Tatjana Pokorny
· 04.05.2024
Boris Herrmann und Samantha Davies lieferten sich am Nachmittag des 4. Mai ein packendes Reaching-Duell auf Kurs New York. Während an der Spitze des Imoca-Feldes “Paprec Arkéa”-Skipper Yoann Richomme seine Führung bei gut 700 Seemeilen bis ins Ziel auf recht komfortable 70 Seemeilen vor Charlie Dalin (”Macif Santé Prévoyance”) ausgebaut hatte, schenkten sich Boris Herrmann und “Initiatives Cœur”-Skipperin Sam Davies nichts. Ihr Kampf um Platz drei ist voll entbrannt. Beide Boote jagten zum Wochenendbeginn mit hohen Geschwindigkeiten entlang der südlichen Begrenzung eines riesigen Sperrgebietes deutlich jenseits der 20 Knoten hinter den zu der Zeit etwas langsameren führenden Booten her.
Rausgefallen aus dem vorherigen Dreikampf zwischen Herrmann, Davies und “Biotherm”-Skipper Paul Meilhat ist der Franzose, der am Freitag mit einem unbekannten Objekt kollidiert war und aus Sicherheitsgründen Geschwindigkeit aus seinem Boot nehmen musste. Bei der Kollision waren das Backbord-Foil und dessen Slot beschädigt worden. In der Folge hatte Paul Meilhat einen leichten, aber beherrschbaren Wassereinbruch zu bekämpfen. Er will das Rennen aus eigener Kraft zu Ende bringen, war aber bis Samstagnachmittag bereits auf Platz elf zurückgefallen und kann kaum mehr in den Kampf um die Podiumsplätze eingreifen.
Die Top-Vier-Boote repräsentieren derzeit: vier Yachtkonstrukteure, drei Nationalitäten, zwei Segelmacher und ein Ziel” (Boris Herrmann)
„Die Top-Vier-Boote repräsentieren derzeit: vier Yachtkonstrukteure, drei Nationalitäten, zwei Segelmacher und ein Ziel”, fasste Boris Herrmannn das aktuelle Szenario beim Transat CIC zusammen. Seit vergangenem Mittwochabend hat der Hamburger Skipper die Lücke zur Spitze der Flotte zunehmend geschlossen. Seine Angriffslust und die Leistung sind auch deshalb bemerkenswert, weil er am dritten Tag sein Tempo hatte drosseln müssen, um sein Großsegel zu reparieren.
Weiter sagte Boris Herrmann, der seit Beginn des Rennens immer Konkurrenten in seiner Nähe hatte: “Ich genieße es, seit dem Start in der Südbretagne an den meisten Tagen jemanden direkt bei mir zu haben. Zuerst war es Justine Mettraux, jetzt ist es Sam Davies. Es ist wirklich motivierend, Boote in der Nähe zu haben und zu sehen, was vor sich geht.”
Inzwischen hat Boris Herrmann auch auch seine Messboje ausgesetzt. Das wissenschaftliche Instrument treibt mit den Meeresströmungen und misst Daten für detaillierte Wetter- und Meeresbeobachtungen, Prognosen und die wissenschaftliche Überwachung des Klimawandels. Das Projekt zur Ausbringung der Bojen, an dem mehrere Imoca-Skipper teilnehmen, wird von der Imoca-Klasse, Meteo France und OceanOPS koordiniert.
Für die letzten 400 Seemeilen auf Kurs New York erwarten die Transat-CIC-Rennleitung und die Skipper eine weitere Windabnahme, mit der eine zunehmende Flotten-Kompression einhergehen könnte. Charlie Dalin, von dem Experten angesichts seines Zurückfallens annehmen, dass er an Bord der “Macif Santé Prévoyance” mit einem Schaden zu kämpfen hat, sagte: “Die möglichen ‘Flugbahnen’ sind interessant, das Management der Wettersysteme besonders. Man muss zweimal nachdenken. Wir denken nicht nur an die nächste Entwicklung, sondern auch an die übernächste und die überübernächste.”
Genau das tun auch die Solisten in der kleineren Class 40, wo inzwischen Ambrogio Beccaria die Führung in der heiß umkämpften Spitzengruppe übernommen hat. Der Italiener trieb seine “Alla Grand Pirelli” am Samstagnachmittag mit 25 Seemeilen Vorsprung vor dem abgelösten Spitzenreiter Ian Lipinski (”Crédit Mutuel”) New York entgegen. Mehr als die führenden Imocas haben die besten Class-40-Segler mit der sich ausbreitenden flauen Zone vor dem Ziel zu rechnen.

Freie Reporterin Sport