Wettfahrten

15. Transat Jacques Vabre: Gigant "Sodebo Ultim 3": flügellahm nach "Ufo"-Kollision

Tatjana Pokorny

 · 11.11.2021

15. Transat Jacques Vabre: Gigant "Sodebo Ultim 3": flügellahm nach "Ufo"-KollisionFoto: Vincent Curutchet/Sodebo

Thomas Coville und Thomas Rouxel im Pech: Ihr Trimaran kollidierte über Nacht mit einem unidentifizierten Objekt ("Ufo"). Das Steuerbord-Foil wurde beschädigt

Nach den Imoca-Mastbrüchen der vergangenen Tage hat es nun den Trimaran "Sodebo Ultim 3" erwischt. Das Steuerbord-Foil des grün-weißen Giganten von Skipper Thomas Coville und Thomas Rouxel wurde über Nacht bei einer Kollision mit einem unbekannten im Wasser treibenden Objekt ("Ufo") beschädigt. Die Segler blieben beim Crash unversehrt. Sie prüfen aktuell den Schaden und ihre Optionen, das 15. Transat Jacques Vabre fortzusetzen. Die unglückliche Kunde folgte den Mastbrüchen der vergangenen Tage, die in der Imoca-Klasse für viele Diskussionen sorgen: Erst mussten Louis Burton und Davy Beaudart auf "Bureau Vallée" mit implodiertem Rigg aufgeben. Dann erwischte es das Mixed-Team Justine Mettraux und Simon "Sifi" Fisher auf "Alaka'i" am Mittwoch, als ihr Mast von oben kam. Charly Enright, der mit Pascal Bidégorry auf "Malamā" das zweite Boot des Doppel-Teams 11th Hour Racing über den Atlantik treibt, reagierte mitfühlend auf den Bruch an Bord "Alaka'i": "Es tut mir so wahnsinnig leid, von den schlechten Nachrichten unserer Teamgefährten zu hören. Aber ich bin froh, dass alle sicher sind. Wir hatten in vielerlei Hinsicht selbst einen ereignisreichen Tag, aber nichts im Vergleich dazu. Aktuell halsen wir mit 20 Knoten Speed an der Iberischen Halbinsel entlang."

  Nach Mastbruch ausgeschieden: Die Schweizerin Justine Mettraux und Top-Navigator Simon "Sifi" FisherFoto: Vincent Curutchet
Nach Mastbruch ausgeschieden: Die Schweizerin Justine Mettraux und Top-Navigator Simon "Sifi" Fisher

Dass in der Imoca-Klasse nach Einführung der zuletzt sehr verlässlich erscheinenden OneDesign-Masten schon in der Transat-Anfangsphase zwei Masten bei gut finanzierten Projekten von oben gekommen sind, beschäftigt die Klasse und ihre Anhänger intensiv. Die Fehleranalysen laufen auf Hochtouren. "Alaka'i" befindet sich in A Coruña, wo das Technik-Team von 11th Hour Racing bereits eingetroffen ist. Das Boot soll schnellstmöglich zur Teambasis nach Port La Forêt gebracht werden, wo die Ursachen für den Rückschlag besser erforscht werden können. Die "Bureau Vallée"-Crew hatte ihr Ungemach bereits zehn Stunden nach dem Start durchlebt. Ein lautes Geräusch hatte den Bruch eine halbe Stunde zuvor schon angekündigt. Nach der Sicherung von Segeln, Kabeln und Teilen des Mastes hatten die Unglücklichen im Norden der Insel Guernsey Zuflucht gesucht. Den Ablauf der Ereignisse schilderte Skipper Louis Burton später so: "Wir segelten unter vollem Großsegel und Vorsegel mit 18, 19 Knoten Geschwindigkeit, als der Mast brach. Das erste Geräusch klang wie eine Explosion. Der Mast fiel zunächst nicht um, er implodierte." Später brach er doch und fiel aufs Deck.

Die verbliebene Flotte setzt das Rennen fort. Allen voran die Ultim-Riesen: Die Spitzenreiter Franck Cammas und Charles Caudrelier auf "Maxi Edmond de Rothschild" hatten am Donnerstag bereits Madeira hinter sich gelassen und ihre Bugspitzen bei rund 16 Knoten Speed zum Sprung über den Atlantik nach Westen gerichtet. Von hinten kam zu diesem Zeitpunkt "SVR - Lazartigue" mit François Gabart und Tom Laperche stark auf, hatte nur noch 35 Seemeilen Rückstand – in der Giganten-Division der Boote, die an Geschwindigkeiten von 40 Knoten herankommen, ist das fast nichts. Zeitgleich nahm die kleinere Trimaran-Flotte der Ocean-Fifty-Yachten erst noch Kurs auf Madeira, wurde am vierten Tag auf See von Erwan LeRoux und Xavier Macaire auf "Koesio" vor Sébastien Rogues und Matthieu Souben auf "Primonial" angeführt. Alle sieben Ocean Fifties lagen zu diesem Zeitpunkt weniger als 100 Seemeilen auseinander. Der Brite Sam Goodchild und Aymeric Chapelier kämpften auf "Leyton" als Vierte mit 60 Seemeilen Rückstand auf die Spitzenreiterin um eine Podestplatzierung.

  Spitzenreiter in der Ocean-Fifty-Klasse: Erwan Le Roux und Xavier Macaire auf "Koesio"Foto: Jérémie Lecauday
Spitzenreiter in der Ocean-Fifty-Klasse: Erwan Le Roux und Xavier Macaire auf "Koesio"
  Schöne Impression von der atlantischen Autobahn. Die Momentaufnahme schickten Damien Seguin und Benjamin Dutreux, die auf ihrer "Groupe Apicil" in der imoca-Klasse nach vier Tagen auf Platz zehn lagenFoto: Groupe Apicil
Schöne Impression von der atlantischen Autobahn. Die Momentaufnahme schickten Damien Seguin und Benjamin Dutreux, die auf ihrer "Groupe Apicil" in der imoca-Klasse nach vier Tagen auf Platz zehn lagen

Keine Überraschung birgt in dieser frühen Phase des französischen Transatlantik-Klassikers das Führungstrio bei den Imocas: Mit Charlie Dalin und Paul Meilhat auf "Apivia" führen die Top-Favoriten das Feld an. Hartnäckigste Verfolger bleiben wie erwartet Thomas Ruyant und Morgan Lagravière auf "LinkedOut" und Jérémie Beyou mit Christopher Pratt auf "Charal". Letzteren allerdings rückten Samantha Davies und Nicolas Lunven auf "Initiatives Cœur" zuletzt immer näher ans Heck. Am Donnerstagmorgen hatten Davies und Lunven ihren Rückstand auf "Charal" auf zehn Seemeilen gedrückt. Romain Attanasios "Fortinet – Best Western", Boris Herrmanns ehemalige "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco", segelte der führenden Imoca mit rund 160 Seemeilen an Position sieben hinterher. Die in München geborene Deutsch-Französin Isabelle Joschke kommt mit Co-Skipper Fabien Delahaye als 19. im Feld der verbliebenen 20 Imocas bislang nicht wie erhofft in Fahrt.

In der Class40 lagen die Top 15 am Morgen des 11. November nur 50 Seemeilen auseinander. Hier rangen Nicolas Jossier und Alexis Loison auf "La Manche #Evidence Nautique" und Luke Berry mit Achille Nebout auf "Lamotte Module Création" um die Führung. Fakt in dieser frühen Phase des Rennens: In allen vier Klassen dominieren ausschließlich Frankreichs Seesegler die Top Drei. Chancenreichste internationale Angreifer waren an Tag vier auf See Sam Davies im Imoca-Feld und Sam Goodchild in der Class40. Hier geht es zum Tracker und den Zwischenständen in allen vier Divisionen im Transat Jacques Vabre (bitte anklicken!).

  An Tag vier beste internationale Akteurin im Transat Jacques Vabre: die Britin Sam Davies, die mit Nicolas Lunven um einen Podiumsplatz in der Imoca-Klasse kämpftFoto: Yann Riou
An Tag vier beste internationale Akteurin im Transat Jacques Vabre: die Britin Sam Davies, die mit Nicolas Lunven um einen Podiumsplatz in der Imoca-Klasse kämpft

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