Vendée GlobeJosse rammt Treibgut und fällt zurück

Andreas Fritsch

 · 22.11.2016

Vendée Globe: Josse rammt Treibgut und fällt zurückFoto: Gitana SA/Th. Martinez

Lange gab es kaum Hiobsbotschaften aus dem Rennen, nun geht es Schlag auf Schlag: Gestern Riou raus, heute Josse mit Ruderschaden

Gestern um 22.30 knallte ein UFO (Unidentified Floating Object) gegen das Steuerbord-Ruder der "Edmond de Rothschild", als sie mit über 22 Knoten Speed durch die rabenschwarze Nacht des Southern Ocean bretterte. Sofort löste der Kick-Up-Mechanismus des Ruders aus, der für solche Fälle gebaut ist und durch das Hochklappen des Ruders größeren Schaden verhindern soll. Normalerweise mündet ein solcher Vorfall dann auch noch in einen kapitalen Sonnenschuss, da das Boot plötzlich ohne Steuer unterwegs ist.

  Im Pech: Sébastien JosseFoto: Gitana SA/Yvan Zedda
Im Pech: Sébastien Josse

Der 41-jährige Franzose konnte sein Boot allerdings schnell wieder unter Kontrolle bringen und den Schaden untersuchen. Dabei zeigte sich, dass der Mechanismus, der das Ruder unten hält, durch den Aufprall gebrochen ist. Nach Rücksprache mit dem Team gelang es Sébastien Josse nach einer vierstündigen Reparatur-Aktion, das Blatt wieder einsatzfähig zu bekommen.

Doch der nächtliche Einsatz kostete den zuvor Zweitplatzierten fast 90 Seemeilen Rückstand auf den führenden Alex Thomson, er liegt nun 177 Meilen zurück, knapp 80 Meilen hinter Armel Le Cléac'hs "Banque Populaire VIII". Und schlimmer noch: Durch den Stopp droht "Edmond de Rothschild" aus dem schmalen Tiefdruck-Gürtel herauszurutschen, auf dem die drei Führenden zurzeit gestern noch mit Speed über 20 Knoten "ritten". Das ist gestern bereits dem Feld hinter dem Trio widerfahren, zurzeit segeln sie fast zehn Knoten langsamer als die Spitze. Beim Positions-Update heute Morgen war Josse schon zwei Knoten langsamer als der vor ihm liegende Armel Le Cléac'h. Höchst spannend, ob es den beiden Führenden gelingt, sich noch etwas weiter abzusetzen.

  Stand des Rennens heute Morgen um 9 UhrFoto: Vendee Globe
Stand des Rennens heute Morgen um 9 Uhr

Dahinter segeln auf Platz vier bis sechs Morgan Lagravière ("Safran"), Paul Meilhat ("SMA") und Jérémie Beyou ("Maitre Coq") jeder allein für sich mit größeren Lücken zum nächsten Platz.

  Stand des Rennens heute Morgen um 9 UhrFoto: Vendee Globe
Stand des Rennens heute Morgen um 9 Uhr

Mit viel Glück folgt ihnen Yann Eliès (Quéguiner Leucémie"), der als einziger im großen Hauptfeld noch dem St.-Helena-Hoch entkommen konnte, das die Flotte dahinter schon seit Tagen fest im Griff hält. Auf über 1600 Seemeilen ist der Rückstand von Jean-Pierre Dick angewachsen, der die Gruppe anführt. Noch nie war das Feld der Vendée zu einem so frühen Zeitpunkt so weit auseinander gezogen. Zum letzten regulär gestarteten Boot von Sébastien Destremeau sind es schon über 3000 Seemeilen Rückstand.

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