC 3 war das bereits der vierte Divisionssieg in Folge für JPK-Yachten.

Jean-Pierre Kelbert und Alexis Loison gewannen auf ihrer von Kelbert gebauten JPK 10.30 "Léon" die Fastnet-Zweihand-Wertung souverän. Hier spricht Kelbert kurz nach dem Zieldurchgang über die Faszination Fastnet und die gemeinsame erfolgreich bestrittene Regatta

  Die "Léon"-Co-Skipper Jean-Pierre Kelbert und Alexis Loison sind die Zweihand-Könige der 48. Fastnet-AuflageFoto: Paul Wyeth/www.pwpictures.com
Die "Léon"-Co-Skipper Jean-Pierre Kelbert und Alexis Loison sind die Zweihand-Könige der 48. Fastnet-Auflage
  Die JPK10.30 "Léon" am Fastnet-FelsenFoto: Rolex / Kurt Arigo
Die JPK10.30 "Léon" am Fastnet-Felsen

Die weiteren deutschen Boote im Feld schlugen sich – je nach Division – mit unterschiedlichen Erfolgen. Für viele Crews markierte die Fastnet-Herausforderung einen Höhepunkt in ihrer Segelkarriere, die Rundung des Fastnet-Felsens in der Irischen See einen magischen Moment. Im Kampf um die schnellsten gesegelten Zeiten für Monohulls konnten sich Boris Herrmann und Will Harris auf ihrer unter deutscher Flagge gestarteten Imoca "Malizia 2 – Yacht Club de Monaco" nach 2 Tagen, 3 Stunden, 12 Minuten und 24 Sekunden auf Platz 13 (8. im Imoca-Feld) am besten platzieren. Auf Platz 16 in der reinen Zeitwertung segelten Skipper Robert Stanjek und seine internationale Crew auf der Imoca "Einstein", die rund eine Viertelstunde länger brauchte.

  Die "Einstein" vom Offshore Team Germany beim Fastnet-StartFoto: OTG/Felix Diemer
Die "Einstein" vom Offshore Team Germany beim Fastnet-Start
  Skipper Robert Stanjek an Bord der "Einstein"Foto: Offshore Team Germany
Skipper Robert Stanjek an Bord der "Einstein"
  Das Offshore Team Germany um Skipper Robert Stanjek (3.v.r.) im Zielhafen von PlymouthFoto: Offshore Team Germany
Das Offshore Team Germany um Skipper Robert Stanjek (3.v.r.) im Zielhafen von Plymouth

Für das Offshore Team Germany brachte die Regatta-Premiere mit der "Einstein" eine ganze Reihe wertvoller Erkenntnisse. "Wir sind super zufrieden und haben unheimlich viel gelernt", vermeldete die Mannschaft nach dem Zieldurchgang vor Plymouth. Das Team hatte sich vor dem Fastnet-Rennen bewusst für einen Start mit fünfköpfiger Crew und Teammanager Jens Kuphal als Anbordreporter in der IRC-Handicap-Wertung und gegen den Start in der Imoca-Klassenwertung mit Zweihand-Crews entschieden, um auf ihrem Ocean-Race-Kurs möglichst viele Erkenntnisse zu gewinnen. Für einen Kampf auf Augenhöhe mit den führenden Imoca-Yachten fehlte zudem die passende Segelgarderobe. "Wir arbeiten Schritt für Schritt daran, uns in die Imoca-Flotte einzureihen", hatte Kuphal vor dem Rennen erklärt. Inklusive Fastnet-Rennen hat das Team nun bereits mehr als 3000 Seemeilen mit der "Einstein" absolviert. In der IRC-Gesamtwertung segelte die "Einstein" als zweitbestes deutsches Boot nach "Outsider" auf Platz 40. Platz 62 in der Flotte aller 333 IRC-Boote ersegelte die "Broader View Hamburg" vom Hamburgischen Verein Seefahrt mit Skipper Erik Nicolaysen, Platz 77 die Swan 56 R "Latona" mit Skipper Benjamin Hub, Platz 91 die von Daniel Baum geskipperte Hamburger Swan 48 "Elan" (so die Zwischenstände am Mittwochnachmittag).

  Die "Broader View Hamburg" vom Hamburgischen Verein Seefahrt im Fastnet-RennenFoto: Rolex/Kurt Arigo
Die "Broader View Hamburg" vom Hamburgischen Verein Seefahrt im Fastnet-Rennen

Hier geht es zum aktuell noch aktiven Tracker und den Gesamtständen. Wenn man auf "Leaderboard" klickt, kommt man zu den Ergebnislisten in den gewünschten Wertungsgruppen.

(*) Korrektur: Der deutsche Segelsport muss entgegen unserer Berichterstattung nicht weiter auf den ersten Sieg in der Handicap-Gesamtwertung warten, denn den gab es bereits. Nur wurde und wird dieser Sieg in vielen Listen nicht korrekt vermerkt. 1997 hat Hasso Plattners "Morning Glory" das Fastnet Rennen in der IMS-Gesamtwertung und damit den Fastnet Challenge Cup gewonnen. In einigen öffentlich zugänglichen Listen aber wird die schwedische "Royal Blue" mit Skipper Gunnar Ekdahl als Handicap-Siegerin geführt, die als neue Wasserballasttank-Yacht aber damals nur außer Konkurrenz dabei war. Hier ist der "Morning Glory"-Erfolg auch in der Historie des veranstaltenden R>oyal Ocean Racing Clubs nachzulesen.

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