RegattaVendée Globe: Stürmisches Rendezvous mit Kap Hoorn

Tatjana Pokorny

 · 01.01.2021

Regatta: Vendée Globe: Stürmisches Rendezvous mit Kap HoornFoto: Benjamin Dutreux / Omia - Water Family / #VG2020

Die Spitzenreiter bereiten sich auf ihre höchst anspruchsvolle Drake-Passage vor, das Verfolgerfeld mit Boris Herrmann jagt auf buckliger Piste hinterher

Fast ist Kap Hoorn für Yannick Bestaven schon in Sicht. Der "Maître Coq IV"-Skipper sollte die legendäre Landmarke noch am Samstag passieren, wenn er den stürmischen Bedingungen einigermaßen standhalten kann. Etwa zehn bis zwölf Stunden später wird dort – voraussichtlich in der Nacht auf Sonntag – auch der zweitplatzierte "Apivia"-Skipper Charlie Dalin erwartet. Für die führenden Boote nimmt der Wind aktuell immer noch zu. Genauso der Seegang. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Bestaven und Dalin ihre Geschwindigkeiten drosseln werden, um ihre Boote zu schonen.

  Spitzenreiter Yannick Bestaven wünscht ein frohes neues Jahr. Und serviert seinen vieldeutigen Neujahrswunsch gleich dazu: "2021 lassen wir die Masken fallen."Foto: Yannick Bestaven / #VG2020
Spitzenreiter Yannick Bestaven wünscht ein frohes neues Jahr. Und serviert seinen vieldeutigen Neujahrswunsch gleich dazu: "2021 lassen wir die Masken fallen."

Aufatmen können sie erst am Ende der Drake-Passage zwischen Kap Hoorn und den Südlichen Shetlandinseln, wenn der Wind wieder auf rund 25 Knoten abnimmt. Aber auch das nur bedingt, denn Sturmböen werden die Frontmänner noch eine Weile begleiten. Wirklich moderater werden die Bedingungen voraussichtlich erst ab den Falklandinseln. Bemerkenswert: Sowohl für Bestaven als auch für Dalin ist es die erste Kap-Hoorn-Passage ihrer Segelkarriere. Beide vermeldeten am Morgen beim 58. Breitengrad Süd, dass sie und ihre Boote bereit sind für die außergewöhnlich harte Prüfung.

  Die Positionen zum Ende des 55. Tages auf See am Morgen des 2. Januar. Es ist kaum zu übersehen, dass die beiden führenden Boote einem heftigen Kap-Hoorn-Sturm ausgesetzt sindFoto: Screenshot / #VG2020
Die Positionen zum Ende des 55. Tages auf See am Morgen des 2. Januar. Es ist kaum zu übersehen, dass die beiden führenden Boote einem heftigen Kap-Hoorn-Sturm ausgesetzt sind

Bestaven war mit drittem Reff und J3 unterwegs, und Dalin wies darauf hin, dass er noch nie so weit in den Süden vorgedrungen war. Während Bestaven seine Foils der Version von 2015 komplett ausgefahren hat, erklärte Dalin, er habe die seinen von 2019 halb eingefahren. Weiter sagte Dalin: "Yannick wird den Sturm ein bisschen früher erreichen als ich. Und es wird ihn sogar härter treffen als mich. Aber er ist echt stark. Ich bin glücklich, dass es mir gelungen ist, mich von den Jägern abzusetzen: Vor 48 Stunden noch musste ich wirklich kämpfen, um vor der Front zu bleiben. Am Ende hat sich die harte Arbeit ausgezahlt, weil sie mich nie überholt hat und ich mir einen Vorteil erarbeiten konnte. Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder unseren lieben Atlantik zu erreichen. Und warme Temperaturen…"

Es sieht zum Ende des 55. Tages auf See so aus, als sei dem führenden Duo der Ausbruch vorerst gelungen. Zwar hat auch Dalin 165 Seemeilen Rückstand auf Bestaven, doch das Verfolgerfeld mit Thomas Ruyant ("LinkedOut") und Damien Seguin ("Groupe Apicil") an der Spitze liegt bereits fast 500 und mehr Seemeilen hinter Bestaven zurück und muss sich sputen, will es die Enteilten beim Atlantik-Aufstieg noch einholen. Boris Herrmanns Rückstand auf die aktuelle Nummer 1 betrug am Morgen des 2. Januar 674 Seemeilen.

  Boris Herrmann segelt Kap Hoorn noch mit Silvesterdekoration entgegenFoto: Boris Herrmann Racing#VG2020
Boris Herrmann segelt Kap Hoorn noch mit Silvesterdekoration entgegen

In der Nacht zum 2. Januar schickte Boris Herrmann diese Botschaft von See

Der "Seaexplorer – Yacht Club de Monaco"-Skipper war gut gelaunt. Beobachter schreiben dem Deutschen auf Platz sechs, dem französischen Rekordteilnehmer Jean Le Cam auf "Yes We Cam!" auf Platz sieben und der dahinter liegenden Deutsch-Französin Isabelle Joschke ("MACSF") mit Blick auf ihre Positionierungen die besten Chancen zu, bei ihrer Kap-Hoorn-Passage Boden gutmachen zu können. In der Nacht zum 2. Januar sagte Boris Herrmann: "Wir sind fast schon da: Kap Hoorn ist nicht mehr weit entfernt. Ich kann es kaum erwarten. Ich hoffe, dass ich diesen schroff aufragenden Felsen am Südzipfel Chiles bei Tageslicht zu sehen bekomme. Ich werde der Tradition folgen und einen ordentlichen Schluck Whisky ins Meer gießen, wenn es so weit ist. Für mich wird diese Passage das größte Fest meiner Reise sein, denn dann verlassen wir das Südmeer und erreichen wieder berechenbarere atlantische Gefilde."

  Neujahrsgrüße von Alexia Barrier ("TSE - 4myplanet"), die als 25. von 27 im Rennen verbliebenen Booten ihr eigenes beherztes Rennen absolviertFoto: Alexia Barrier / TSE - 4myocean / #VG2020
Neujahrsgrüße von Alexia Barrier ("TSE - 4myplanet"), die als 25. von 27 im Rennen verbliebenen Booten ihr eigenes beherztes Rennen absolviert

Weiter westlich im Pazifik kämpft der Schweizer Alan Roura weiter mit seinem aufgrund von Hydraulikproblemen in der Achse blockierten Kiel; "Medallia"-Skipperin Pip Hare musste Roura bereits vorbeiziehen lassen. Jetzt wird er von Arnaud Boissières und "Charal"-Aufholkönig Jérémie Beyou bedrängt. Letzterer hat nur noch gut 100 Seemeilen Rückstand auf Boissières und dürfte bei anhaltendem Tempo bald weitere Plätze gutmachen. Der nach Bruch und Reparatur erst neun Tage nach dem Feld in die 9. Vendée Globe gestartete Franzose hat schon ein gutes Drittel des Feldes wieder eingeholt und könnte immer noch eine neue Bestzeit für das Rennen aufstellen.

  Lag am frühen 2. Januar auf Platz 21: der japanische Skipper Kojiro ShiraishiFoto: Kojiro Shiraishi / DMG Mori Global One / #VG2020
Lag am frühen 2. Januar auf Platz 21: der japanische Skipper Kojiro Shiraishi
  Kleines Neujahrsfest an Bord von Kojiro Shiraishis "DMG Mori Global One"Foto: Kojiro Shiraishi / DMG Mori Global One / #VG2020
Kleines Neujahrsfest an Bord von Kojiro Shiraishis "DMG Mori Global One"

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