Transat CICCharlie Dalin dominiert, Boris Herrmann agiert mit Vorsicht, erste Ausfälle

Tatjana Pokorny

 · 29.04.2024

Der Ausblick für "L'Occitane En Provence"-Skipperin Clariss Crémer
Foto: DR/Transat CIC
Charlie Dalins Comeback gestaltet sich bislang glänzend. Nach zwei verpassten Transats Ende 2023, ist der französische Top-Segler bei der Saisoneröffnung im Transat CIC nun gleich dominant vorgeprescht. Seine “Macif” führte das Imoca-Feld 28 Stunden nach dem Startschuss an. Boris Herrmann hat in der ersten Nacht in ruppigem Seegang einige Federn gelassen, rückte aber am Montagnachmittag auf Kurs New York wieder vor.

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Die Auftakt-Show im Transat CIC gehört Charlie Dalin. Der 39-Jährige aus Le Havre, der die beiden Transats Ende 2023 aus gesundheitlichen Gründen hatte auslassen müssen, gibt bei seinem Comeback auf fast schon spekatkuläre Weise Gas. Mit seinem Verdier-Design “Macif Santé Prévoyance” vom 2022 hatte sich Dalin, der selbst Yachtdesign in Southampton studierte, schon nach Tag eins am Montagabend um 18 Uhr einen knapp 20 Seemeilen großen Vorsprung vor seinem ersten Verfolger Yoann Richomme (”Paprec Arkéa”) ersegelt.

Es folgten nach mehreren Positionswechseln Nico Lunven (”Holcim – PRB”), Paul Meilhat (”Biotherm”), die zuletzt schnell aufsteigende Justine Mettraux (”Teamwork – Team Snef”), Louis Burton (”Bureau Vallée”), Maxime Sorel (”V and B – Monbana – Mayenne”) und Boris Herrmann auf “Malizia – Seaexplorer” als Achter. Der lange Zeit in den Top-Zwei agierende Jérémie Beyou (”Charal”) war am Montagnachmittag plötzlich zurückgefallen. Der Live-Tracker zeigte den Franzosen auf dem Rückweg, bevor es offizielle Informationen zu den Gründen dafür gab.

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Transat CIC: Boris Herrmann mit Vorsicht in Top-Ten

“Malizia – Seaexplorer”-Skipper Boris Herrmann hatte die Zügel seiner 2022er-Imoca in Winden von teilweise mehr als 30 Knoten gegen Ende der ersten Nacht auf See aus Vorsichtsgründen etwas kürzer genommen, während andere weiter hart durchzogen. Dadurch rutschte Boris Herrmann im Klassement zunächst einige Plätze zurück, bevor er sie bereits teilweise wieder gutmachen konnte. In seinem ersten Bericht von Bord hatte Boris Herrmann den nächtlichen Verlauf aus seiner Sicht bereits am Montagmorgen geschildert:

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“Die erste Nacht auf See war ganz okay. Irgendwann war ich an sechster Position, es lief gut, und dann, ganz am Ende des starken Windes und des Seegangs, haben einige der anderen ein bisschen mehr Druck gemacht. Ich hatte das Gefühl, dass es schon ziemlich hart war für das Boot. So habe ich heute Morgen ein bisschen verloren. Ich sehe Justine Mettraux auf der rechten Seite und ich sehe auch Maxime Sorel auf dem AIS. Der Wind ist schwächer geworden, es sind 12 bis 16 Knoten bei sehr unruhigem Seegang, was gestern Abend das eigentliche Problem war. Gegen diesen Seegang zu fahren, war ein bisschen verrückt für das Boot. Es ist nichts kaputt gegangen, alles gut. Aber es gab ein paar sehr harte Stöße in die Wellen. In der Nacht bin mit J3 und einem Reff gefahren. Es war schon rau mit 30 Knoten Wind gegen den Seegang. Das machte es ziemlich ungemütlich. Aber dann kam Wind auf, nur etwas unter 30 Knoten. Alles wie vorhergesagt, die Modelle haben sich bewahrheitet, also gibt es von der letzten Nacht an Bord der Malizia - Seaexplorer nicht so viel zu berichten. Alles gut. Ich habe nicht wirklich viel geschlafen, aber das hole ich jetzt nach. Voilà, ich wünsche euch allen einen schönen Tag."

Wie Boris Herrmann scheint zumindest der Großteil der Flotte die ersten Härten auf dem Weg zum Ziel in New York weitgehend unbeschadet überstanden zu haben, nachdem die Boote um Mitternacht herum die TSS-Sperrzone bei Ushant passiert hatten. Vorne haben sich die Segelbedingungen inzwischen gebessert. Die führenden Imocas haben Irlands Südspitze schon passiert.

Justine Mettraux kämpft sich im Transat CIC vor

Justine Mettraux berichtete am Montag von ihrem anspruchsvollen Auftakt: "Ich hatte ein paar Kommunikationsprobleme, keine Satellitenverbindung und konnte nichts senden oder empfangen, aber das ist jetzt gelöst. Ja, es war eine anstrengende Nacht, in der ich versucht habe, das Boot schnell zu machen und bei den Segelwechseln keinen Schaden anzurichten. Ich werde versuchen, etwas zu essen und etwas zu schlafen, um mich auf die nächsten 20 Stunden vorzubereiten, die etwas ruhiger sein sollten. Also alles gut!"

Und wie gut! Justine Mettraux rückte bis zum Montagabend in die Top-Fünf vor. Die Britin Sam Davies lag zu dem Zeitpunkt auf Platz zehn. “L’Occitane En Provence”-Skipperin Clarisse Crémer war zuletzt auf Platz 13 aufgestiegen. Die Deutsch-Französin Isabelle Joschke dagegen war als 19. gleichzeitig verdächtig langsam unterwegs.

Unter den weiteren nicht-französischen Teilnehmern konnte sich der Italiener Giancarlo Pedote auf “Prismyan” an Clarisse Crémer auf “L’Occitane En Provence” vorbei- und auf Platz 13 vorkämpfen. Der Japaner Kojiro Shiraishi (”DMG Mori Global One”) lag zunächst auf Platz 19. Bei ihren Kämpfen um die Qualifikation für die Vendée Globe lagen der Brite James Harayda (Gentoo Sailing Team) und der Deutsch-Schweizer Ollie Heer (Oliver Heer Ocean Racing) auf den Plätzen 23 und 29.

Erste Ausfälle im Transat CIC

Die Ausrichtung der etwas quer in Nord-Süd-Richtung verteilte Flotte erklärte Renndirektor Francis Le Goff. Der erfahrene französische Transat-Dirigent geht davon aus, dass die Routings “wahrscheinlich alternative Lösungen im Süden bieten” und nicht jeder den nördlichsten Punkt ansteuert, wie es beim Performance-Routing noch der Fall war. Nach dem gestrigen Rückzug von Jean Le Cam (”Tout commence en Finistère - Armor Lux”) aus persönlichen Gründen sind im Transat CIC jetzt noch 46 Segler in drei Divisionen auf See.

Arnaud Boissières (”La Mie Câline”) hatte allerdings in der Nacht die Wettfahrtleitung darüber informiert, dass er mit einem Foil-Schaden nach Les Sables d'Olonne zurückkehrt. Noch hat Boissières das Rennen aber nicht offiziell aufgegeben. Ebenso wenig wie Jérémie Beyou, der am Montagabend aber offensichtlich umgekehrt war.

Zeitgleich hält die Spannung in der Class40 an, wo sich an der Spitze fünf Favoriten einen Wettkampf auf Augenhöhe liefern. Nicolais d’Estais (”Café Joyeux”), Ian Lipinski (”Crédit Mutuel”), Fabien Delahaye (”Legallais Team Voile”), Ambrogio Beccaria (”Alla Grande Pirelli”), und Alberto Bona (”Ibsa”) trennten nach 28 Stunden weniger als sieben Seemeilen. Dahinter blieb mit Amélie Grassi (”La Boulangère Bio”) die einzige Skipperin im Feld der 13 Class40-Yachten bei elf Seemeilen Rückstand auf “Café Joyeux” dran am führenden Männer-Quintett.

Replay! Die Übertragung vom Start des Transat CIC vor Lorient:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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