Tatjana Pokorny
· 30.04.2024
Jérémie Beyou hatte sich seinen Saisonauftakt ganz anders vorgestellt. Eher so wie zu Beginn des Transat CIC, in dem er einen Tag in der Spitzengruppe segelte. Dann aber hat sich nach ruppiger erster Nacht auf See mit einem lauten Knall ein Schaden am J2-Vorstag angekündigt. Nach Rücksprache mit seinem Team entschied sich der erfahrene 47-jährige Co-Favorit zur Rückkehr nach Lorient, um sein 2022er-Manuard-Design dort einmal gründlich durchzuchecken. Auch, weil der Mast beim Vorfall auf See heftig vibriert habe, aber laut ersten Erkenntnissen unbeschädigt geblieben sei.
Jérémie Beyous Team will “Charal” nach gründlicher Überprüfung möglichst schnell und mit kleiner Überführungscrew wieder auf den Kurs nach New York schicken, damit Beyou ab 29. Mai am zweiten Transat von New York zurück nach Frankreich teilnehmen kann. Aus dem Rennen sind außerdem Jean Le Cam (”Tout Commence en Finistère – Armor-Lux”) aus nicht weiter erläuterten persönlichen Gründen, Arnaud Boissières (”La Mie Câline”) mit einem Schaden am Steuerbord-Foil und Sébastien Marsset (”Foussier”) Fossier”) aus gesundheitlichen Gründen.
An der Spitze des Feldes hat sich nach der zweiten Nacht auf See ein interessantes Duell mit vorläufig neuem Spitzenreiter entwickelt: “Biotherm”-Angreifer Paul Meilhat verteidigte am Dienstagmorgen um 10 Uhr immer noch seine schon wieder auf eine Seemeile geschrumpfte Führung vor dem rund 40 Seemeilen weiter nördlich positionierten Charlie Dalin, der seine “Macif Santé Prévoyance” weiter massiv antrieb.
Der 41-jährige Paul Meilhat hatte sich seinen Vorsprung auf dem Weg durch leichtere Winde in der zweiten Nacht verdient, in der er – tendenziell südlicher positioniert – schneller vom wieder zunehmenden Druck profitierte. Es war aber am Dienstagmorgen offensichtlich nur noch eine Frage der Zeit, bis der zum Transat-CIC-Auftakt so dominante Charlie Dalin den führenden Kontrahenten mit seinem schnellen Verdier-Entwurf im Fernduell wieder wird überrunden können.
Zu den Verlierern der zweiten Nacht auf See zählte zunächst auch Boris Herrmann. Der 42-jährige Hamburger war am frühen Dienstagvormittag bis auf Platz 15 zurückgefallen. Bei zehn und mehr Knoten schnellerer Bootsgeschwindigkeit als die vor ihm liegenden Konkurrenten schien sein Wiederaufstieg im Zwischenklassement jedoch ebenfalls nur eine Frage der Zeit zu sein. Boris Herrmann hatte sich beim Zug nach Westen in der Nord-Süd-Verteilung der Flotte zunächst mittig positioniert, kam zuletzt mit 19 Knoten Speed wieder sehr schnell voran und lag beim 10-Uhr-Update auf Platz 12.
Einmal mehr extrem unterwegs, bildete Sebastien Simon auf “Groupe Debreuil” am Dienstag die nördlichste Position des Imoca-Geschwaders auf Kurs West. Für seinen Alleingang im Norden war der Franzose mit zähen Stunden in flauen Winden bestraft worden. Erst am Morgen des 30. April nahm sein Boot – die ehemalige Ocean-Race-Siegerin “Malama” von 11th Hour Racing – wieder mehr Fahrt auf. Simon muss sich von Platz 16 aus wieder hocharbeiten.
Beste Imoca-Skipperin im Rennen war am Morgen des zweiten Tages auf See die erfahrene Britin Sam Davies auf “Initiatives Cœur” auf Platz sieben. Den nördlichsten Punkt der Flotte markierte am Dienstagmorgen weiter die in München geborene Isabelle Joschke mit “Macsf”. Sie lag am auf Platz 14 im Feld von verbliebenen 29 Imocas , während Justine Mettraux (”Teamwork – Team Snef”) mittig wie Boris Herrmann zunächst verloren hatte, bevor sie wieder Platz um Platz gutmachte – zuletzt als Elfte vor Boris Herrmann, aber mit zwei Knoten weniger Speed.
Bei Interpretation der aktuellen Positionen ist zusätzlich zu berücksichtigen, dass die nördlichen Boote näher an der Loxodrome segeln und deshalb im Tracking leicht “bevorzugt” werden. Charlie Dalin und auch Yoann Richomme (”Paprec Arkéa”) beispielsweise segeln weiter nördlich. Ihre Investition könnten einen schnelleren, direkteren Winkel ergeben, wenn sie in die Nordwestwinde beschleunigen können, die bis auf 30 bis 35 Knoten zunehmen könnten.
In der Class40 hat sich das von der einzigen Skipperin Amélie Grassi (”La Boulangerie Bio”) auf Platz sechs gejagte Männer-Quintett an der Spitze der Flotte kaum verändert. Mit Ian Lipinski (”Crédit Mutuel”) gab es aber zuletzt einen neuen Spitzenreiter. Keine drei Seemeilen trennten vorne Fabien Delahaye (”Legallais Team Voile”), Nico D’Estais (”Café Joyeux”) und Ambrogio Beccaria (”Alla Grande Pirelli” beim 10-Uhr-Update von Ian Lipinski. Neun Seemeilen Rückstand auf Lipinski und nur noch zweieinhalb Seemeilen Vorsprung vor Amélie Grassi hatte “Ibsa”-Skipper Alberto Bona.

Freie Reporterin Sport