Tatjana Pokorny
· 07.05.2024
Dem nächtlichen Zieldurchgang und dem Jubel über Platz zwei im Transat CIC folgte für Boris Herrmann und seine Transat-Konkurrenten noch die strapaziöse, rund 110 Seemeilen lange Ansteuerung von New York. Er fühle sich, als würde er alleine die Elbe hochkreuzen, berichtete Herrmann am frühen Dienstagmorgen.
Die Belohnung für diese letzten Strapazen nach bravourös bestrittenem Transat CIC gab es beim Wiedersehen mit Team Malizias Landmannschaft in New York. Endlich konnte Boris Herrmann die Verantwortung für sein Schiff mit weiteren Händen teilen und etwas ausruhen. Es folgte der Empfang im Big Apple, wo die drei besten Imocas und ihre Skipper Yoann Richomme (Frankreich), Boris Herrmann (Hamburg) und Sam Dvies (Großbritannien) am Ehrenponton in der One 15° Brooklyn Marina vor Manhattans Skyline festmachten.
Es fühlt sich an wie eine weitere Treppenstufe auf dem Weg. Das Rennen war immer als Vorbereitung, als Training und als Test für die Vendée Globe gedacht. Gleichzeitig war dieses Transat für mich noch ein bisschen mehr, weil ich einen historischen Bezug dazu habe. Weil ich hier 2008 mein erstes Profirennen mit “Beluga Racer” in der Class40 bestritten habe. Und weil ich den fordernden Nordatlantik mag.
Das Boot ist stabil und zuverlässig, kommt sehr gut durchs Meer. Das ist für die Vendée Globe eine gute Sache. Auch mit der Ergonomie und dem Handling komme ich sehr gut zurecht. Ich bin sehr zufrieden mit dem Boot.
Das Gesamtpaket ist besser geworden.” Boris Herrmann
Ich hatte nicht allzu viele technische Probleme, die mich gebremst haben. Auf der anderen Seite bot das Boot die Möglichkeit anständig schnell zu segeln, weil es wirklich gut bei Seegang ist. Deshalb war es für mich vielleicht ein bisschen einfacher, dieses Rennen zu fahren. Ich war nicht zu sehr gestresst. Das Gesamtpaket ist besser geworden. Der Autopilot ist zuverlässiger geworden, die Segel besser und auch die Gewichtsverteilung. Und einfach die Kenntnis über das Boot, seine Einstellungen. Der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail, aber die Details stimmen.
Mein Großsegel ist gerissen, das war mein Fehler. Wenn man refft, kann sich Wasser ansammeln. Das ist passiert. Es war ein ziemlich großer Riss am Achterliek. Ich habe einen halben Tag gebraucht, um das Segel zu reparieren. Außerdem haben sich im achteren Bereich einige Schrauben und Antennen gelöst. Es hat mich Zeit gekostet, größere Schrauben zu finden und sie wieder anzubringen. Abgesehen davon lief es gut, das Boot war gut vorbereitet.
Ich denke, die neuen Foils sind gut und schnell. Ich nutze sie nicht die ganze Zeit mit maximaler Leistung, die meiste Zeit nur mit 80 oder 90 Prozent. Sicherlich geben sie mir einen Bonus. Aber ich hatte mit den neuen Foils ab knapp über 30 Knoten auch Kavitationsthemen. Da muss ich sehen, dass ich die richtigen Einstellungen finde. Das ist ein bisschen trickreich, aber der Preis, den man vielleicht für Performance-Gewinne im Low-End-Bereich zahlt. Ich glaube, die alten Foils sind auch immer noch gut. Wenn jetzt irgend etwas dieses Jahr passiert und ich mit den alten Foils fahren müsste, dann hätte ich kein Thema damit. Bei viel Wind Downwind bin ich sogar mit den alten Foils ein kleines bisschen vertrauter.
Ich hatte viele angenehme Momente bei dieser Regatta.” Boris Herrmann
Körperlich fühle ich mich ziemlich gut und mental sehr gut. Das überrascht mich, aber ich war wirklich die meiste Zeit über in einem entspannten Zustand. Ich hatte viele angenehme Momente bei dieser Regatta.
Nein, keine. Das Boot ist gut so. That’s it!
Ich finde sein Boot insgesamt gut. Dort scheint die Balance gut gefunden worden zu sein, die Längspositionen von Kiel und Foils. Die Bugform ist vielleicht doch auch ein gutes Konzept. Man muss nochmal verstehen, was sich am Ende durchsetzen wird: Scow oder Motorbootbug. Der Motorbootbug schneidet vielleicht auch ganz schön durch die Wellen. Beides funktioniert jetzt wohl gut im Seegang. Ich bin froh, dass wir deutlich mehr Platz innen haben. Sein Schiff ist innen sehr klein. Dennoch ist sein weniger Platz gut genutzt. Das Schiff ist sehr ergonomisch, hat tolle Details.
Es war alles ein bisschen wie erwartet – mit Ausnahme von Charlie Dalin, der weit in Führung liegend plötzlich so ein bisschen moderateres Tempo eingelegt hat und nicht mehr so diese Dominanz zeigte. Da denke ich mal, dass an Bord was passiert sein wird. Davon gehe ich zumindest aus. Wir werden versuchen, dazu etwas zu hören, aber oft hört man von dem Team wenig. Leid tut es mir für alle, die Schwierigkeiten hatten.
Die Flotte ist insgesamt sehr homogen, sehr stark und sehr beeindruckend.” Boris Herrmann
Paul Meilhat hat mich zumindest im ersten Teil sehr beeindruckt, bis er dann einen Foil-Schaden nach einer Kollision hatte. Er hätte das Rennen auch gewinnen können. Nico Lunven hätte das Rennen gewinnen können, wenn er seinen Bugspriet nicht gebrochen hätte. Wirklich, die Flotte ist insgesamt sehr homogen, sehr stark und sehr beeindruckend. Das gilt nach wie vor auch für Justine Mettraux. Sie musste einmal in einem blöden Moment eine 70-Minuten-Strafe wegen ihres gebrochenen Motorsiegels absolvieren. Da lagen wir fast nebeneinander. Ich glaube, da fing es an, dass sie ein kleines bisschen nach hinten durchgereicht wurde. Ansonsten war sie eigentlich auch auf dem Weg nach vorne. Justine kann aus meiner Sicht Rennen gewinnen. Und dann hat Sam Davies nach einer ganzen Weile wieder ihren ersten Podiumsplatz geholt. Sie hat sehr großes Vertrauen in ihr Boot und scheint jetzt wirklich da zu sein, ein Vendée Globe gewinnen oder aufs Podium fahren zu können.
Yannick Bestaven würde ich wünschen, dass er mit seinem Schiff noch gut zurecht kommt. Man hört, dass sein Boot und das baugleiche Schiff von Maxime Sorel auf Downwind-Kursen ihre Nasen ziemlich tief ins Wasser stecken und nicht so leicht zu handeln sind. Das sind übrigens mehr oder weniger Schwesterschiffe von 11th Hour Racing…
Die nächste Treppenstufe in Richtung Vendée Globe, in deren Licht alles steht. Noch eine Konfrontation mit einer anderen Mischung und mit Teilnehmern, die jetzt nicht dabei waren wie Thomas Ruyant und Sam Goodchild. Und natürlich mit Teilnehmern, die dann nach Reparaturen höchstwahrscheinlich nicht wieder ausfallen. So wie Paul Meilhat und Nico Lunven. Das sind alles starke Kandidaten, die ganz vorne dabei sind. Wir wollen sehen, ob wir wieder mithalten können. Und wir würden gerne weitere Punkte abholen für Motivation und Selbstbewusstsein, dazu Details fürs Sommerrefit sammeln. Diese Fahrten sind ja immer auch Tests für alle Systeme. Es ist nach wie vor wichtig sie zu validieren. Die Hydrogeneratoren zum Besispiel: Bis zu welcher Geschwindigkeit können sie Strom produzieren und reißen nicht ab vom Heck und solche Sachen.

Freie Reporterin Sport