Vendée GlobeHerrmanns Weihnachts-Coup: "Das hätte ich mir nie erträumt!"

Tatjana Pokorny

 · 24.12.2020

Vendée Globe: Herrmanns Weihnachts-Coup: "Das hätte ich mir nie erträumt!"Foto: Boris Herrmann Racing / #VG2020

Boris Herrmann hat sich zu Weihnachten selbst beschenkt, rückte in der Vendée Globe auf Platz drei vor. Nahe der Eisgrenze duelliert er sich mit Jean Le Cam

Boris Herrmann konnte es am ersten Weihnachtstag selbst kaum fassen, als er auf die aktualisierten Tracker-Stände schaute: "Unglaublich! Dritter auf dem Tracker nach halbem Weg um die Welt. Das hätte ich mir nie erträumt. Das ist doch ein sehr schönes Weihnachtsgeschenk für uns alle!" Mit "alle" meinte der 39-jährige Skipper der "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco" seine Familie, seine Freunde und Förderer. Hunderte Mails, Weihnachtsgrüße, Sprachnachrichten und Anfeuerungen hatten den Skipper aus Hamburg bereits an Heiligabend erreicht. Und die Welle reißt, ähnlich der Zwischensprints, die den Seglern in auffrischenden Winden hin und wieder sogar ein prickelndes Foiling-Vergnügen ermöglichen, nicht ab.

  Die Positionen am Morgen des ersten Weihnachtstages mit dem auf Platz drei vorgerückten Boris HerrmannFoto: Screenshot / #VG2020
Die Positionen am Morgen des ersten Weihnachtstages mit dem auf Platz drei vorgerückten Boris Herrmann

Ein sichtlich gerührter und glücklicher Boris Herrmann genießt das Foilen am Freitagmorgen, beschreibt aber auch das Auf und Ab in den wechselhaften Winden. Der "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco"-Skipper berichtet über das Matchrace mit Jean Le Cam und bedankt sich für die vielen Weihnachtsgrüße

Die führende Gruppe der 27 noch im Rennen befindlichen Vendée-Globe-Matadoren quält sich weiter unter Hochdruckeinfluss über den Parcours mit seinen beweglichen unsichtbaren Mauern. Zuletzt musste der am Vortag noch Drittplatzierte Thomas Ruyant erfahren, wie es sich anfühlt, eine teure Entscheidung getroffen zu haben; der Franzose hatte sich für einen extremen Nordkurs entschieden, um der windarmen Zone unter Inkaufnahme eines längeren Weges auszuweichen. Undank war sein Lohn: Der "LinkedOut"-Skipper fiel zunächst auf Platz sieben zurück, während ganz vorn "Apivia"-Skipper Charlie Dalin die Früchte seines beharrlichen Kurses entlang der Eisgrenze einkassierte und Yannick Bestaven als Spitzenreiter ablöste. Boris Herrmannn rechnet allerdings damit, dass Ruyant das Comeback nach dem Investment noch gelingen kann.

  Yannick Bestavens Daumen zeigt optimistisch nach oben, doch vorerst musste er seine Führung an "Apivia"-Skipper Charlie Dalin abgebenFoto: Yannick Bestaven / #VG2020
Yannick Bestavens Daumen zeigt optimistisch nach oben, doch vorerst musste er seine Führung an "Apivia"-Skipper Charlie Dalin abgeben
  Zu Weihnachten wieder an die Spitze: ein frohes Fest für "Apivia"-Skipper Charlie DalinFoto: Charlie Dalin / Apivia / #VG2020
Zu Weihnachten wieder an die Spitze: ein frohes Fest für "Apivia"-Skipper Charlie Dalin

Der Weihnachtskrimi im südlichen Stillen Ozean hält an und seiner Teilnehmer wie auch die Beobachter weiter in Atem. 15.000 Kilometer entfernt von Boris Herrmanns Hamburger Heimathafen spielen die Skipper "Katz und Maus" miteinander. Boris Herrmann lieferte sich am Freitagmorgen ein packendes Duell mit Escoffier-Retter Jean Le Cam. Um neun Uhr morgens trennte den 39-jährigen deutschen Premierenteilnehmer und den erfahrenen 61-jährigen Franzosen bei seiner fünften Vendée Globe gerade einmal eine Seemeile auf Kurs Kap Hoorn. Am Ende des 47. Tages auf See bietet auch Damien Seguin den Besten weiter Paroli. Der mit nur einer Hand geborene Paralympics-Sieger sorgt als Gesamt-Fünfter mit seinem zwar modifizierten, aber doch betagteren Finot-Conq-Boot von 2008 weiterhin für Staunen. Der 41-Jährige aus Nantes lag am Morgen des ersten Weihnachtstages nur 20 Seemeilen hinter Herrmann und Le Cam auf Platz fünf.

  So nah kamen sich zuletzt Boris Herrmann und Jean Le CamFoto: Boris Herrmann Racing / #VG2020
So nah kamen sich zuletzt Boris Herrmann und Jean Le Cam
  Spannende Aussichten: Boris Herrmann im Matchrace-Duell mit Jean Le CamFoto: Boris Herrmann Racing / #VG2020
Spannende Aussichten: Boris Herrmann im Matchrace-Duell mit Jean Le Cam

Im hinteren Feld der Verfolger macht mehr und mehr Jérémie Beyou auf sich aufmerksam. Der nach Bruch und Reparatur neun Tage nach dem Feld neu ins Rennen gestartete Franzose hat sich inzwischen wie entfesselt auf Platz 19 vorgearbeitet und könnte noch über Weihnachten den nur 45 Seemeilen vor ihm auf Platz 18 liegenden Stéphane Le Diraison auf "Time for Oceans" überholen. Beyous Rückstand auf Spitzenreiter Charlie Dalin betrug am 47. Tag des Rennens, der für Beyou real erst den 38. Tag markiert, zwar noch 2950 Seemeilen, doch das bislang Erreichte ist imposant. Zwar ist nicht damit zu rechnen, dass Beyou noch ganz nach vorn stoßen kann, doch seine Chance, die schnellste Zeit dieser Vendée Globe zu ersegeln, die wahrt er auch und gerade zu Weihnachten in beeindruckender Weise.

  Mehr Weihnachtsmann geht nicht: Romain Attanasio (13.) gab alles im Wettbewerb um den längsten BartFoto: Romain Attanasio / #VG2020
Mehr Weihnachtsmann geht nicht: Romain Attanasio (13.) gab alles im Wettbewerb um den längsten Bart
  Fliegerkuss für die Liebsten daheim: der Schweizer Alan Roura vor seinem Gabentisch. Er lag mit seiner "La Fabrique" am 25. Dezember mit rund 75 Seemeilen Rückstand auf Armel Tripon auf Platz 15Foto: Alan Roura / La Fabrique / #VG2020
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