Tatjana Pokorny
· 25.04.2024
“Malizia – Seaexplorer”-Skipper Boris Herrmann, der am Mittwoch zu den beiden Siegern eines Schaurennens um die Insel Groix zählte, sagte in einer Pressekonferenz am Donnerstag: “Das Boot ist schneller geworden mit den neuen Foils. Gleichzeitig finden wir die Segeleigenschaften wieder, die wir kannten und gerne mochten. Also, dass das Boot sehr tolerant ist und gut reagiert. Auch bei Seegang und wechselnden böigen Winden. Das Training ist gut gelaufen für uns und macht Lust auf mehr.”
Als Transat-Favoriten gelten auf dem Papier drei Franzosen mit ihren neuen Booten: Charlie Dalin (“Macif”), Jérémie Beyou (“Charal”) und Yoann Richomme (“Paprec Arkéa”). Nicht dabei sind die Rennstallgefährten Thomas Ruyant und Sam Goodchild. Einen Hinweis auf weitere starke Konkurrenz gab es von Boris Herrmann nach dem Training mit dem Pôle Finistère, mit dem sich fast alle Imoca-Größen auf ihre EInsätze vorbereiten. “Man musss sagen, dass die Frauen sehr stark sind, was ganz erfreulich ist”, sagte Herrmann, “es ist wirklich kein Sport, wo die Leistungsfähigkeit vom Geschlecht abhängt. Im Gegenteil fast…”
Herrmann verwies auf einen gemeinsamen Offshore-Einsatz und sagte: “Auf jeden Fall war es so, dass bei dem Training – wie auch schon bei vorherigen Rennen – die Frauen in der Flotte besonders stark waren, vielleicht zu den schnellsten gehörten. Es gibt beispielsweise die ganz junge französische Seglerin Violette Dorange mit dem alten Schiff von Jean Le Cam, die bei dem langen Offshore-Training ihre perfekten Bedingungen gefunden hat: leichte Winde und flaches Wasser. Sie war richtig gut dabei. Insgesamt waren wir 14 Schiffe. Es war ein super Warm-Up für das Rennen, das jetzt ansteht.”
Dass eine eher Amwind-lastige Regatta ansteht, während die Zielregatta Vendée Globe davon deutlich weniger zu bieten hat, stört Boris Herrmann nicht. Er freut sich aufs Foilen am Wind, “weil unser Schiff stark ist”. Weiter sagte er: “Je mehr Wind, desto konkurrenzfähiger sind wir dort. Und bei Leichtwind sind wir auch sehr konkurrenzfähig. Bei Mittelwinden haben wir ein kleines Defizit gegenüber besipielsweise ‘Macif’. Die ist jetzt das stärkste Schiff bei Mittelwind am Wind. Da können durchaus phasenweise große Unterschiede sein. Wenn einer bei 15 Knoten Wind anfängt am Wind zu foilen und wir erst bei 16, und das dauert einen halben Tag, dann kann sich natürlich ein Riesendelta ergeben…”
Für Boris Herrmann kein Grund zur Beunruhigung: “Da würde ich mich nicht zu sehr stressen. Ich gehe diesbezüglich entspannt in das Rennen rein. Bei der Vendée Globe wissen wir: sehr wenig Amwind-Segeln. Das Vendée Globe ist in der Regel 80 Prozent Downwind. Dafür haben wir unser Schiff auch gebaut. Da sind wir auch ganz gut.”
Malizias Teamgründer erklärte: “Man kann nie irgendwo bei der Yacht-Architektur nur was gewinnen. Man muss immer einen Preis zahlen. Heißt: Ein Schiff, das richtig gut am Wind ist wie ‘Macif’, kommt bei ordentlich Wind und Welle downwind schwieriger durch die See. Insofern würde es mich nicht aus dem Konzept bringen, wenn wir da mal eine Weile bei mittleren Winden hinterherhinken. Das kann durchaus passieren.” Bei viel Wind sei beispielsweise “Charal mit V-förmiger Ruderanordnung deutlich schneller als andere”. Aber, so Herrmann: “Das stresst niemanden von uns fürs Vendée Globe, weil wir einfach wissen, dass dort durchschnittlich andere Bedingungen herrschen.”
Zu den eigenen Rennzielen sagte Boris Herrmann, er wolle nach dem Ocean Race “wieder in den Solorhythmus kommen und hoffentlich Selbstvertrauen gewinnen”. Die finale Qualifikation zu seinem zweiten Vendée-Globe-Start am 10. November ist für den 42-jährigen Hamburger nur noch eine Formalität: Er muss mit «Malizia – Seaexplorer» die Startlinie des Transat CIC kreuzen. Danach kann er das Rennen über den Nordatlantik unbelastet von jeglichem Qualifikationsdruck bestreiten.
Auch nostalgische Gründe spielen für Boris Herrmann eine Rolle bei seinem Transat-Einsatz. Der “Malizia – Seaexplorer”-Skipper sagte: “Ein bisschen bestreite ich die Regatta auch aufgrund eines persönlichen Faibles. Sie war 2008 meine erste große Regatta – damals noch mit 'Beluga Racer' in der Class40 – in die ich in Eigenregie gestartet bin. Es war ein bisschen wie der Start in meine Profikarriere.” Damals belegte Boris Herrmann mit “Beluga Racer” beim Artemis Transat im Frühjahr 2008 Platz zwei, bevor er mit Felix Oehme das Portimão Global Race gewann.
Das Solorennen Transat CIC startet am Sonntag um 13.30 Uhr. Die Live-Übertragung via Homepage der Veranstalter mit französischen und englischen Kommentaren läuft von 13 bis 14 Uhr via YouTube-Kanal hier. Boris Herrmann verlässt das Dock mit “Malizia – Seaexplorer” um 11.26 Uhr.

Freie Reporterin Sport