Team MaliziaDas Oster-Interview mit Boris Herrmann – Teil 2

Tatjana Pokorny

 · 06.04.2026

Boris Herrmann im März in Lorient auf dem Dach von Team Malizias Hangar.
Foto: tati
Boris Herrmann und sein Team treiben ihren Neubau voran. In weniger als drei Monaten soll die neue “Malizia 4” vom Stapel laufen. Hier die Fortsetzung des Gesprächs “Der Skipper und sein Koch” vom Ostersonntag.

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Boris Herrmann und Team Malizia bekommen in diesem Sommer eine neue Imoca. Das Neubau-Finale läuft in Lorient. In Teil 1 des Interviews hatte Boris Herrmann über sein Vertrauen zu Konstrukteur Antoine Koch, die Zusammenarbeit, die Vorzüge des neuen Designs und die damit verbundenen Hoffnungen gesprochen. Mit Teil 2 setzen wir das Interview zu “Malizia 4” und einem kurzen Blick auf die zehnjährige Teamgeschichte und auch das Forschungsschiff “Malizia Explorer” fort.

​Boris, während Ihr Eure neuen Foils erst später genauer vorstellen wollt, hattest Du zu den ersten Bildern vom Rumpf der neuen „Malizia 4“ ihre Linien mit offensichtlicher Begeisterung als „aggressiv“ beschriebenen. Wie war das gemeint?

Die Linien sind einfach gerader als beim vorherigen Schiff, das viele Rundungen hat und – je nach Perspektive – manchmal auch ein bisschen bauchig aussieht. Ich finde, das neue Schiff hat diesen Schein, der sehr aggressiv wirkt. Die Form wird insgesamt ein bisschen schnittiger aussehen.

Das neue Imoca-Segeln: “mit breiten Beinen, leicht vorgebeugt”

Also wieder ein Schritt auf dem Weg zur idealen Imoca, die aber aufgrund der klassischen Kompromisszwänge doch nie perfekt sein kann?

Du hast immer einen, der für eine Vendée Globe das beste Gesamtpaket hat. Das war letztes Mal interessant, weil es diese zwei extrem unterschiedlichen Konzepte gab: Das Guillaume-Verdier-Schiff, das gewonnen hat (Red.: Charlie Dalins „Macif Santé Prévoyance“) und das schmale Koch-Schiff, das dann Zweiter geworden ist.

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Wäre es im Southern Ocean nur etwas windiger und welliger gewesen, dann hätte sich, glaube ich, das Koch-Schiff durchgesetzt. Bei ein bisschen mehr Welle funktioniert das Guillaume-Verdier-Schiff nicht mehr so gut. Ich will Charlie Dalins Leistung nicht schmälern, aber da hat er auch ein bisschen Glück gehabt. In etwas härteren Bedingungen wären die „Arkéa“-Vorteile deutlicher hervorgetreten. Hätte Yoann Richomme bei Kap Hoorn einen größeren Vorsprung gehabt, dann wäre es vielleicht anders ausgegangen.

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Anders an eurem neuen Boot ist im Vergleich zur Vorgängerin auch die gestrichene Stehhöhe in der Hauptkabine, die bei „Malizia – Seaexplorer“ so auffiel…

Ich glaube, das ist gut so. Wir haben das als Mockup in Sperrholz nachgebaut und auch mit Virtual-Reality-Brillen ausprobiert. Beim letzten Schiff war es mir manchmal schon fast zu hoch, wenn man sich an der Decke festhalten wollte, weil das Schiff Lage schiebt. Jetzt steht man eher mit breiten Beinen, leicht vorgebeugt. Und wenn man sich da mal richtig strecken will, dann kann man in den seitlichen Bereichen oder im hinteren Cockpit stehen. Das müssen wir ausprobieren.

Ich hatte mein vorletztes Schiff ‚Malizia 2‘ vier Jahre lang. Da hatte ich ein noch viel flacheres Cockpit als es jetzt auf der neuen ‚Malizia 4‘ sein wird. Damit bin ich auch gut klargekommen. Ich glaube, da hatte ich 1,60 Meter Höhe und jetzt haben wir ein bisschen mehr. Vorne weniger und hinten mehr, da kann man fast stehen.

“Malizia 4”: bessere Ergonomie, mehr Sicht

Das Gute daran?

Ich habe das Gefühl, dass es von der Ergonomie her angenehmer wird, das neue Schiff. Deswegen haben wir es so gemacht. Man kann auch mehr sehen. Weil: Wenn das Cockpit so hoch ist wie bei dem vorherigen Schiff, wo der Süllbord ja so hoch war, dann werden die Fenster irgendwann sehr schmal. Zur Seite raus konnte man nicht so viel sehen beim alten Schiff. Jetzt kannst du sogar im Sitzen rausschauen.

Wie gut wird die Aussicht sein?

Dadurch, dass der Freibord niedriger ist als bei „Malizia 3“, sind die Fenster größer. Wenn du sitzt, sind die Augen bei meiner Körpergröße auf Deckshöhe so, dass ich rausgucken kann. Was natürlich ganz geil ist, weil man ja im Keller sitzt. Vor allem, wenn ich da drei Monate alleine rumdüse (Red.: bei der Vendée Globe 2028/2029), stellt sich eben kein Kellergefühl mehr ein, weil ich aufs Meer blicken kann.

Nach der sportlichen Winterpause, in der du auch eine Antarktis-Expedition mit eurem Forschungsschiff „Malizia Explorer“ und die Neubaufortschritte in Lorient begleitet hast, rückt mit der Ende Juni nahenden Taufe von „Malizia 4“ der Regattasport wieder in den Fokus. Verspürst du Vorfreude?

Ja, sehr. Ich mache dreimal die Woche Sport. Ich versuche in Form zu sein, wenn die Saison für uns nach der Taufe Ende Juni im Juli auch sportlich beginnt.

10 Jahre Team Malizia: mit zwei Schiffen in die Zukunft

Team Malizia wurde 2016 von dir und Pierre Casiraghi gegründet, ist in diesem Jahr zehn Jahre alt geworden. Wie blickst Du aktuell auf Dein Team?

Mit viel Freude. Die Dinge laufen gut, das Team ist gut. Ich bin auch positiv überrascht, wie sich alles mit unserem Forschungsschiff „Malizia Explorer“ entwickelt. Wir haben alle Missionen und Projekte zwar aktiv so geplant, aber wenn die Umsetzung dann so gut vonstatten geht, ist das toll. Dass man einfach drei Antarktis-Expeditionen aneinanderreiht, ist nicht selbstverständlich. Das war ein richtig guter Auftakt.

Mit dem Kauf der 26 Meter langen, 7 Meter breiten und 60 Tonnen schweren „Malizia Explorer“ hat euer Team neben der Rennyacht auch einen robusten Segler im Einsatz, mit dem Expeditionen und Forschungsprojekte unternommen werden. Ein konsequenter Schritt in Richtung Meeresschutz, den sich Euer Team von Beginn an auf die Fahne geschrieben hat. War das deine Idee?

Indirekt. Ich hatte ein solches Projekt immer im Kopf. Ein Aktionsschiff. Mich sprach dann Arno Kronenberg an, ein langjähriger Wegbegleiter. Er sagte, er habe ein Schiff auf dem Gebrauchtmarkt entdeckt, dass sich für solche Zwecke sehr gut eignen würde. Wir sind hin, haben eine Probefahrt gemacht und los ging es. Dieses Schiff hat die Sache inspiriert.

Und sich bislang bewährt?

Absolut! Man kann es mit zwei Leuten segeln und zehn Gäste an Bord nehmen. Sieben Wissenschaftler und drei Journalisten waren es beispielsweise bei der ersten Antarktismission. Wir haben im vergangenen Jahr im April angefangen, sind im Mai in Monaco gewesen, hatten dann in Südspanien ein Finnwalprojekt. Weiter ging es in den Senegal, nach Fernando de Noronha, nach Brasilien und zu einem kleinen Refit in Uruguay. Dann kamen die drei Missionen in der Antarktis. Es ging Schlag auf Schlag. Insgesamt haben wir jetzt neun Einzelprojekte in elf Monaten gemacht.

Wer fördert und nutzt dieses Angebot eines Forschungsschiffs?

Es ist eine Mischung aus privater und wissenschaftlich- öffentlicher Finanzierung. Wir haben als Sponsoren das Geomar, das Alfred-Wegener-Institut und Hereon. Das Umweltbundesamt hat die Danger Island Mission finanziell unterstützt. Dann haben wir die Laeisz Reederei als privaten Sponsor. Dazu gibt es weitere private Aufträge.

Ihr seid als Team Malizia in allen Bereichen gut aufgestellt für den Ende 2025 neu angelaufenen Fünf-Jahres-Zyklus, der bis 2030 geplant ist?

Ja, wir haben mit EFG, Zurich, Hapag Lloyd, KPMG, Schütz und dem Yacht Club de Monaco sechs Partner. Einen Partner suchen wir noch. Das ist auch Teil der Gesamtherausforderung und nicht weniger anstrengend als das Segeln selbst. Aber wir sind optimistisch, dass wir bald komplett sind.

Mit der Serie “Born to Race” begleitet Team Malizia das aktuelle Neubaukapitel des Rennstalls zehn Jahre nach seiner Gründung. Hier geht es zum Auftakt der Reihe:

Tatjana Pokorny

Tatjana Pokorny

Freie Reporterin Sport

Tatjana „tati“ Pokorny ist Autorin von neun Büchern. Sie arbeitet als Reporterin für die YACHT, berichtete unter anderem von neun Olympischen Spielen, als Korrespondentin für die Deutsche Presse-Agentur (DPA), das Hamburger Abendblatt sowie weitere nationale und internationale Medien. Kernthemen sind der America's Cup, das Ocean Race, die Vendée Globe, SailGP und weitere nationale und internationale Regatten und ihre Protagonisten. Lieblingsdisziplin: Portraits von und Interviews mit Segelsportpersönlichkeiten.

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