Max Gasser
· 28.07.2023
Alles ist angerichtet für spannende Finaltage bei der diesjährigen Travemünder Woche. Zwar dauern die Segelwettbewerbe noch bis Sonntag an, viele wichtige Entscheidungen werden allerdings bereits heute fallen. Unter anderem werden drei neue Weltmeister gekürt werden, während zeitgleich neue Wettbewerbe wie die Segel-Bundesliga in die Travemünder Woche starten.
Gestern konnten zwei bis vier Rennen in den unterschiedlichen Klassen absolviert werden. Harry Voss vom Schaumburg-Lippischen Seglerverein übernahm die Führung bei der Europameisterschaft der O-Jollen und führt nach vier Rennen das komplett deutsche Podium an. Auch bei der Weltmeisterschaft der J/22-Klasse gibt es noch Chancen auf deutsche Titel, mit großem Vorsprung an der Spitze liegt allerdings das Team von Jean-Michel Lautier aus den Niederlanden. Die Crew sicherte sich fünf Siege in sechs Wettfahrten, auf den Plätzen zwei und drei folgen dahinter die deutschen Steuermänner Wolf Jeschonnek (Cöpenicker Segler-Verein) und Jürgen Eiermann (Hansa-Segel-Kameradschaft Rhein-Neckar). Sowohl die Olympia-Jollen als auch die J/22 segeln noch bis Samstag.
Bei den weiteren Meisterschaften zeigt sich dagegen die internationale Klasse, die in diesem Jahr vor Travemünde segelt. Der Olympia-Teilnehmer Emil Järudd aus Schweden liegt bei der Weltmeisterschaft der Formula-18-Katamarane aktuell vor Patrick Demesmaker/Gilles Tas (Belgien) und Gavin Colby/Kai Colman (Australien). Bei den Olympischen Spielen 2021 hatte er als Vorschoter von Cecilia Jonsson im Nacra 17 den 14. Platz belegt, im F-18 hat er das Ruder nun selbst übernommen. Beste Deutsche im Feld sind derweil die Zarnekauer Brüder Helge und Christian Sach auf dem neunten Platz. Die F-18-Weltmeister von 2006 sind mit 21 ersten Plätzen die Rekordsieger der Travemünder Woche. Die Söhne von Christian Sach, ebenfalls als erfolgreiches Duo unterwegs, bereiten sich derweil auf die 29er-Weltmeisterschaft in Weymouth vor, die ersten Wettfahrten sollen am Sonntag starten.
Auch bei der Junioren-Weltmeisterschaft im 49er und 49er FX ist das Podium komplett international. Bei den Jungs führen die Australier Jack Ferguson und Jack Hildebrand vor dem Deutsch-Malteser Richard Schultheis mit Vorschoter Youenn Bertin. Das junge Team musste nach sieben Top-Drei-Ergebnissen in der Qualifikation zum Start der Finalserie einige Rückschläge hinnehmen und liegt derzeit elf Punkte in Rückstand. “Der Wind ist schwer zu lesen, jedes Rennen war komplett anders“, sagte der 18-jährige Schultheis, der auf der Mittelmeerinsel lebt, seit er sechs Jahre alt ist, aber beide Pässe hat. „Hier habe ich auch segeln gelernt, deshalb segle ich für Malta.“ Vor dem letzten Tag knapp am Podium vorbeisegelt ist derzeit die beste für Deutschland startende Crew mit Valentin Müller und Moritz Fiebig (Bayrischer Yachtclub) auf dem vierten Platz.
Bei den Damen führen die Französinnen Manon Peyre/Clara-Sofia Stamminger de Moura, die bisher alle Rennen dominiert haben und sich noch Chancen für Olympia 2024 ausrechnen. Das beste deutsche Team liegt vor dem Finaltag mit Sophie Steinlein und Max Körner vom Norddeutschen Regatta Verein auf dem sechsten Platz.
Erstmals ausgesegelt wurde gestern der Pokal des Lübecker Segelmeisters. Sechs Teams von Flensburg bis Hamburg traten in Liga-Booten auf dem Media Race Course gegeneinander an. In kurzen Wettfahrten konnte sich der Flensburger Segel-Club diesen inoffiziellen Titel sichern. “Polizei und Prominenz” landete derweil auf dem letzten Platz. Ein echter Klassiker war dagegen wieder der Volksbank-Rotspon-Cup, bei dem Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau in diesem Jahr gegen Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther antrat und prompt eine Niederlage einstecken musste.
Ab heute startet im Rahmen der Travemünder Woche der zweite Spieltag der Segel-Bundesliga. Zu Beginn der Woche hatte bereits das aufregende Finale der Sailing Champions League stattgefunden. Die Organisatoren erwarten ähnlich spannende Rennen bei ähnlich schwierigen Windbedingungen.
“Die Travemünder Woche, bei der die Segel-Bundesliga seit ihrer Gründung vor zehn Jahren fester Bestandteil des Programms ist, bietet mit der Lübecker Bucht ein sehr anspruchsvolles Seerevier”, sagt Anke Nowak, Geschäftsführerin der Segel-Bundesliga. Sie betont, dass die lange Pause zwischen dem ersten und zweiten Spieltag der Saison 2023 den Teams die Möglichkeit gegeben hat, intensiv zu trainieren.
Mit nur einem Spieltag bisher ist das Rennen um die begehrte Meisterschale noch völlig offen. Der Mühlenberger Segel-Club, derzeit Tabellenführer, schickt Steuermann Jacob Ahlers ins Rennen. Tabellenzweiter ist der Münchner Yacht-Club vor dem Titelverteidiger Norddeutscher Regatta Verein, der auf den erfahrenen Ex-Olympioniken Tobias Schadewaldt setzt.
Darüber hinaus stehen für das Wochenende weitere Wettfahrten der Seesegler, Korsare, Kielzugvögel, J/22 und O-Jollen auf dem Programm.

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