Die 17. Ausgabe der 151 Miglia Trofeo Cetilar vor der toskanischen Küste entwickelt sich zu einer Geduldsprobe für alle 191 Starter. Aufgrund einer extrem schwachen Wetterlage über dem Tyrrhenischen Meer verkürzten die Organisatoren – Yacht Club Repubblica Marinara di Pisa, Yacht Club Punta Ala und Yacht Club Livorno – die Strecke bereits vor dem Start um 25 Meilen. Zehn Yachten gingen in der IRC-Wertung über 60 Fuß an den Start in Livorno. Es war die vierte Station der Mediterranean Maxi Offshore Challenge. Anders als in den Vorjahren führte die Route nicht mehr um den Giraglia-Felsen, sondern um die kleine Insel Pianosa südwestlich von Elba. Von dort ging es über Cerboli nordöstlich von Elba ins Ziel vor Punta Ala. In diesem Jahr entfiel zudem die Wende bei Formiche di Grosseto, was den Teams die zusätzliche taktische Herausforderung bescherte, um die Ostküste Elbas zu navigieren.
Die Bedingungen standen im krassen Gegensatz zur Ausgabe von 2025. Damals hatte Furio Benussis 100-Fußer “ARCA SGR” eine neue Rekordzeit von 15 Stunden 31 Minuten und 57 Sekunden aufgestellt – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 9,7 Knoten. In diesem Jahr überquerte die “ARCA SGR” aus Triest die Ziellinie erst am Sonntagnachmittag um 14.40 Uhr. Die Zeit von 24 Stunden und 40 Minuten entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 5,1 Knoten auf der verkürzten Strecke. „Es war wirklich lang, mit leichten Winden, aber es ist immer eine schöne Regatta – ich liebe die 151 Miglia. Für uns ist es das fünfte Mal", kommentierte Skipper Furio Benussi, der während der Regatta im Wechsel mit seinem Bruder Gabriele Ruder ging. “ARCA SGR” sicherte sich erneut den Line-Honours-Sieg.
Die ersten vier Stunden der Regatta verliefen noch vielversprechend bei neun bis zehn Knoten Wind aus Nordwest. Nach der Passage von Gorgona brach der Wind jedoch komplett zusammen. „Es war unglaublich leicht. Während der Nacht lag der maximale Windstoß bei drei bis vier Knoten – nicht mehr", erklärte Furio Benussi. Auf der Ansteuerung von Pianosa kam das Feld für drei Stunden komplett zum Stillstand. Nachfolgende Boote schlossen auf, was faktisch einem Neustart der Regatta gleichkam. „Von Gorgona nach Elba war es verrückt. Aber wir sind keine Volleyball-, Basketball- oder Fußballspieler – das Wetter ist Teil unseres Sports", sagte Benussi. Die Geduld der Teilnehmer wurde auf eine harte Probe gestellt. Alessandro Pinis Grand Soleil Maxi One “Ely-J” überquerte als letztes Boot der Maxi-Klasse die Ziellinie erst am Montagmorgen um 2.26 Uhr – bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 3,46 Knoten.
Die beste Performance unter IRC zeigt die 78-Fuß-Yacht “Nice” von Marco Malgara, CEO und Gründer von ICE Yachts. Das Boot ist in der Szene als “Capricorno” bekannt und verbrachte 31 Jahre in den Händen der Familie Del Bono. Alessandro Del Bono hatte mit der Yacht sowohl Weltumsegelungen unternommen als auch Regatten bestritten – darunter den Gewinn der Mediterranean Maxi Inshore Challenge der IMA im Jahr 2022. „Es war ein interessanter Tag – sehr schwierig", kommentiert Malgara. „Wir hatten mehrere Stopps und es war sehr, sehr schwierig wegen dieser. Aber am Ende war dieses Boot, obwohl es 31 Jahre alt ist, das nächste, das nach ARCA ankam." “Nice” erreichte das Ziel fast zwei Stunden nach Benussis “ARCA SGR” und gewann die Maxi-Klasse nach berechneter Zeit vor “Durlindana IV” und Carlo Puri Negris Felci/Farr 80 “Atalanta II”, die im Vorjahr die Maxi-Klasse gewonnen hatte.
An Bord von “Nice” teilte sich Malgara die Steuerarbeit mit dem slowenischen Ex-Olympioniken Mitja Kosmina, einem erfahrenen Maxi-Segler. „Es war sehr schwierig mit wenig oder gar keinem Wind für ein paar Stunden", erklärte Kosmina. „Die Umrundung der Insel Pianosa war sehr knifflig. Es erforderte viel Konzentration, die Regatta zu beenden, und man verbraucht viel Energie beim Versuch, diese großen Boote zu bewegen. Der längste Halt dauerte etwa zwei oder drei Stunden, was wirklich hart war." Im Vorjahr hatten “Nice” und “Atalanta II” bereits das Podium der Maxi-Klasse hinter Guido Paolo Gamuccis “Cippa Lippa X” belegt. Letztere konnte in diesem Jahr nicht an den Start gehen, da die Regatta zeitlich zu nah an der IMA Maxi European Championship der Vorwoche lag.
Die 151 Miglia Trofeo Cetilar ist nicht nur für ihre anspruchsvollen Bedingungen bekannt, sondern auch für ihr umfangreiches Rahmenprogramm. Nach der Preisverleihung in Marina di Punta Ala fand die traditionelle Dinner Party für alle Crews der 191 teilnehmenden Yachten im Clubhaus und auf dem Gelände des Yacht Club Punta Ala statt. Bei dieser Gelegenheit übergab die IMA erneut eine Spende an die Fondazione Mare Oltre Onlus. Die Wohltätigkeitsorganisation ermöglicht Seglern mit eingeschränkter Mobilität das Segeln auf ihrem speziell für Rollstuhlfahrer konzipierten Katamaran Elianto. Die Regatta von Livorno nach Punta Ala bleibt damit ein fester Bestandteil im Kalender der mediterranen Maxi-Szene – unabhängig davon, ob die Bedingungen Rekordzeiten oder Rekord-Flauten bescheren.