Vendée Globe"PRB" kollidiert mit Treibgut

Andreas Fritsch

 · 23.11.2012

Vendée Globe: "PRB" kollidiert mit TreibgutFoto: J.M. Liot/Vendée Globe

Vincent Riou rammte heute Morgen um 7 Uhr eine treibende Boje und beschädigte seinen Open 60 am Bug. Ob er weiterfahren kann, ist ungewiss

Riou war zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes unter Deck am Kartentisch und eilte nach dem Aufschlag sofort nach oben. Er konnte noch sehen, dass "PRB" an der Steuerbordseite gegen eine treibende Metalltonne gesegelt war. Der Rumpf ist auf etwa einer Meter Länge eingerissen und delaminiert. Die Stelle liegt etwa drei Meter hinter der Bugspitze. Der Franzose will im Tageslicht die Stelle untersuchen und mit seinem Team entscheiden, ob eine Reparatur möglich ist. Die Bedingungen dafür wären akzeptabel, bei gutem Wetter und Wind zwischen 12 bis 15 Knoten. Riou informierte auch sofort das Race Office der Vendée und gab die Position des Zusammenstoßes bekannt, damit die anderen Teilnehmer gewarnt werden können.

  Der Schaden nach der RammingFoto: V. Riou/PRB
Der Schaden nach der Ramming
  Skipper Vincent RiouFoto: J.M. Liot/Vendée Globe
Skipper Vincent Riou

Nach einer ersten Inspektion des Schadens will Riou eine Reparatur versuchen: "Es wird nicht einfach, da ich nirgendwo unter Land Schutz suchen kann, aber es ist machbar. Nur wenn ich sicher bin, dass die Reparatur so gut ist, dass das Boot durch den Southern Ocean segeln kann, werde ich weitermachen."

Zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes lag Riou auf Platz drei, nur etwa 75 Meilen hinter dem Führenden Armel Le Cléac’h ("Banque Populaire") und war mit etwa 10 bis 12 Knoten unterwegs. Sollte er den Schaden nicht reparieren können, wäre es bereits der siebte Ausfall im Rennen und nach "Safran"-Skipper Marc Guillemot der zweite der Top-Favoriten, der nicht weitersegeln kann.

An der Spitze ist das Franzosen-Trio um Armel Le Cléac’h, François Gabart ("Macif") und Jean-Pierre Dick ("Paprec-Virbac 3") dem Feld mittlerweile etwas voraus, nachdem gestern auch der Schweizer Bernard Stamm Probleme von Bord meldete. In den Doldrums war ihm die Genua gerissen, sodass er zurzeit ohne das wichtige Vorsegel für den momentanen Amwind-Kurs unterwegs ist. Dazu kamen Probleme mit dem Autopilot, die er aber dem Anschein nach lösen konnte. Er war gezwungen, einen östlicheren Kurs zu steuern und verlor wertvolle Meilen auf das Führungstrio.

Weiter zurückgefallen ist auch der Brite Alex Thomson, der zunächst überraschend gut mit der Spitzengruppe mitgehalten hatte. Mit 140 Meilen ist sein Rückstand nun aber doch deutlich angewachsen, ein Grund dürfte sein, dass er mit der Reparatur seines defekten Hydrogenerators beschäftigt war. Das für die Energieversorgung immens wichtige Bauteil war vor einigen Tagen am Heck beschädigt worden. Nun funktioniert er aber wieder, schon der zweite erfolgreiche Reparaturjob, nachdem Thomson schon eine gebrochene Ruderquerstange geflickt hatte.

Ebenfalls größer wird die Lücke auf die nächste Verfolgergrupe dahinter, die sich aus dem Briten Mike Golding ("Gamesa"), dem Franzosen Jean Le Cam ("Synerciel") und dem Schweizer Dominique Wavre ("Mirabaud") zusammensetzt. Über 300 Meilen beträgt ihr Rückstand schon. Eine kritische Distanz, die es möglich macht, dass die Führenden in ein ganz anderes Wettersystem in den Roaring Forties stoßen. Zum aktuellen Ranking geht es hier.

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