Vendée GlobePip Hare auf Kurs Comeback: „Ich will wissen, ob ich es auch gut machen kann“

Tatjana Pokorny

 · 01.02.2022

Vendée Globe: Pip Hare auf Kurs Comeback: „Ich will wissen, ob ich es auch gut machen kann“Foto: Richard Langdon/Oceanimages

Schon beim Zieldurchgang ihrer Vendée-Globe-Premiere wusste die Soloseglerin und Journalistin: Das will ich noch mal machen. Die Vorbereitungen laufen

Noch in der Nacht des Zieldurchgangs ihrer publikumsträchtigen Vendée-Globe-Premiere hatte Pip Hare nach mehr als 95 extrem fordernden Tagen auf See ein Video-Telefonat mit dem CEO ihres Hauptsponsors Medallia geführt. Leslie J. Stretch fragte die britische Skipperin damals spontan, was sie als Nächstes plane. Ihre Antwort: „Ich will noch eine Vendée Globe segeln.“ Fünf Tage später hatte die heute 47-jährige Wagemutige grünes Licht von ihrem Hauptsponsor für den zweiten Sturm um die Welt. Die Vorbereitungen dafür laufen bereits auf Hochtouren.

  Die Härten der Vendée Globe hat sie bereits erfahren. Dennoch plant sie nun für Runde zwei, will wissen, was mit einem besseren Boot für sie drin istFoto: Pip Hare/Medailla/VG2020
Die Härten der Vendée Globe hat sie bereits erfahren. Dennoch plant sie nun für Runde zwei, will wissen, was mit einem besseren Boot für sie drin ist

Ihr neues Boot ist stark: Es ist die Ex-„Bureau Vallée 2“, mit der Louis Burton hinter Sieger Yannick Bestaven und Charlie Dalin als Dritter aufs Podium der neunten Edition der Vendée Globe raste. Nach einem ersten kleinen Refit war Pip Hare im Sommer 2021 umgehend ins Training durchgestartet. Ihre erstaunlichste Erkenntnis: „Das Boot segelt sich leichter als mein vorheriges. Das hat mich überrascht. Ich hatte erwartet, dass es viel schwieriger und sehr anders als das Vorgänger-Boot sein würde. Vom ergonomischen Gesichtspunkt aus betrachtet, ist das Design viel besser. Insbesondere, weil es für Menschen gebaut wurde!“ Pip Hare will intensiv mit Coaches daran arbeiten, die fehlenden 25 Prozent zu den 75 Prozent aus dem Boot zu kitzeln, „die jeder Segler rausholen könnte“. Sie weiß: „Es ist noch ein langer Weg, diese Imoca zu Höchstleistungen zu bringen."

„Das ist die Hauptentwicklung meines Projekts“, erklärt Hare in einem Interview mit der Imoca-Klassenvereinigung, „dank der Unterstützung und des gesamten Teams, das mich begleitet, werde ich so viel wie möglich in die Leistung des Bootes investieren können. Das ist etwas, das ich bei meinem vorherigen Rennen um die Welt nicht tun konnte.“

  Schöne Studie der Britin bei ihrer Vendée-Globe-Premiere von Fotograf Richard LangdonFoto: Richard Langdon/Oceanimages
Schöne Studie der Britin bei ihrer Vendée-Globe-Premiere von Fotograf Richard Langdon

In diesem Jahr will Pip Hare vor allem lernen, 2023 dann die notwendigen Änderungen an ihrem Boot vornehmen. „Das ist eine recht konservative Entscheidung“, räumt die Realistin ein, „aber es ist das erste Mal, dass wir einen Foiler haben. Wir müssen also viel lernen, und kleine Schritte sind da ein besserer Weg für mich, das zu tun.“ Im März will Pip Hare erstmals in diesem Jahr aufs Wasser gehen. Weil die Bedingungen im Heimatrevier vor Poole in dieser Saison noch zu unbarmherzig sind, sind Trainingswochen in Portugal geplant. Heimathafen des ambitionierten Projekts mit neu aufgestelltem Team aber bleibt Poole: „Ich will, dass die Leute in meiner Heimatstadt sich einbezogen fühlen.“ Wenn die Skipperin nicht unterwegs ist, liegt das Boot in Poole an einem besonderen und gut zugänglichen Liegeplatz. „Das ist ein öffentlicher Platz“, erklärt Pip Hare, „jeder kann kommen und es sehen."

  Pip Hare durchlitt bei ihrer Premiere auf der betagten Imoca "Medallia" Höhen und Tiefen, gewann aber mit ihrer direkten und ehrlichen Erzählkunst ein Heer neuer Fans für das Rennen um die WeltFoto: Pip Hare/Medallia
Pip Hare durchlitt bei ihrer Premiere auf der betagten Imoca "Medallia" Höhen und Tiefen, gewann aber mit ihrer direkten und ehrlichen Erzählkunst ein Heer neuer Fans für das Rennen um die Welt

Ihr Ziel für die zweite Solo-Weltumrundung ist klar: „Ich bin kein Mensch voller Selbstvertrauen. Ich muss mir selbst beweisen, dass ich Dinge tun kann. Und dann will ich wissen, wie gut ich es tun kann. Die Vendée Globe abzuschließen, das war ein Lebensziel von mir. Also habe ich beim ersten Mal akzeptiert, es unter allen Bedingungen zu tun. Das einzige Ziel war es, das Rennen zu beenden. Nun, da ich weiß, dass ich das Rennen schaffen kann, will ich aber wissen, ob ich es auch gut schaffen kann.“

2021 beendete Pip Hare die Vendée Globe als 19. von 25 Solisten, die das Ziel erreichten. Das gelang ihr mit einem 22 Jahre alten Boot. Ihr neues ist erst fünf Jahre alt. „Es geht darum, mich so hart zu pushen wie möglich. Ich bin mir sehr bewusst darüber, dass ich bei meinem nächsten Start 50 Jahre alt sein werde und gegen Männer antrete, die noch nicht einmal das 30. Lebensjahr vollendet haben. Ich will sehen, was passiert. Die Vendée Globe ist ein aufregendes Rennen, weil nicht nur dein physisches Vermögen zählt.“

  Louis Burtons Ex-„Bureau Vallée 2“ gehört jetzt Pip Hare und ihrem TeamFoto: Stephane Maillard/Bureau Vallee 2
Louis Burtons Ex-„Bureau Vallée 2“ gehört jetzt Pip Hare und ihrem Team

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