Wochenlang hat "Apivia"-Skipper Charlie Dalin die Vendée-Globe-Flotte angeführt, bevor ihn ein Foil-Schaden für kurze Zeit aus dem Rhythmus gebracht und zur Reparatur gezwungen hatte. Inzwischen ist der Yachtkonstrukteur aus der Normandie längst wieder gut in Fahrt und jagt als Gesamt-Zweiter Spitzenreiter Yannick Bestaven auf "Maître Coq IV". Über Nacht jedoch wuchs Dalins Rückstand um 55 wieder auf 115 Seemeilen an – rund 212 Kilometer trennten Bestaven und Dalin um 9 Uhr morgens deutscher Zeit am 4. Advent. Dabei sinnierte Dalin darüber, dass die aktuellen Bedingungen südlich von Neuseeland rund um den 55. Breitengrad Süd nahe der Eisgrenze alles andere als üblich sind. Dies und der gesamte bisherige Rennverlauf haben dazu beigetragen, dass die führenden Boote im Vergleich zur Vendée-Globe-Edition 2016/17 sehr viel langsamer statt – wie mit den modernen Foilern erhofft und erwartet – schneller unterwegs sind. Tatsächlich segeln sie der Zeit von Armel Le Cléac'h, der die Welt 2016/17 in Rekordzeit von 74 Tagen, 3 Stunden, 35 Minuten und 46 Sekunden umsegelt hatte, satte sechs Tage hinterher.
"Wenn ich mir Armels Kurs vor vier Jahren ansehe, dann ist er uns weit voraus. Wir sind also nicht schnell unterwegs, oder? Ich würde es etwas 'sportiver' und ein bisschen weniger gemütlich bevorzugen." Doch die berüchtigten "Wilden Fünfziger" zeigen ihre Zähne nicht. Am Samstag segelte Dalin bei 15 Grad und Sonnenschein unter blauem Himmel gen Osten. Der Halsen-Slalom entlang der Eisgrenze – hoch in die leichteren Winde nach Norden und wieder runter an die Eisgrenze – ist ermüdend. Strategische Optionen gibt es derzeit kaum. "Ja, ich stricke ein bisschen. Mit reiner Neuseeland-Wolle", machte sich Dalin über seinen Zickzackkurs in den zahmen, bisweilen fast ein wenig langweiligen Bedingungen lustig, während im rund 2000 Kilometer entfernten Revier vor Auckland auch den futuristischen America's-Cup-Prototypen der Wind zur Austragung ihres Weihnachtsrennens fehlte. Das Prada Christmas Race konnte nach einem nicht beendeten ungleichen Duell zwischen den dominierenden Kiwis und den flügellahmen Briten in zu flauen Winden nicht weiter gesegelt werden.
An seinen Dronenflugkünsten muss Louis Burton noch etwas arbeiten, aber einige Luftbilder von Boris Herrmann auf seiner "Seaexplorer - Yacht Club de Monaco" konnte der Franzose im Pazifik doch einfangen
Boris Herrmann führt derweil das Vendée-Globe-Peloton im Südpazifik hinter dem Spitzentrio an. Der "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco"-Skipper genoss zwischenzeitlich etwa bessere Winde als die vorderen Boote, muss sich aber nun mit ähnlichen Bedingungen auseinandersetzen. Sein Rückstand auf den drittplatzierten Thomas Ruyant betrug am Sonntagmorgen rund 200 Seemeilen. Auf den hinter ihm auf Platz fünf liegenden Jean Le Cam hält Herrmann einen Vorsprung von rund 50 Seemeilen.
Beinahe unbemerkt hat in der Zwischenzeit Jérémie Beyou das Feld von hinten aufgerollt. Der Vorstart-Favorit, der mit Bruch in den Start- und Zielhafen Les Sables-d'Olonne hatte umkehren müssen, war der enteilten Flotte nach erfolgreicher Reparatur mit neun (!) Tagen Rückstand hinterhergesegelt. Inzwischen hat er bereits sechs Boote überholt, zuletzt den mit seinem Großsegelschaden ebenfalls früh im Rennen hart geprüften japanischen "DMG Mori Global One"-Skipper Kojiro Shiraishi. Mit knapp 250 Seemeilen Rückstand auf Manuel Cousin auf "Groupe Sétin" auf Platz 20 gab "Charal"-Skipper Beyou am Sonntagmorgen im Indischen Ozean Gas. Sein Bootsspeed von 21 Knoten: in seinem aktuellen Umfeld herausragend! Dem furiosen Franzosen ist noch einiges zuzutrauen in diesem Rennen, auch wenn er die vorderen Boote kaum mehr einholen kann. Seine Chance auf die schnellste Gesamtzeit bleibt auch ohne Siegaussichten gewahrt.

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