Boris Herrmann und Team Malizia bekommen in diesem Sommer eine neue Imoca. Das Neubau-Finale läuft in Lorient. In Teil 1 des Interviews hatte Boris Herrmann über sein Vertrauen zu Konstrukteur Antoine Koch, die Zusammenarbeit, die Vorzüge des neuen Designs und die damit verbundenen Hoffnungen gesprochen. Mit Teil 2 setzen wir das Interview zu “Malizia 4” und einem kurzen Blick auf die zehnjährige Teamgeschichte und auch das Forschungsschiff “Malizia Explorer” fort.
Die Linien sind einfach gerader als beim vorherigen Schiff, das viele Rundungen hat und – je nach Perspektive – manchmal auch ein bisschen bauchig aussieht. Ich finde, das neue Schiff hat diesen Schein, der sehr aggressiv wirkt. Die Form wird insgesamt ein bisschen schnittiger aussehen.
Du hast immer einen, der für eine Vendée Globe das beste Gesamtpaket hat. Das war letztes Mal interessant, weil es diese zwei extrem unterschiedlichen Konzepte gab: Das Guillaume-Verdier-Schiff, das gewonnen hat (Red.: Charlie Dalins „Macif Santé Prévoyance“) und das schmale Koch-Schiff, das dann Zweiter geworden ist.
Wäre es im Southern Ocean nur etwas windiger und welliger gewesen, dann hätte sich, glaube ich, das Koch-Schiff durchgesetzt. Bei ein bisschen mehr Welle funktioniert das Guillaume-Verdier-Schiff nicht mehr so gut. Ich will Charlie Dalins Leistung nicht schmälern, aber da hat er auch ein bisschen Glück gehabt. In etwas härteren Bedingungen wären die „Arkéa“-Vorteile deutlicher hervorgetreten. Hätte Yoann Richomme bei Kap Hoorn einen größeren Vorsprung gehabt, dann wäre es vielleicht anders ausgegangen.
Ich glaube, das ist gut so. Wir haben das als Mockup in Sperrholz nachgebaut und auch mit Virtual-Reality-Brillen ausprobiert. Beim letzten Schiff war es mir manchmal schon fast zu hoch, wenn man sich an der Decke festhalten wollte, weil das Schiff Lage schiebt. Jetzt steht man eher mit breiten Beinen, leicht vorgebeugt. Und wenn man sich da mal richtig strecken will, dann kann man in den seitlichen Bereichen oder im hinteren Cockpit stehen. Das müssen wir ausprobieren.
Ich hatte mein vorletztes Schiff ‚Malizia 2‘ vier Jahre lang. Da hatte ich ein noch viel flacheres Cockpit als es jetzt auf der neuen ‚Malizia 4‘ sein wird. Damit bin ich auch gut klargekommen. Ich glaube, da hatte ich 1,60 Meter Höhe und jetzt haben wir ein bisschen mehr. Vorne weniger und hinten mehr, da kann man fast stehen.
Ich habe das Gefühl, dass es von der Ergonomie her angenehmer wird, das neue Schiff. Deswegen haben wir es so gemacht. Man kann auch mehr sehen. Weil: Wenn das Cockpit so hoch ist wie bei dem vorherigen Schiff, wo der Süllbord ja so hoch war, dann werden die Fenster irgendwann sehr schmal. Zur Seite raus konnte man nicht so viel sehen beim alten Schiff. Jetzt kannst du sogar im Sitzen rausschauen.
Dadurch, dass der Freibord niedriger ist als bei „Malizia 3“, sind die Fenster größer. Wenn du sitzt, sind die Augen bei meiner Körpergröße auf Deckshöhe so, dass ich rausgucken kann. Was natürlich ganz geil ist, weil man ja im Keller sitzt. Vor allem, wenn ich da drei Monate alleine rumdüse (Red.: bei der Vendée Globe 2028/2029), stellt sich eben kein Kellergefühl mehr ein, weil ich aufs Meer blicken kann.
Ja, sehr. Ich mache dreimal die Woche Sport. Ich versuche in Form zu sein, wenn die Saison für uns nach der Taufe Ende Juni im Juli auch sportlich beginnt.
Mit viel Freude. Die Dinge laufen gut, das Team ist gut. Ich bin auch positiv überrascht, wie sich alles mit unserem Forschungsschiff „Malizia Explorer“ entwickelt. Wir haben alle Missionen und Projekte zwar aktiv so geplant, aber wenn die Umsetzung dann so gut vonstatten geht, ist das toll. Dass man einfach drei Antarktis-Expeditionen aneinanderreiht, ist nicht selbstverständlich. Das war ein richtig guter Auftakt.
Indirekt. Ich hatte ein solches Projekt immer im Kopf. Ein Aktionsschiff. Mich sprach dann Arno Kronenberg an, ein langjähriger Wegbegleiter. Er sagte, er habe ein Schiff auf dem Gebrauchtmarkt entdeckt, dass sich für solche Zwecke sehr gut eignen würde. Wir sind hin, haben eine Probefahrt gemacht und los ging es. Dieses Schiff hat die Sache inspiriert.
Absolut! Man kann es mit zwei Leuten segeln und zehn Gäste an Bord nehmen. Sieben Wissenschaftler und drei Journalisten waren es beispielsweise bei der ersten Antarktismission. Wir haben im vergangenen Jahr im April angefangen, sind im Mai in Monaco gewesen, hatten dann in Südspanien ein Finnwalprojekt. Weiter ging es in den Senegal, nach Fernando de Noronha, nach Brasilien und zu einem kleinen Refit in Uruguay. Dann kamen die drei Missionen in der Antarktis. Es ging Schlag auf Schlag. Insgesamt haben wir jetzt neun Einzelprojekte in elf Monaten gemacht.
Es ist eine Mischung aus privater und wissenschaftlich- öffentlicher Finanzierung. Wir haben als Sponsoren das Geomar, das Alfred-Wegener-Institut und Hereon. Das Umweltbundesamt hat die Danger Island Mission finanziell unterstützt. Dann haben wir die Laeisz Reederei als privaten Sponsor. Dazu gibt es weitere private Aufträge.
Ja, wir haben mit EFG, Zurich, Hapag Lloyd, KPMG, Schütz und dem Yacht Club de Monaco sechs Partner. Einen Partner suchen wir noch. Das ist auch Teil der Gesamtherausforderung und nicht weniger anstrengend als das Segeln selbst. Aber wir sind optimistisch, dass wir bald komplett sind.

Freie Reporterin Sport