Wahrscheinlich mit einer Mischung aus alldem. Auch eine große Erlösung von dem ganzen Trubel der Vorbereitung wird dabei sein. Den eigentlichen Start des Rennens habe ich schon genau vor Augen. Wir haben viele Trainings absolviert, inklusive Starts – eine Art Replikation des 8. November, eine stete Wiederholung des gleichen Schemas. Es gibt also eine Routine, Checklisten, klare Aufgaben für alle im Team. Wir versuchen, uns genau daran zu halten. Der Start zur Route du Rhum vor zwei Jahren hat ziemlich perfekt geklappt. Das ist unser "Schnittmuster" für die Vendée Globe. Vom Rest will ich mich möglichst wenig ablenken lassen.
Nein. Das würde ja heißen, dass man vorher eine Möglichkeit ausgelassen hätte, die Sicherheit zu erhöhen. Mir ist nichts eingefallen seit der Geburt meiner Tochter, was ich anders machen sollte. Bei hohen Geschwindigkeiten kann man natürlich das Schiff kaputtfahren, aber nicht sich selbst. Dafür haben wir ja die ganzen wasserdichten Schotten, die Pumpen – ein Imoca ist praktisch unsinkbar. Also uns wird normalerweise nichts passieren dadurch, dass wir mehr pushen. Es ist eher die Sorge ums Material; die war vorher genauso da wie bisher, da hat sich wirklich nix geändert. Ansonsten müsste ich mir den Vorwurf gefallen lassen, ein Hasardeur zu sein. Und das ist eigentlich keiner von uns Skippern. Wenn mir was passiert, sind es ja nicht nur meine Frau und meine Tochter, die betroffen sind – ich bringe auch die Menschen in Gefahr, die mir helfen. Deswegen geht es immer darum, verantwortungsvoll zu segeln.
Wie erwartet: Nicht ganz da, wo die neuen Imocas stehen, aber so, dass wir mitspielen können. Vor allem mit der Gruppe um "PRB" und "Initiatives-Cœur" (zwei älteren, ebenfalls mit neuen Foils nachgerüsteten Booten, d. Red.) werden wir uns auf jeden Fall messen. Bei bestimmten Bedingungen können wir auch die Top-Boote halten. Allerdings beginnen die vor allem bei Leichtwind früher zu foilen. Da brauchen wir 2 Knoten mehr Wind oder 10 Grad tiefere Kurse, um abzuheben. In einem kleinen, spezifischen Windfenster fahren "Apivia" und Co. 18 Knoten und wir nur 13 Knoten, weil wir gerade noch nicht auf die Foils kommen. Das könnte wehtun, wenn wir länger in solchen Bedingungen unterwegs sind.
Unter 70.
Vollkommen. Auch 65 Tage sind möglich.
Für 80 Tage. Wenn ich rationiere, zum Beispiel wegen technischer Probleme, komme ich auch 100 Tage mit meinem Vorrat aus.
Fotos von Frau und Kind; die hängen schon unter Deck. Es gibt ein paar besondere Leckereien und aus Tradition für jedes Kap eine Mini-Flasche Whisky. Dann noch zwei, drei Papierbücher aus Nostalgie. Eins ist von Prinz Albert I. über Ozeanografie. Er hat es vor Jahrzehnten über seine eigenen Abenteuer geschrieben; das Vorwort stammt von Jacques Cousteau. Und zur Unterhaltung habe ich ein iPad mit Musik und Videos dabei.
Ja, auf jeden Fall. Ich habe ungemein viel gelernt, allein schon durch die Arbeit mit einem Top-Wetterrouter wie Marcel van Triest (beim Jules-Verne-Rekordversuch auf "Idec" 2016, d. Red.). Es macht mich sehr zuversichtlich, dass ich schon dreimal um die Welt bin und andere noch nie. Da muss ich mich nicht verstecken.
Ich habe das für mich ganz genau analysiert: Auf dem Papier sind wir unter den zehn schnellsten Schiffen. Es wird sehr von der Fortüne abhängen, wie viele von den anderen ausfallen. Top 10 ist jedenfalls mein Ziel.

Chefredakteur Digital