Jochen Rieker
· 15.11.2024
“Es ist eine Freude, ein so enges Rennen zu verfolgen”, sagt Dorado-Erfinder und Seewetterexperte Jure Jerman. Er hatte vor dem Start in Les Sables viele der Top-Skipperinnen und -Skipper mit seinem Cloud-basierten Routing-Tool vertraut gemacht, das mit feiner aufgelösten Daten arbeitet als die bisher üblichen Programme wie Adrena oder Squid, die auf den Bordrechnern der Imocas laufen.
Für die YACHT hat der 58-jährige Meteorologe des slowenischen Wetterdienstes, selbst engagierter Regattasegler, das Geschehen analysiert. Er sieht für die kommenden Tage ein “Kopf-an-Kopf-Rennen und leichte Winde” voraus, “mit sehr wenigen Halsen und einigen Minenfeldern”.
Südlich der aktuellen Position der Flotte bildet sich eine No-go-Zone. “Auf Westsüdwest-Kurs werden die Spitzenreiter in diesen Bereich eindringen”, erwartet Jure Jerman, wobei der bisher vorherrschende Nordwind weiter südlich “noch schwächer werden wird, ehe er langsam auf Ost dreht”. Mit einer großen Druckzunahme wird dieser Wechsel zunächst jedoch nicht einhergehen.
Nach den jüngsten Berechnungen werden die Ersten der Vendée Globe voraussichtlich kommenden Freitag am Äquator sein, eventuell auch einen Tag eher oder später. Der Wind wird erst ab Mittwoch wieder stärker.
Jerman erwartet für die Skipper “knifflige Bedingungen und immer wieder große Geschwindigkeitsunterschiede”. Die Passage der Doldrums könnte dagegen flott verlaufen. “Alle Routen führen sehr nahe an der brasilianischen Küste entlang. Die beiden Wettermodelle - rot (ECMWF) und grün (GFS) - liegen dicht beieinander und auch in den Ensembles gibt es keine großen Abweichungen.”
Dennoch könnten sich die Abstände in der kommenden Woche insbesondere an der Spitze wieder vergrößern - dann nämlich, wenn die bei Flachwasser und Leichtwind bevorteilten Boote als Erste auf die Foils kommen und davonziehen. Das sollte vor allem Charlie Dalin (”Macif”), aber auch Nico Lunven (”Holcim - PRB”) und Sam Goodchild (”Vulnerable”) in die Hände spielen, die sich bisher schon wiederholt an der Spitze abgewechselt haben.
Auch die Non-Foiler wie Benjamin Ferrés “Monnoyeur - Duo for a Job” und Jean Le Cams neuer David-Raison-Imoca “Tout commence a Finisterre” werden in der jetzt anstehenden Leichtwindphase absehbar profitieren.
Boris Herrmann hat sich unterdessen in der vorigen Nacht auf Platz drei verholt, nur noch 20 Seemeilen von Rang eins entfernt. Ein sehr starkes Comeback, mit dem der seine Ambitionen eindrucksvoll demonstriert.
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