Vendée GlobeVerluste bei den Verfolgern, “graue Stimmung” bei Boris Herrmann

Tatjana Pokorny

 · 28.11.2024

Boris Herrmann bei einem Video-Bericht aus dem Südatlantik.
Foto: Boris Herrmann/VG2024
650 Seemeilen hatte Spitzenreiter Charlie Dalin am Donnerstagmorgen noch bis zum Längengrad des Kaps der Guten Hoffnung zu absolvieren. Boris Herrmann musste als Elfter knapp 600 Seemeilen auf seine Vendée-Globe-Zwischenbilanz draufschlagen. Sein Rückstand ist erwartungsgemäß weiter angeschwollen.

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Während die führende Gruppe nach den Rekordfahrten der vergangenen 48 Stunden weiter dem Längengrad des Kaps der Guten Hoffnung entgegenprescht, ringen die Verfolger in komplizierten Bedingungen um Anschluss. Wie vorhergesagt, verlieren sie konstant Meilen auf die führenden Boote. Boris Herrmann hatte am Morgen des 28. November knapp 600 Seemeilen Rückstand auf Frontmann Charlie Dalin (”Macif Santé Prévoyance”) angehäuft.

In den für die Verfolgergruppe abnehmenden Winden hatten am zu Ende gehenden 18. Renntag die Skipper ab Samantha Davies auf Platz zehn hart zu kämpfen, die unabwendbaren Verluste so gering wie möglich zu halten. Vor ihr liegende Konkurrenten wie “Biotherm”-Skipper Paul Meilhat auf Platz neun und Vendée-Globe-Titelverteidiger Yannick Bestaven (”Maître Coq V”) hoffen, sich noch eine Weile im “Kapstadt-Express” halten zu können, haben aber auch auf die Rekordjäger vorne verloren.

Boris Herrmann drohen weitere Verluste

Die Pacemaker setzten ihr hohes Tempo der letzten Tage in der Nacht fast unvermindert fort. Die ersten neun Boote erreichten Durchschnittsgeschwindigkeiten von mehr als 22 Knoten. Boris Herrmann muss sich indessen vorerst mit der Vorstellung anfreunden, dem sich weiter anhäufenden Rückstand hinterherzuagen.

Am Mittwochabend hatte der 43-Jährige aus Hamburg seine Situation selbst plakativ beschrieben: Wie er langsam "aus dem Zug fallen" und "von den Foils sinken" und sich voraussichtlich eine ganze Weile "im merkwürdigen Verdrängungsmodus" vorwärtsbewegen werde. Seine kurzfristigen Aussichten sind nicht ermutigend. Die Hoffnung, im Südmeer Meilen gutmachen zu können, die bleibt.

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Während die führenden Boote am Donnerstagmorgen mit zehn Knoten mehr beim 38. Breitengrad Süd dem Absprung ins Südmeer schnell näherrückten, rang das dichteste Verfolger-Quartett mit Sam Davies, Boris Herrmann, Clarisse Crémer (”L’Occitane en Provence”) und Justine Mettraux (”TeamWork - Team Snef”) noch beim 32. Breitengrad Süd ums Fortkommen.

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Vendée-Globe-Rekord wieder in Sicht

Die Rauschfahrten der vergangenen Tage haben neben dem jüngsten 24-Stunden-Einrumpf-Solorekord von ”Groupe Dubreuil”-Skipper Sébastien Simon (615,33 Seemeilen!) weitere Effekte. Etwa diesen: Der nach flauem Auftakt zunächst große Rückstand der Schnellsten in der Flotte auf den seit acht Jahren bestehenden Rennrekord von Armel Le Cléac’h (74 Tage, 3 Stunden, 35 Minuten) ist stark geschmolzen.

Am 18. Renntag fehlten “Macif Santé Prévoyance”-Skipper Charlie Dalin auf seinem Kurs im direkten Vergleich mit der Rekordroute der Vendée Globe 2016/2017 nur noch 324 Seemeilen. Die hatte Armel Le Cléac’h dem aktuellen Spitzenreiter zum vergleichbaren Punkt damals voraus. Ein weiteres Heranrücken an den Fabellauf von Armel Le Cléac’h scheint möglich.

Armel Le Cléac’h hatte bei seinem Super-Solo um die Welt eine durchschnittliche Geschwindigkeit von 15,43 Knoten erreicht. Zumindest aktuell dezimieren die Raser an der Spitze der Vendée-Globe-Flotte mit ihren jüngsten 24-Stunden-Durchschnittsgeschwindigkeiten von 22,96 Knoten (Charlie Dalin) bis 24,54 Knoten (Sebastien Simon) ihren Rückstand auf die Rekordzeit von Armel Le CLéac’h erheblich.

Die Top-Akteure müssen sich warm anziehen

Boris Herrmann sagte am Abend des 27. November zur aktuellen Lage: "Die Jungs werden vorne weitermachen mit ihren Rekordfahrten" Für ihn selbst beinhalten die abflauenden Winde nach eigenen Worten voraussichtlich "noch ein paar Hundert Meilen mehr" auf dem Vendée-Globe-Konto. Zwei schwierige Nächte und ein Tag hatten ihm im Flautenpoker noch auf der Nordhalbkugel den anfangs nicht dramatischen Rückstand beschert, der sich nun so drastisch auswirkt.

Dass Boris Herrmann “Initiatives - Cœur”-Skipperin Sam Davies zuletzt bis auf 25 Seemeilen nahegekommen ist, tröstete Team Malizias Gründer nicht wirklich darüber hinweg, dass er als Verfolger in einem anderen Wetterfenster, in leichteren und unbeständigeren Winden aktuell keine Chance hat, an den Rekordgeschwindigkeiten zu partizipieren. Da habe sich die “graue Stimmung” am Himmel am Vortag auch etwas auf sein Gemüt gelegt, berichtete der fünfmalige Weltumsegler offen.

Kleine “Rennen im Rennen” sorgen, so Herrmann, für Ablenkung vom insgesamt zu diesem Zeitpunkt ernüchternden Zwischenstand. Da passte das graue langarmige Shirt dazu, das Boris Herrmann inzwischen übergestreift hat. Denn: Vorne in der Flotte wird es frisch. Während die Skipper weiter hinten noch in T-Shirts und Shorts unterwegs sind, greifen die führenden Akteure nach und nach zu wärmeren Bekleidungslagen.

Boris Herrmanns Aufholjagd vertagt

Bald schon werden die Ersten die “Brüllenden Vierziger” erreichen. Boris Herrmann hofft, “den einen oder anderen wieder einholen zu können, wenn wir dann raue Bedingungen im Indischen und im Pazifischen Ozean haben”. Seine Überzeugung bleibt: “Das Rennen ist lang und man ist nie sicher vor positiven Überraschungen. Ich glaube nicht, dass es schon vorbei ist.”


Boris Herrmanns ehrliche Einschätzungen zur Rennlage am Abend des 27. November. Der Clip wurde bei YouTube schon binnen der ersten zwölf Stunden mehr als 40.000 Male angesehen. Tendenz steigend:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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