Vendée GlobeYann Eliès ist gerettet

Andreas Fritsch

 · 19.12.2008

Vendée Globe: Yann Eliès ist gerettet

Die australische Marine barg den schwer verletzten "Generali-Skipper heute Mittag

Es müssen die zwei härtesten Tage seines Lebens gewesen sein. Mehr als 48 Stunden lag Yann Eliès mit gebrochenem Oberschenkel in seinem Boot, bevor er nun abgeborgen werden konnte. Eine erste Untersuchung der Ärzte an Bord der Fregatte, die von Perth gestart war, gab Aufschluss über seinen Zustand.

"Er hat einen gebrochenen Oberschenkelknochen, das ist nun endgültig klar. Wohl auch einige gebrochene Rippen und weitere Verletzungen, aber das Ärzte-Team hat die Untersuchung noch nicht abgeschlossen", meldete der Kapitän der Fregatte "Arunta" über Funk.

Eliès hatte sich verletzt, als er auf dem Vorschiff für ein Manöver war und das Boot sich mit dem Bug in voller Fahrt in eine Welle bohrte. Durch das dadurch resultierende brutale Aufstoppen war er über das Deck geflogen und an den Aufbauten hart angeschlagen.

Auf jeden Fall endet damit ein schwer vorstellbares Martyrium für den Franzosen: Zwei Tage lag er in seinem Boot, konnte die Schmerzmittel in seinem medizinischen Notfall-Pack nicht erreichen, auch nicht an Nahrung oder Wasser gelangen. Auf Anraten des Rennarztes der Vendée bewegte sich Eliès so wenig wie möglich, um keine inneren Verletzungen zu riskieren, die lebensbedrohlich hätten sein können.
Die Versuche seines Landsmanns Marc Guillemot ("Safran"), der schon gestern bei dem Verunglückten ankam, ihm Wasser und Schmerzmittel ins Cockpit zu werfen, scheiterten. Der französische Skipper konnte es nicht risikieren, längseits zu gehen oder gar überzusetzen, der Seegang ließ das nicht zu, und ein Schlauchboot oder Ähnliches führen die Boote bei einem Non-Stopp-Rennen natürlich auch nicht mit sich.

Guillemot blieb die ganze Zeit in der Nähe seines Landsmanns, um im Fall einer Verschärfung der Situation vielleicht doch noch einzugreifen. Er redete aber über Funk mit Eliès, um ihm Mut zuzusprechen. Kein anderer Teilnehmer der Vendée dürfte dafür besser qualifiziert sein: Guillemot war in den späten achtziger Jahren selbst mit gebrochenen Beinen auf einem gekenterten Maxi-Kat ("Jet Services") zwei Tage eingeschlossen.

Von Eliès selbst gibt es noch keine Nachricht, er hat aber bereits mit seiner Familie in Frankreich gesprochen.

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