Tatjana Pokorny
· 17.06.2022
Ein von Nord nach Süd ausgedehntes Tiefdruckgebiet rauscht im Atlantik ins Regattafeld der Vendée Arctique. Inzwischen gefährdet es die Sicherheit der Teilnehmer so sehr, dass sich die Wettfahrtleitung des Rennens von Les Sables-d'Olonne nach Island und zurück "schweren Herzens" zu gleich mehreren drastischen Maßnahmen genötigt sah: Bereits am Vortag wurde die Bahn vorerst verkürzt und eine virtuelle Ziellinie nordöstlich Islands eingerichtet. Heute hat die Renndirektion die Flotte nun ganz offiziell aufgefordert, nach Passieren der Linie bestmöglichen Schutz zu suchen. Die Fortsetzung des Rennens ist noch offen, soll aber "zeitnah" entschieden werden. Mit Charlie Dalins dominanter "Apivia" und Jérémie Beyous hartnäckig folgender "Charal" haben die ersten beiden Boote das Zwischenziel bereits erreicht. Alle anderen streben dem virtuellen Tor schnellstmöglich entgegen, um danach einen möglichst sicheren Kurs segeln zu können. In der Region werden Winde jenseits der 40 Knoten mit Böen um 50 Knoten erwartet.
Alain Leboeuf, Präsident der SAEM Vendée und des Départements Vendée, erklärte: "Wie wir schon immer angedeutet haben und nun wiederholen, war es immer unsere Pflicht, die Sicherheit der Segler zu gewährleisten und alle überschaubaren Risiken zu vermeiden. Die Entwicklung der Wettersituation, mit der die Flotte konfrontiert ist, zwingt uns, gemeinsam mit der Wettfahrtleitung und unserem erfahrenen Meteorologen harte Entscheidungen zu treffen. Als Organisatoren erscheint es uns unerlässlich, dass die Segler Schutz suchen und die Regatta vorübergehend unterbrechen können, um sich vor diesem Tiefdruckgebiet zu schützen. Sie werden bald wieder auf die Regattastrecke zurückkehren, und wir werden dann alle ihre Abenteuer mit Begeisterung weiter verfolgen."
Auch der Renndirektor Francis Le Goff äußerte sich am frühen Freitagmorgen zur ungewöhnlichen Maßnahme bei diesem Solo-Rennen im Nordatlantik: "Für die führenden Skipper werden die Bedingungen morgen Nachmittag wegen dieses Tiefs, das sich allmählich in Richtung Nordosten von Island verfestigt, besonders schlecht sein. Wir erwarten starke Winde von 35 bis 40 Knoten, das bedeutet Böen von über 50 Knoten. Im Interesse der Gerechtigkeit und des Fair Play haben wir daher beschlossen, dass die Skipper Schutz suchen können, sobald sie das Tor im Südosten Islands passiert haben. Wir werden die Zeiten beim Gate protokollieren, bevor sich die Skipper in Sicherheit bringen können. Wir haben Gespräche mit Häfen aufgenommen, die sie möglicherweise aufnehmen können. Das Rennen wird dann gemäß den Bedingungen, die wir gerade festlegen, fortgesetzt." Das Szenario erinnert an die erste Etappe im vergangenen Mini-Transat, als die Flotte vor einem herannahenden Sturm gewarnt und aufgefordert wurde, Schutz zu suchen. Diese Aufrufe allerdings waren weder mit einem Interimsziel verbunden worden noch als verbindlich erkenntlich geworden. Melwin Fink hatte damals entschieden, das Rennen mit seinem Mini "Signforcom" fortzusetzen, und die Sturmetappe gewonnen.

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