Vendée GlobeNico Lunven und Rosalin Kuiper in Atlantik-Überführung gestartet

Tatjana Pokorny

 · 06.11.2023

Bereit für den Sprung über den Atlantik: die Schweizer Imoca "Holcim-PRB"
Foto: Eloi Stichelbaut/polaRYSE/Team Holcim-PRB
Während die Imoca-Flotte erst am 7. November um 9.30 Uhr ins Transat Jacques Vabre startet, ist das Team Holcim-PRB bereits seit Montagmorgen unterwegs. Die Ex-Malizianer Nico Lunven und Rosalin Kuiper bringen ihre “Holcim-PRB” mit zwei weiteren Technikern und einem Anbordreporter im Überführungsmodus in die Karibik. Das neue Team unter Schweizer Flagge will das Boot besser kennenlernen, bevor Nico Lunven die “Retour à la Base”-Rückregatta im Alleingang bestreitet, um sich für die Vendée Globe zu qualifizieren.

“Ich muss während dieser Überführung lernen, mit dem Boot umzugehen und alle Systeme an Bord zu beherrschen, sowie die Manöver und alle Segel kennenzulernen. Bei dieser Überführung steht viel auf dem Spiel. Ich hoffe, dass wir bis Martinique alle Punkte auf unserer Aufgabenliste abgehakt haben”, sagte Nico Lunven, der The Ocean Race an der Seite von Boris Herrmann für Team Malizia bestritten hatte, bevor er danach – wie auch Rosalin Kuiper – in den Rennstall der Eidgenossen wechselte.

Team Holcim-PRB rechnet mit fordernden Bedingungen

Während Nico Lunven die Vendée Globe auf “Holcim-PRB” bestreiten will, aber noch nicht alle Qualifikationsbedingungen erfüllt hat und das Rückrennen aus der Karibik nach Frankreich braucht, will Rosalin Kuiper an seiner Seite maximal viel lernen. Ihr mittelfristiges Ziel ist die Übernahme der Skipperrolle für das Ocean Race Europe 2025. Für die Überführung, die für Team Holcim-PRB am 6. November um 10 Uhr im bretonischen Concarneau begonnen hat, sind neben Nico “The Brain” Lunven und Rosalin Kuiper noch Jean-Marc Failler, Hugo Feydit und Bordreporter Julien Champolion dabei.

Team Holcim-PRB rechnet mit einer Überführungszeit von zwölf bis 15 Tagen. Die Segelbedingungen sollen in der Nacht zum 7. November an Bord fordernd sein. Andererseits hat das Team mit dem Ablegen einen Tag vor dem offiziellen Transat-Jacques-Vabre-Start für die Imoca-Flotte eine bessere Chance gesehen, Kap Finisterre unter kontrollierbaren Bedingungen passieren zu können. So wollen die Eidgenossen dem neuen Tiefdruckgebiet entgehen, das sich aktuell in der Biskaya zusammenbraut.

Nico Lunven steuert seiner Vendée-Globe-Premiere entgegen

Wichtigstes Ziel ist es laut Team Holcim-PRB, “dass sich Nicolas bei seiner Ankunft in der Karibik mit dem Schiff wohlfühlt und in aller Ruhe die Retour à la Base antreten kann, deren Start derzeit noch für den 26. November geplant ist”. "Ich hoffe, dass wir bis Martinique alle Punkte auf unserer Jobliste abgehakt haben werden. Träumen kann man ja immer mal", sagte Lunven lächelnd. Der versierte Navigator will im nächsten Jahr maximal gut vorbereitet zu seiner ersten Vendée Globe antreten – dann als Konkurrent von Boris Herrmann bei dessen zweiter Solo-Runde um die Welt.

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Auch Rosalin Kuiper verspricht sich von ihrem ersten Intensiv-Einsatz mit “Holcim-PRB” einiges: “Diese Überführung nach Martinique wird ein Training mit einer kompletten Crew sein: Nico, ich selbst sowie Hugo und Jean-Marc vom technischen Team sind dabei. Wir werden etwa zwei Wochen unterwegs sein.. Ich bin sehr gespannt darauf, dieses Boot kennenzulernen und zu verstehen, wie das Boot gebaut ist und sein Potenzial zu entdecken. Wir werden sicherstellen, dass das Boot ‘safe’ ist und auf dem Rückweg Leistung bringen kann. Ich bin sehr aufgeregt, aber auch ein bisschen nervös, weil ich noch nicht viel auf diesem Boot gesegelt bin und es bisher ganz anders aussieht, als ich es gewohnt bin.”

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In Le Havre herrschen Vorfreude und Anspannung

Gemeint sind damit die Unterschiede im Vergleich zu Boris Herrmanns “Malizia – Seaexplorer”, die sowohl Nico Lunven als auch Rosalin Kuiper über die Renndauer des Ocean Race sehr gut kennengelernt haben. Die weiteren Pläne von Team Holcim-PRB beinhalten im kommenden Jahr den Start beim The Transat CIC ab 28. April, die Teilnahme am New York– Vendée – Les Sables ab 29. Mai, die letzten Vergleiche im Défi Azimut im September und schließlich den Gipfelsturm: Nico Lunvens Vendée-Globe-Premiere.

Während Team Holcim-PRB seinen Transatlantik-Aufgalopp bereits eröffnet hat, herrschten am 6. November in Le Havre Vorfreude und auch Anspannung vor dem Imoca-Start ins 16. Transat Jacques Vabre. Erstmals in der Geschichte der Klasse werden sich am Dienstag 40 Imocas an der Startlinie versammeln. Alle Duos haben sich auf eine harte Eröffnung der klassischen Route zur Karibikinsel Martinique vorbereitet.

Der Start wird ein großartiger Moment für die Klasse sein.” Thomas Ruyant

Nach stürmischen Tagen geht es für die Klassenbesten und ihr großes Verfolgerfeld auf zur klassischen Kaffeeroute. Titelverteidiger Thomas Ruyant, der mit Morgan Lagravière auf dem neuen Antoine Koch/Finot Conq-Design “Four People” segelt, sagte in Le Havre: “Es wird ein großartiger Moment für die Klasse sein. Wir bereiten uns auf den Start von etwas vor, das wir noch nie zuvor gesehen haben. Vierzig Imoca-Boote am Start zu einem Rennen – das ist eine große Premiere. Morgan und ich freuen uns, dabei zu sein. Wir können es kaum erwarten, aufs Wasser zu gehen und das Rennen zu bestreiten. Wir werden eine tolle Zeit haben."

Das deutsche Fan-Interesse bei diesem Start gilt vor allem Boris Herrmann mit Will Harris auf “Malizia – Seaexplorer”, aber auch der in München geborenen “Macsf”-Skipperin Isabelle Joschke mit Pierre Brasseur und dem Kieler Andreas Baden an der Seite von Fabrice Amedeo auf “Nexans – Art & Fenêtres”. Das Dock in Le Havre verlassen die Teams am sehr frühen Dienstagmorgen bereits ab 4 Uhr. Der Startschuss fällt um 9.30 Uhr. Die Live-Übertragung soll auch im Sport-Streaming des NDR um 9 Uhr starten, obwohl die Angaben der französischen Veranstalter am Vortag mehrfach zwischen einem Sendebeginn um 9 oder 9.15 Uhr wechselten. Hier der direkte Link zum NDR-Streaming.

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Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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